Berlin für (fast) lau

Berlin für (fast) lau

28.-31.10.17

Wenn ein langes Wochenende und das Angus & Julia Stone Konzert in Berlin zusammentreffen, dann ist das mal wieder den ein oder anderen Blogpost wert. Den vom Konzert findet ihr hier.

Eigentlich hatte ich in Berlin einige Sachen geplant die Geld gekostet hätten, da aber ein Orkan über die Hauptstadt fegte, waren viele dieser Unternehmungen leider nicht möglich, sodass ich am Ende nur Dinge unternommen habe die kein oder wenig Geld gekostet haben und das ist für den ein oder anderen ja vielleicht auch interessant, wie man viel von Berlin sieht ohne ein Vermögen dafür auszugeben.

Ich war schon viele Male in Berlin. Kenne also bereits viele der typischen Touristenattraktionen. Bei anderen hingegen war ich noch nie oder vor sehr langer Zeit, deshalb musste ein bischen was aufgeholt werden.

Hier nun mein Guide „What to do in Berlin for (nearly) free“:

Unterkunft:

Normalerweise schlafe ich immer bei Freunden wenn ich in Berlin bin, diesmal ging das nicht, deshalb musste eine zentrale und preiswerte Unterkunft her. Und diese fand ich im Stadtteil Wilmersdorf mit der Pension Bella. Zimmer pro Nacht mit Frühstück ca. 40 €. Natürlich kann man auch günstiger in Hostels nächtigen aber die sind ja immer eher nicht so meine erste Adresse.

Die Pension Bella liegt in einem schönen Gründerzeithaus in einer kleinen ruhigen Seitenstraße und nur 5 Min zu Fuß vom Kudamm entfernt und vielleicht 10 min vom Bahnhof Zoo. Somit eine 1 a Lage. Das Haus an sich ist wunderschön. Super groß und es wurde versucht alles von 1906 noch zu erhalten, so auch der kleine Aufzug. Die Pension hat ca. 10 Zimmer, wobei jedes anderes eingerichtet ist aber alle im alten Stil gehalten. Ich hatte das rosa Prinzessinnen Zimmer. Das Frühstück war auch recht reichhaltig und lecker, mit Obst und Würstchen und vielem anderen. Sehr zu empfehlen.

 

Stadtteil Wilmersdorf:

Ich hab mich stellenweise ein wenig fehl am Platz gefühlt, denn dort wohnt doch eher das gehobenere Klientel mit Pelzmantel und Rolex. Aber dafür ist die Bausubstanz umso schöner. Vornehme wunderschön restaurierte Gründerzeithäuser wechseln sich mit modernen schicken Wohnkomplexen ab. Was mir am besten gefallen hat – dass es überall so kleine Inhabergeführte Läden des täglichen Bedarfs gibt. Hier ein Schuhmacher, da ein Bäcker. Natürlich auch der schicke Interieur Laden oder ein Biosupermarkt. Man hat hier nicht das Gefühl, dass man im trubeligen Berlin ist, nur wenige Schritte von der Kudamm Shopping Meile entfernt. Alles ist irgendwie so niedlich und gediegen.

Kudamm / KaDeWe/ Bikinihaus:

Auf dem Kudamm hat mir eigentlich nur der Bereich ab der Bleibtreustraße stadtauswärts gefallen, denn dort beginnen die ganzen Luxusstores. Es ist schön ruhig und man kann interessante Personen beobachten. Dazu ist die Architektur und die Schaufenster sehr ansehenswert. Der Kudamm rund um die Gedächtniskirche ist mir zu wuselig, deshalb habe ich mich dort nicht sehr lange aufgehalten. Das KaDeWe am Wittenbergplatz muss man mal gesehen haben, weil es meist sehr schön dekoriert ist und man sieht ja nicht oft Dior neben Gucci und Hermes. Aber an sich war es da drin auch eher nicht so mein Wohlfühlbereich. Was ganz schön ist, ist das Dach des Bikini Hauses. Das Bikini ist im Grunde auch nur eine Shoppingmall mit festen Läden, Pop Up Stores und so „Holzkisten“ wo kleine Designer oder Berliner Brands ihre Waren feil bieten. Das Wetter war leider an dem Tag eher suboptimal aber grundsätzlich kann man schön auf dem Dach des Bikini sitzen und auf der einen Seite in den Zoo gucken und auf der anderen Richtung Gedächtniskirche.

Warschauer Brücke / Oberbaum Brücke/ East Side Gallery:

Eine Ecke die recht angesagt ist, vor allem wegen der „neuen Heimat“, ein altes Fabrikgelände wo Essensmärkte und Flohmärkte statt finden und sich einige Clubs angesiedelt haben. Aber dort trieb es mich diesmal nicht hin, denn da war ich des Öfteren schon. Diesmal wollte ich mir die Oberbaum Brücke und die East Side Gallery mal genau angucken, denn dort war ich bisher nur vorbei gefahren. Die Oberbaumbrücke ist nicht nur ein architektonisches und fotografisches Schmankerl (wenn die gelben Straßenbahnen vor blauem Himmel über die Brücke fahren) sondern auch ein sehr schöner Aussichtspunkt in Richtung Alexanderplatz.

