Greymouth – macht die Stadt ihrem Namen alle Ehre?!

Greymouth – macht die Stadt ihrem Namen alle Ehre?!

 

Allen Leuten, den ich erzählte, dass ich nach Greymouth gehe und dort 2 Wochen bleibe, schauten mich ungläubig an, denn Greymouth wird als hässlichste Stadt Neuseelands gehandelt und 2 Wochen hier zu verbringen schien für viele eine Horrorvorstellung zu sein. Aber zum einen war das nun mal die Endhaltestelle vom Tranzalpine (Bericht dazu hier entlang bitte), zum anderen hatte ich einen Hosteljob gefunden und außerdem möchte ich wirklich alles sehen und mir selbst eine Meinung bilden.

 

Unterkunft

 

Noahs Ark Backpackers – ich hatte über HelpX hier einen Job gefunden. 3 h arbeiten gegen Fühstück und ein Dormbett.

 

 

 

Gleich bei meiner Ankunft lernte ich Harry kennen und fühlte mich sofort wohl. Vor 40 Jahren ausgewanderter Deutscher. Rock`n Roller durch und durch. Nicht mehr alle Zähne im Mund, superdürr und jeden Tag das gleiche an aber ein Herz aus Gold. Ich hatte so großartige Gespräche mit ihm über Erwartungen, Reisen, Musik, Tod, Verlust, Sinn des Lebens, Glücklich sein. Er hat so viel in seinem Leben erlebt. Hat für viele 70er Jahre Rockbands Schlagzeug gespielt. Hat überall auf der Welt gelebt. Mit 22 geheiratet, mit 24 geschieden. Mit 26 alleinerziehender Vater. Seit 20 Jahren kein Alkohol und keine Drogen mehr. Sein Traum ist es sich ein Häuschen irgendwo in Griechenland zu kaufen und völlig autark dort zu leben. Der Mann hat mich einfach nur schwer beeindruckt mit seinen Geschichten, seinen weisen Worten und seiner Großzügigkeit. Er wurde zu einer richtigen Vaterfigur für mich in meinem „Home away from Home“

Lynda, seine Frau war komplett anders. Sehr gesunder Lebensstil. Einmal im Jahr Yogaretreat. Businessfrau. Spirituell. Harry meinte einmal zu mir, er wisse gar nicht warum sie sich überhaupt gefunden haben weil sie so unterschiedlich sind. Tja, Gegensätze ziehen sich wohl doch an.

Das Haus ein altes Kloster mit Kamin in jedem Zimmer. Irgendwann in den 90ern fingen mal irgendwelche vermeintlichen Künstler an in dem Haus die Wände mit vers. Tieren zu bemalen. Deshalb gibt es das Katzen-, Leoparden-, Affen- und so weiter Zimmer. Ich fands schrecklich. Jedes Zimmer sah aus wie Kindergarten. Die beiden haben das Hostel vor 3 Jahren übernommen und hatten überlegt alles zu überstreichen aber da dieses ganze Arche Noah Ding so ein Alleinstellungsmerkmal ist, haben sie es dann doch gelassen.

 

 

 

Die Arbeit: Als ich dort ankam waren wir 5 deutsche Backpacker und ein Niederländer. Wir waren innerhalb von einer Stunde mit unseren Arbeiten fertig. Zum Ende hin waren wir nur noch zu 3. und Lynda nicht in Greymouth und die Bude voll aufgrund von tagelangen Starkregenfällen, Sturm und Überschwemmungen. Da konnte mich die Arbeit dann schon ordentlich ankotzen. 25 Betten machen, Bettlaken falten und Küche putzen. Es war nicht immer leicht und mein Rücken braucht jetzt auch erstmal eine Pause aber dafür fühlte es sich an wie in einer Familie zu leben. Wir durften mit dem Familienauto allein los fahren um mit dem Hund Gassi zu gehen, einmal die Woche bekamen wir Pizza spendiert und ab und an sogar Bier. (Ich sollte eine Frühstückseinkaufsliste schreiben, Brot und so und habe aus Spaß dann noch Bier und andere Genussmittel drauf geschrieben und zu meiner Überrauschung bekamen wir alles)

 

 

 

 

Am vorletzten Tag breitete Harry seine Arme weit aus, trat auf mich zu, nahm mich ganz lang und fest in den Arm und meinte, dass er mich vermissen wird. Beim Abschied musste ich dann ganz schön mit den Tränen kämpfen. Es ist jedesmal so schwer lieb gewonnene Menschen zu verlassen. Aber ich weiß, dass ich immer einen Platz habe an den ich zurück kehren kann.

