Hippie Vibe im Hipster Surfspot „Canggu“ – Bali

Hippie Vibe im Hipster Surfspot „Canggu“ – Bali

Der Geruch von Räucherstäbchen liegt in der Luft. Ein Hahn kräht. Wunderschöne wenig bekleidete Menschen fahren mit ihrem Roller an mir vorbei. Das Meer ist wütend, die Wellen hoch. Das Angebot an gutem Essen schier unendlich  –  Canggu, das ist Liebe auf den ersten Blick!

Canggu ist meine erste Station auf Bali und ich denke, dass ich schon jetzt sagen kann, dass alle anderen die danach kommen werden, nur noch 2. Wahl sein können.

Anreise

Aufregend – deshalb ein paar Worte mehr dazu.

Meine Unterkunft in Malang hatte mir ein Busticket für 13€ nach Bali im Luxusbus gebucht.

Ich wurde sogar zum Bus der Gunung Harta Busgesellschaft gebracht. Mir wurde gleich mein Koffer abgenommen und verstaut. Mit in den Gepäckraum kamen unzählige Kisten, Briefe und Kartons. Der Bus scheint auch als DHL Ersatz zu fungieren.

 

 

 

 

Vom Bus selbst war ich schwer beeindruckt. Ich hatte ja Angst 12 h in einem Bus zu verbringen aber es ist kein normaler Bus wie man ihn so kennt. Es gibt Liegesitze, Kissen und Decken, damit man auf der Nachtfahrt auch Schlaf finden kann. In so einem bequemen Bus habe ich jedenfalls noch nie gesessen.

 

 

 

Ich war natürlich mal wieder die einzige nicht Asiatin im Bus. Das hatte ich irgendwie anders erwartet aber die meisten Traveller fahren sicher zum Ijen und dann erst nach Bali.

Die Toilette – abenteuerlich. Zwar ein „normales“ Klo aber mit einer Art Wasserbecken nebenan zum Spülen. Kein Waschbecken. Kein Mülleimer. Nüx. Ein hoch auf feuchte Tücher.
Gegenüber vom Klo, die sogenannte Raucherkabine. Ein mit Glas abgetrennter Bereich mit einem Sitz.

12 h Fahrt für eine Strecke von 400 km. Mir wurde schnell klar, warum der Bus so lange brauchen sollte und das lag nicht nur am irren Verkehr sondern vor allem daran, dass wir allein aus Malang raus über eine Stunde brauchten weil er aller Nase lang anhielt um neue Waren und Menschen in seinen Bauch zu laden. Los gefahren waren wir nicht mal halbvoll aber von inoffizieller Haltestelle zu Haltestelle füllte sich der Bus.

Die Klima im Bus war mal wieder völlig indiskutabel. Ich habe keine Ahnung warum Asien auf so scheiß kalte Klimaanlagen steht. Erkältungen sind da vorprogrammiert. Ich würde schätzen auf 18 Grad. Fast die Hälfte der Außentemperatur. Das kann nicht gesund sein. Trotz Schal und Pullover war ich nach kurzer Zeit sehr froh über die vorhandene Decke.

Es gab sogar eine Haltestelle wo es für alle etwas zu essen gab. Ich glaube sogar im Preis mit inbegriffen aber da ich weder Hunger hatte noch auf Toilette musste, stieg ich erst gar nicht aus und machte es mir weiterhin auf meinen 2 Sitzen bequem.

 

 

 

 

Nach dem Essensstop fiel ich in einen tiefen Schlaf und wachte nur auf, wenn die Straße zu holprig wurde, beim Auffahren und wieder runter fahren von der Fähre (die 5 km Überfahrt hat eine ganze Stunde gedauert und ich habe es total verschlafen) und wenn eines meiner Körperteile eingeschlafen war und ich die Schlafposition ändern musste.

Irgendwann kurz nach 5 hielten wir an einem Busbahnhof mitten in der Pampa. Man gab mir zu verstehen, dass das die Endhaltestelle wäre. Denpasar war das jedenfalls nicht.

Da stand ich nun im Halbschlaf morgens viertel 6 auf einem fast leeren Busbahnhof mitten im nirgendwo von Bali. Es gab genau ein Taxi. Mir war alles scheiß egal. Ich wollte nur in meine Unterkunft und hätte jeden Preis gezahlt. Zum Glück haben die Taxis hier feste Preise je nachdem in welchen Ort man will. Ich zahlte 9 € für eine Strecke von vielleicht 10 km.

Alles in allem eine super entspannte Busfahrt und sehr zu empfehlen.

 

Unterkunft

Das Twins Homestay ist wahrlich nicht das „four seasons“ aber bei 11€ die Nacht erwartet das auch hoffentlich niemand. Die kleine Hütte ist super schlicht eingerichtet aber die Terrasse und der Garten mit Tempel sind ein Traum, sodass ich mich gleich so unfassbar wohl gefühlt habe.

 

 

 

 

Es gibt eine kleine Küche in der Anlage und einen Wasserspender, sodass die nervigen Plastikflaschen wegfallen.

Und man hat hier so dermaßen seine Ruhe. Wenn man so zeitig wach ist wie ich, dann kann man sich in der kleinen Küche einen Kaffee machen und der Familie dabei zu gucken wie sie kleine Opferschälchen überall aufstellen und religiöse Zeremonien in ihrem Tempel abhalten. Es riecht dann immer so herrlich nach Räucherstäbchen und eine Minute später kommen die Vögel und picken den Reis und die Leckerlies aus den Opferschalen. So ein absolut friedlicher wundervoller Morgen jeden Tag.

