Wanderung auf den Brocken über den Teufelsstieg

Wanderung auf den Brocken über den Teufelsstieg

16.6.17

Ich stand letztes Jahr im Sommer auf dem Schlosshof in Wernigerode, hatte einen eins a Blick auf den Brocken (ich war noch nie dort) und dachte mir: „Nächstes Jahr wanderst du da hoch!“ Ich habe es getan und bin super stolz und glücklich.

Anreise


Aber von vorn. Die Wetteraussichten waren eher mies aber der Wecker klingelte Freitag früh trotzdem um 6  (was nicht ganz so leicht war, da der Abend ein wenig länger geworden war) und fuhren dann so gegen 7:30 Uhr los Richtung Schierke.


Gefühlt auf jeder Autobahn war eine Baustelle und nur noch einspurig. Dementsprechend langsam kamen wir voran. In Leipzig 17 Grad und Sonne. Nach einer halben Stunde Fahrt wurde es bedrohlich dunkel und Wasserfälle stürzten herab. Na toll. Unsere Motivation schwand und wir konnten uns nicht vorstellen heute noch wandern zu gehen. Kurze Zeit später wurde es dann wieder sonnig und danach wieder dunkel und so ging das Spiel die ganze Fahrt über. Aprilwetter.

 

Gegen 10 im wunderschönen Schierke angekommen (wo ich mal wieder gemerkt habe, dass ich den Harz viel zu wenig kenne), kreiselten wir erst mal herum auf der Suche nach einem Parkplatz. Wir fanden einen kleinen privaten für 3€ am Tag und los ging es. 

 

Aufstieg Teufelstieg

Wir hatten uns entschieden den Aufstieg über den Teufelsstieg zu wagen. Im Internet stand was von „für erfahrene Wanderer mit guter Ausrüstung“. Genau das waren wir – NICHT!
Aber es waren die wenigsten Kilometer aber dafür recht schnell, recht viele Höhenmeter (über 500). Wir sind jung und fit (alles relativ gesehen) also schaffen wir das.

 

Die Landschaft am Weg war wunderschön. Viele Bäume mit jungen hellgrünen Trieben, ein rauschender Bach mit Miniwasserfällen, Wildblumenwiesen und die Vögel zwitscherten. Urlaub fürs Gehirn. Der Weg an sich war leider eher nicht so toll. Steine, nur Steine. Große Steine, kleine Steine, spitze Steine, rutschige Steine. Es gab nur wenige Stellen wo es nicht steinig war und dort lagen dann so Bretterbrücken, die aber reichlich morsch waren. Wir nur in Turnschuhen, weil bestens ausgestattet und so.

 

Die Ausschilderung war eine kleine Verarsche, Am Anfang standen 4,1 km. Nachdem wir eine Weile gelaufen waren, stand auf einmal „Schierke 2,2 km und Brocken 3,5 km“. Da konnte doch irgendwas nicht stimmen. Und so zog sich die Beschilderung durch die ganze Wanderung. Wir haben keine Ahnung wie viele km es am Ende wirklich waren. Ich habe vers. Angaben von 4,5 km bis 6,5 km pro Strecke gefunden. 

Verschnaufpausen gab es nur am Anfang. Der Aufstieg glich eher einer Jagd, bei der wir alle zu langsam laufenden Wanderer vor uns überholen wollten. Ich kanns nicht leiden zwischen Menschen zu laufen also muss man ein Stück schneller laufen als der Rest. Blöderweise stießen immer mehr andere Wege auf unseren, sodass es immer mehr Wanderer zum Ende hin wurden, die überholt werden mussten.


Als der Teufelsstieg dann oben auf die Brockenstraße traf, waren wir völligst im Eimer und nass geschwitzt. Das letzte Stück über die Straße war dann nochmal hart und wir mussten uns damit motivieren, dass es oben angekommen erst mal ein Bier und einen Schierker Feuerstein für uns geben würde.

 

Endlich oben

Das Wetter hielt sich die ganze Wanderung über. Oben auf dem Brocken war es nur noch nebelig. Als wir ankamen sahen wir nicht einmal das Brockenhaus. Es war stürmisch und um die 11 Grad „warm“ (immer noch weit über der Jahresdurchschnittstemperatur von 2,9°C).

Wir gingen erst mal in die Kneipe (bestes Ostdesign, Selbstbedienung aber halbwegs okay Preise) und hatten Glück noch einen Tisch zu bekommen. Es gab Erbsensuppe, Bier und den ersehnten Schierker Feuerstein. Da die Kneipe recht voll war, setzte sich noch ein Mann mit einem Hund an unseren Tisch. Da er einige Zeit am Essen anstehen musste, übergab er uns die Verantwortung für seinen Hund Max. Wir überlegten kurz ob wir uns mit Max aus dem Staub machen weil er so süß war 🙂

 

Nach einer Stunde ausruhen und verschwitze Kleidung trocknen, liefen wir noch eine Runde übers Brockenplateau, schossen die obligatorischen „Wir waren hier“-Fotos und machten uns dann relativ schnell wieder aus dem Staub, denn es war echt kalt und eklig dort oben.

 

Wir hatten überlegt ob wir nicht doch zurück fahren sollten und checkten kurz die Preise. 27€ für 8 km bis nach Schierke mit dem Zug und 15€ mit dem Kremser. Nö – wir laufen!

 

Der Abstieg

Ich hatte ganz schön Schiss vor dem Rückweg. Bergauf ist bei so großen Steinen noch okay aber abwärts haben meine Knie da arg zu kämpfen und das es auch noch anfing in Strömen zu Regnen und sich kleine Bäche zwischen den Steinen bildeten, machte die Sache nicht unbedingt leichter aber wir meisterten den Abstieg mit Bravour und nassen Füßen (ich habe mir heute gleich richtige Wanderschuhe bestellt).

 

 

Als wir dann fast wieder unten waren kam auch noch die Sonne heraus und zeigte uns den Nationalpark Harz nochmal in seiner ganzen Schönheit. 

 

 

Wir brauchten für den Abstieg auch wieder 1,5 h, da wir ein bisschen gechillter unterwegs waren. 
Kurz bevor wir am Auto ankamen regnete es dann mal wieder.

Vor 2 Tagen hätte ich noch nicht gedacht, dass wir das echt machen und bin deshalb jetzt umso glücklicher, dass wir es wirklich durchgezogen haben. 


Der Muskelkater und die schönen Fotos werden mich noch einige Zeit an den tollen lustigen aber auch anstrengenden Ausflug erinnern.


Wieder einen Punkt meiner Bucket List abgehakt und ein weiteres erstes Mal erlebt.



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