 

 

 

Greymouth CBD

 

Die Stadt heißt erstaunlicherweise nicht wegen ihres meist schlechten Wetters so, sondern weil irgendein Herr Grey hier mal wichtig war. Früher war hier alles voll mit Goldgräbern. Beim Graben nach Gold, hat man dann das schwarze Gold gefunden und so wurde Greymouth zur Kohlestadt. Dann gab es immer mal schwere Grubenunglücke und nachdem 2011 das letzte Mal ein Grubenunglück 29 Menschen das Leben gekostet hatte, wurde die Kohleindustrie gleich mit beerdigt. Somit zerfiel die Stadt. Einst reiche Kohlestadt, wo die Damen der Kohlearbeiter schicke Shops und Boutiquen in der Stadt hatten. Nun hohe Arbeitslosigkeit, Armut und nahezu keine richtige Innenstadt mehr.

 

 

 

 

Mein erster Gedanke – Geisterstadt. Irgendwie ein bisschen verstörend zu sehen, wie die Stadt so zerfallen ist. Also wegen der CBD muss definitiv niemand nach Greymouth kommen.

 

 

 

Floodwall Walkway, Southern Breakwater Aussichtsplattform und Strand

 

Die erste Tour hier entlang haben wir mit dem Fahrrad gemacht, naja wenn man die olle Kiste so nennen möchte. Es war ein ziemlicher „pain in the ass“ (im wahrsten Sinne des Wortes :-D) mit dem Ding, denn der Sattel ging nicht zu verstellen und ich saß eher auf BMX Höhe und die Schaltung sprang die ganze Zeit hin und her.

 

 

 

 

So richtig genussvolles Rad fahren war es jedenfalls nicht dort am Grey River entlang aber die Strecke ist eigentlich ganz nett, da versucht wurde, den Weg etwas touristisch zu gestalten. Maori Kultur meets Coal Mining Geschichte. Ganz nett aber nichts besonderes.

 

 

 

 

 

 

 

 

Für mich wurde es dann erst Richtung Meer besonders, denn ich liiiiiiiebe Meer. Allerdings gibt es eine Art Lagune, sodass der Weg zum Meer recht weit ist, weshalb es grundsätzlich schon recht praktisch ist, wenn man ein Rad hat. Ich bin später die Strecke noch mal gelaufen. Auch machbar.

 

 

 

Die Wellen peitschten schön an den äußersten Zipfel wo der Greyriver ins Meer mündet. Es gibt hier eine kleine Aussichtsplattform und eine Gedenktafel an all die Menschen, die hier auf dem Weg ins Meer ihr Leben auf den Fischerbooten verloren haben. Bei den Wellen kein Wunder.

 

 

 

 

 

 

Es gibt auch einen hübschen Radweg am Strand entlang. Der Strand besteht hier aus Milliarden von wunderschönen runden Steinen und jeder Menge Treibholz. Und ich bin der Meinung, dass ich dort auch einiges an Greenstone gefunden habe. So richtig bestätigen konnte mir bis jetzt noch keiner, dass es echter Greenstone ist aber es sind zumindest grünlich schimmernde schöne runde Steine. Ich finde sie wunderschön und das ist ja das wichtigste.

 

 

 

 

Am Meer hats mir hier jedenfalls am Besten gefallen. Man kann dort so richtig die Seele baumeln lassen.

 

Cobden Cavern

 

Ich hatte bei Maps. me gesehen, dass es eine Höhle auf der anderen Seite des Greyrivers gibt und die wollte ich mit einem Mädel aus dem Hostel mal auschecken. Kann man sich sparen. Den Weg ist wahrscheinlich schon seit Jahren keiner mehr lang gelaufen. Alles total verwildert und die Höhle ist dann so richtig gruselig. Einfach nur ein schwarzes Loch. Wir haben uns dann natürlich auch nicht weiter rein gewagt. Und haben es dann lieber hier versucht:

 

 

 

 

Lions Walk

 

 

Beim Versuch ist es dann aber auch hier geblieben, denn der Track war gerade „under construction“. Wir kamen ein bisschen nach oben und konnten einen kurzen Ausblick auf die Stadt genießen aber weiter ging es dann wirklich nicht mehr. Durch den heftigen Regen der letzten tage war der Boden komplett aufgeweicht und wir rutschten und schlitterten herum und wollten uns an kleinen Bäumen festhalten um nicht zu fallen, allerdings waren die Bäume genauso instabil wie wir. Deshalb traten wir schnellstmöglich den Rückweg an und hatten dann Glück beim:

 

 

 

 

Hillquay Walk

 

Das war dann wirklich mal ein toller Walk, zwar super windig aber spannend. Erst ging es an einer Art Flussaue vorbei immer auf einem Deich entlang. Dann kamen wir zu einem kleinen Reservat und es gab sogar einen Camperparkplatz inklusive Toilette. Dabei hatte ich nicht das Gefühl als wenn sich enorm viele Menschen hier her verirren würden.