Die East Side Gallery ist ein  knapp 1,5 km langes Stück Berliner Mauer, welches nach der Wende von vers. Künstlern bemalt wurde. Oft sind die Kunstwerke sozialkritisch. Es geht um Umweltschutz, um Politik und um Liebe. Ich fand total interessant wie aktuell dort einige Gemälde von ihrer Aussage her waren und musste erst mal nachlesen ob das wirklich alles schon fast 30 Jahre alt ist. Das berühmteste Gemälde ist dabei wohl der Bruderkuss von Breschnew und Honecker. Davor tummeln sich auch die meisten Menschen und wollen ein Bild machen. Generell ist es dort super voll und touristisch. Es gibt auch ein Mauermuseum aber ich und Museen sind ja nicht so die besten Freunde. Einige Straßenkünstler gibt es an der Mauer auch, die das Publikum von fern und ferner unterhält. Dieses Stück deutscher Geschichte ist auf jedenfall ein Must-See und dazu noch völlig kostenfrei und damit uneingeschränkt zu empfehlen.

Teufelsberg / Drachenberg:

Bei meiner Suche nach besonderen Berliner Orten stieß ich immer wieder auf den Teufelsberg. Dort wollte ich auch hoch. Eine ehemalige NSA Abhörstation auf einem Berg mitten im Grunewald. Das ich am Ende dann aber nicht dort sondern auf der Aussichtsplattform daneben gelandet bin, hatte 2 Gründe: Zum einen ist Google Maps ein A-loch und hat mich Gretel ohne Hänsel – like im Wald herum irren lassen und zum anderen wollen die 15 € zum Fotografieren auf dem Berg und das war es mir am Ende doch nicht wert. Aber die abenteuerliche Geschichte von vorn. Mit dem Bus bis zum Scholzplatz (was sich hinterher natürlich auch als völlig falsch rausstellte aber so hatte es Maps mir gesagt) und dann in ein Wohnviertel und ab dort quer in den Wald rein. Mir begegneten einige Hundebesitzer die sich wunderten was ich da im Wald suche. Nachdem ich eine Weile querfeldein die unausgeschilderten Wanderwege Richtung Abhöhrstation gelaufen war und dann gar nicht mehr wusste, wurde ich von den 2 Jagdhunden des örtlichen Försters „angefallen“. Hunde stehen nicht so auf Sonnenbrille. Der Förster verklickerte mir dann, dass ich total auf dem Holzweg sei und ganz woanders lang müsste. Er erzählte mir irgendwas von einem Rodelberg und einer asphaltierten Straße. Ich wanderte weiterhin planlos durch den Wald, denn der eine Weg gabelte sich dann in 3 und ich hatte keine Ahnung wo lang. Inzwischen war es ein wenig gruselig, da mir niemand mehr begegnete und ich auch keinen Schimmer mehr hatte wie ich denn jemals zurück kommen sollte. Dann fand ich etwas, dass aussah wie ein Rodelberg und einen steilen asphaltierten Weg daneben (war aber schlussendlich auch nicht der den mir der Förster erklärt hatte). Ich wanderte wieder Richtung Abhöhrstation und stand auf einmal mitten auf einer Motorcross Strecke. Äh ja. Außerdem waren 2 von 3 weiterführenden Wegen wegen umgestürzter Bäume gesperrt.

Das war der Zeitpunkt wo ich endgültig dachte, Teufelsberg leck mich doch und lieber in die andere Richtung auf einen kleineren Berg (Drachenberg) abbog auf dem jemand stand. Ich quälte mich einen steilen steinigen Weg wie eine Bergzicke nach oben (und hatte schweißnasse Hände bei dem Gedanken wie ich da wieder heil runter kommen sollte). Auf dem Plateau angekommen, fiel mir dann erst mal die Kinnlade herunter als ich Menschen mit Kinderwagen und alte Leute mit Gehhilfe sah. Wie zum…sind die hier hoch gekommen?! Kurze Bebilderung der Wege auf das Aussichtsplateau.

Und hier der Weg den ich hoch gekommen war….

Die Aussicht oben war der absolute Oberknaller. Das kommt auf den Bildern mal wieder gar nicht so schön rüber aber geht dort hoch und staunt selbst über den tollen Blick über Berlin und den Grunewald.

Zurück zu nahm ich die Treppe und fand unterhalb einen großen Parkplatz und den eigentlich Weg auf den Teufelsberg. Den nahm ich dann aber nicht mehr, denn ich hatte andere Pläne.

 

Tiergarten / neuer See / Siegessäule:

Das Wetter war wunderschön und ich spielte mit dem Gedanken in den Zoo zu gehen und mir die Pandas anzugucken. Die Schlange an der Kasse hielt mich davon ab und ich lief in den Tiergarten. Auch einer der Orte in Berlin die ich mir bewusst noch nie angesehen hatte. Vorbei an den vers. Stellen wo man immer mal über den Zaun in den Zoo gucken konnte. Dann an einem kleinen Kanal entlang. Hach wie war das idyllisch. Wenig Menschen, die Sonne lachte, das Herbstlaub fiel und die Schwäne streckten ihr „Schwänzchen“ in die Höh.

Ich lief weiter zum neuen See und hatte so ein leichtes Kanadagefühl, weil es dort richtig wild aussah und einen nichts mehr daran erinnerte, dass man mitten in Berlin war.

Auf einem der vielen Parkpläne machte ich mich schlau wie ich am besten zur Siegessäule komme. Ich hatte mir überlegt, ja dort vielleicht mal hoch zu gehen. Nun ja, an einem sonnigen Montag vor einem Feiertag, hatten sich das doch noch einige andere Touristen überlegt und so drehte ich nur eine Runde drum herum und verschwand schlussendlich für ein paar Einkäufe wieder auf dem Kudamm.

Kreuzberg / Markthalle 9:

Ich liebe liebe liebe Markthallen und Märkte und war deshalb auch schon vorher in der Markthalle 9 in Kreuzberg. Diesmal hoffte ich auf einen Wochenmarkt, nur leider war ich viel zu spät dran und erwischte nur ein paar kleine Restessensstände. Erst gegen Abend füllt sich die Halle dann wieder und alle Essensstände machen auf. Dann kann ich es absolut jedem empfehlen, denn es gibt soooo leckere Sachen dort zu essen. Die vers. Nationen haben dort ihre Stände und es gibt allerlei Leckereien. Da zu meiner Zeit dort nichts los war, holte ich mir beim afrikanischen Imbissstand nebenan eine Art Teigtasche mit frittiertem Gemüse, Halloumi, Mangosoße und Erdnusssoße. Auch sehr zu empfehlen.

Park Inn Dachterrasse / Alexanderplatz:

Zuerst wollte ich ja auf den Fernsehturm aber der Eintritt ist recht teuer und die Schlange immer sehr lang. Bei meiner Recherche was es denn noch so für Aussichtsmöglichkeiten gibt, stieß ich auf die Terrasse des Park Inn Hotels am Alexanderplatz. Eigentlich wollte ich dort zum Sonnenuntergang hoch, leider überschnitt sich das mit meinem Zeitplan. So gab es nur die Nachmittagssonne. 4 € kostet der Spaß. Im Vergleich zum Fernsehturm recht günstig, man sieht aber halt auch nur in 2 von 4 Himmelsrichtungen, was nicht ganz so optimal ist. Dennoch finde ich, dass sich der Viewpoint trotzdem lohnt. Ich denke die Bilder sprechen für sich.

Food / Stores:

Kann ich diesmal nicht allzu viel zu sagen, da ich hauptsächlich mein Essen in Imbissläden oder Supermärkten gekauft habe.

Und shoppen war ich auch nur bedingt. Im neuen Flagship Store der Japanischen Brand Uniqlo habe ich zugeschlagen. Deren Heat Tech Bekleidung ist absolut großartig für so Outdoorfreudige Frostbeulen wie mich. Und sonst war ich nur noch bei &other Stories auf dem Kudamm. Selbst wenn ihr da nichts kaufen wollt, guckt euch den Laden von Innen an. Wunderschön! So ein bisschen wie in einem Schloss. Empfehlen kann ich dort die Handseifen. Jedes Mal wenn ich in Berlin bin, kaufe ich eine. Die Geruchsrichtungen sind einfach nur himmlisch und das ganze Bad riecht nach dem Händewaschen wie im Paradies.

Fazit:

In Berlin kann man echt viel machen auch wenn man wenig Geld hat. Es gibt auch eine Internetseite gratis-in-Berlin, auf der man jeden Tag sieht was alles so für lau los ist. Flohmärkte, Ausstellungen , kostenlose Museen, Feste etc. Aber auch in der Natur gibt es einiges zu entdecken. Berlin hat so viele Parks und Flüsse und Seen. Da könnte man sicher ein ganzes Jahr rumstromern und hätte trotzdem noch nicht alles gesehen.

Ich wollte eigentlich noch viel mehr in Berlin machen aber das Wetter war nur die Hälfte der Zeit gütig zu mir und 2, 5 Tage sind am Ende ja auch nicht allzu viel. Alles in allem hat sich der Kurztrip aber mal wieder enorm für eine Horizonterweiterung gelohnt.



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