 

 

 

Dann lag vor uns das Meer und wir beobachteten einen armen Irren, der auf den stürmischen Wellen Kajak fuhr. Keine Ahnung warum man sowas macht weil man ja überhaupt nicht vorwärts kommt aber vielleicht war das sein Muskelaufbautraining.

 

 

 

Für uns ging es dann weiter bis zur Spitze vor wo die Wellen ans Ufer peitschten. „Stormwatching“ – eine meiner Lieblingsbeschäftigungen am Meer, neben Surfer fotografieren, ist spritzende Wellen zu fotografieren ohne dabei komplett nass zu werden.

 

 

 

 

 

Und hier war wirklich eine sehr gute Stelle dafür. Ich hatte mir auch noch ein Wegebier mitgenommen (Danke an die Menschen die ihr 6 Pack Corona im Hostel vergessen haben :-D) und setzte mich an eine windgeschützte Ecke und genoss mein Bier. Es gibt doch nichts besseres als ein Ozeanbierchen 🙂

 

 

 

 

Den Weg kann ich auf jeden Fall empfehlen. Nicht sonderlich spektakulär aber solide schön.

 

 

 

Coal Creek Falls Walk

 

 

Da Lynda zu ihrer Tochter geflogen war und Harry allein aufs Hostel aufpassen musste, hatte er keine Zeit mit Cosmo, dem Hund spazieren zu gehen, deshalb bekamen wir (ein anderer deutscher Hostelhelper und ich) die Autoschlüssel und Hundeleine in die Hand gedrückt und durften fahren wohin wir wollten. Ich wollte zu den Coal Creek Falls, da die noch in der Nähe waren und mir viele gesagt hatten, dass der Walk recht schön ist. Das Wetter war eher weniger schön aber es regnete zum Glück nur leicht.

Der Weg war dann wirklich sehr schön. Durch tiefen Urwald, der wieder irgendwie anders aussah als der beim Point Elizabeth Track (Post dazu gibts hier) obwohl das ganze Luftline vielleicht 3 km auseinander lag.

 

 

 

Hier war alles wie in so einem tiefen Hexenmärchenwald und irgendwie fühlte ich mich wie bei einem Herbstspaziergang durch den deutschen Wald, wenn nicht ab und an mal ein paar Riesenfarne herum gestanden hätten.

 

 

 

Cosmo war völlig außer Rand und Band und sprintete von rechts nach links. Hörte allerdings auch aufs Wort, wenn ich ihn heran rief weil er außer Sichtweite gerannt war.

Dann hörten wir das Wasser rauschen und kamen zu dem hübschen kleinen Wasserfall. Ich hatte mich vorab nicht wirklich informiert und hatte mir das Ganze viel weniger schön vorgestellt als es in Wirklichkeit war. Wir, komplett allein hier. Der Hund holte die ganze Zeit Stöckchen aus dem Wasser und planschte wild herum.

 

 

 

 

Alles war einfach nur irre entspannt hier. Ein schöner kleiner feiner Hike.

 

andere Aktivitäten in Greymouth

 

Zum einen gibt es die Monteith`s Brewery. Die sind die größte Brauerei an der Westcoast und das Bier ist ziemlich beliebt in ganz NZ. Hier gibt es auch 4 Mal am Tag eine Brauerei Tour für 18 Dollar inklusive Verkostung. Hatte ich mir ja eigentlich auch vorgenommen aber ich konnte mich dann nie dazu aufraffen. Soll aber wohl recht lohnenswert sein.

 

 

Und dann gibts noch Shanty Town. So eine Art kleiner Vergnügungspark, der das Thema Kohle und Gold aufnimmt. Es gibt auch eine alte Eisenbahn die durch das Gelände fährt. Der Eintritt hier sind stolze 30 Dollar. Ich habe mit einer gesprochen die dort war und die hat sich so geärgert weil es mega langweilig war und sie nach einer Stunde schon fertig. Wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist, dann ist es vielleicht ganz nett weil man wohl auch Gold schöpfen kann und sowas aber generell scheint das Ganze nicht sein Geld wert zu sein.

 

Fazit

 

Von 14 Tagen hat es 9 nur geregnet. Also man kann schon sagen, dass die Stadt ihrem Namen alle Ehre macht, dennoch habe ich mich hier sehr wohl gefühlt, was zum Großteil natürlich an meiner Hostelfamilie lag und an den schönen Ausflügen (unter anderem zur Hokitika Gorge) die wir gemacht haben und natürlich am Meer.

Greymouth hat durchaus seine lichten Momente, wo es hier wunderschön sein kann und man einige Walks in der Umgebung machen kann.

Eine Nacht kann man hier schon mal bleiben (im Noah`s Ark natürlich ;-)) und sich die Umgebung angucken.

 



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