 

 

 

 

Strände

Batu Balong

Mein Hausstrand. 10 bis 15 Minuten die Straße lang runter, vorbei an unmengen von fancy Restaurants, Shops und dem Old Man`s. Ich glaube hier ist der beste Spot für Surfanfänger, da die Wellen nicht solche Monster sind. Links und rechts vom Strandzugang ist es ein bisschen voller aber wenn man 3 Schritte weiter läuft, dann muss man keine Strandliege mieten und kann mit ordentlichem Menschenabstand am Strand liegen.

 

 

 

 

Man muss in Canggu allerdings beachten, dass Ebbe und Flut hier ziemlich hart am walten sind und so richtig viel vom Strand hier nur nachmittags zu sehen ist. Früh wird fast der ganze Strand vom Meer verschluckt, was ich unglaublich faszinierend finde.

 

 

 

 

Was mir hier auch gut gefällt ist, dass es keine Händler am Strand gibt. Nur ein einziges Mal wollte mir eine Dame Muschelketten verkaufen aber ansonsten gibt es das hier einfach nicht, was sehr angenehm ist.

 

 

 

 

Echo Beach

Rechtsseitig liegt dann der Echobeach. Nachmittags kann man am Strand entlang gehen aber früh, wenn die Flut gerade am Start ist und das Meer wütend, dann ist der Weg zum Echo Beach richtig aufregend.

 

 

 

 

 

Da muss man dann ab und an aufpassen, dass man an sehr engen Stellen nicht vom Meer verschlungen oder von der Gischt einmal komplett eingenebelt wird.

 

 

 

 

Wenn man an den ganzen Beachbars vorbei ist, dann kommt man zu einer Statue am Meer. Fragt mich nicht was genau hinduistisches es ist, denn ich habe nichts weiter dazu gefunden. Von hier kann man dann „storm watching“ betreiben und zusehen wie die wütenden Wellen herein brechen und an den Klippen zerschellen. Wunderschön!

 

 

 

 

Berawa Beach

 

Der Berawa Beach liegt linksseitig vom Batu Balong und hat es surftechnisch auch ganz schön in sich.

 

 

 

 

 

Da der Strandabschnitt sehr groß ist und in den Strand von Batu Bolong über geht, hat man hier verdammt viel Platz und kann sich im Sand wälzen.

 

 

 

 

 

Am Berawa Beach gibt es neben den einfachen Beachbars auch so ganz fancy Beachclubs wie das  Finn`s für die oberen 10000. Wer drauf steht…

 

Mein neues Hobby – Surffotografie

 

Ich habe hier ein neues Hobby für mich entdeckt. Stundenlang am Strand sitzen und Wellen gucken und noch besser, Surfer auf Wellen gucken.

So unfassbar begeistert war ich selten von einer Sache, die eigentlich nur herum sitzen beinhaltet.

Aber seitdem ich das Buch „Boarderlines“ von Andreas Brendt gelesen habe (bestes Buch ever ever btw) bin ich total in diesem ganzen Surfding drin und finde das alles unglaublich spannend. Das ich jemals anfange zu surfen – dazu wird es wohl leider nicht kommen, denn es gibt 2 große Probleme: Ich bin der unsportlichste Mensch auf diesem Planeten und ich habe höllische Angst vorm „open water“. Wenn ich keinen Boden mehr unter den Füßen habe bzw. den Grund nicht sehe, dann bekomme ich Panik. Also beides eher keine guten Voraussetzungen zum Surfen. Aber schon allein das zugucken, macht mir soviel Spaß, dass ich mich dadurch ein klein wenig mit dabei fühle.

Es ist einfach nur erstaunlich was die Jungs und Mädels da mit ihren Brettern abziehen. Großartig!

Und dann sitze ich da meine 2 bis 3 h und gucke einfach nur aufs Meer, bin zufrieden mit mir und der Welt und lasse immer mal die Kamera glühen, wenn es gerade besonders heiß her geht.

Und meine neue Leidenschaft habt ihr jetzt auszubaden, denn es wird demnächst viele Surfbilder zu gucken geben, wie diese …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonnenuntergänge

Ich habe gleich am ersten Abend einen Lieblingssonnenuntergangsplatz auserkoren und diesen diverse Male besucht. Vom Old Man`s rechts ab gibt es oberhalb auch ein paar Strandbars. Wenn man an denen vorbei geht, dann gibt es noch einen Strandzugang, welcher Terrassenartig angelegt ist und sich perfekt zum Sitzen eignet.

 

 

 

 

Oben am Surfshop gibt es abends noch ein Bintang für 25000 aus der Kühltruhe und der Sonnenuntergang ist perfekt. Man könnte sich natürlich auch in eine der vielen Bars setzen aber die low budget Variante gefällt mir wesentlich besser. Es tauchen dort auch jeden Abend die gleich Hundebesitzer zum Gassie gehen und quatschen auf. Richtig gemütlich.

 

 

 

 

 

 

Hach wie ich meinen Sonnenuntergangsplatz liebe. Den Surfer zusehen wie sie ihre letzten Wellen in der blutroten untergehenden Sonne nehmen. Das sind so Momente wo man sich fragt was eigentlich Probleme sind. In diesen Momenten gibt es keine. Man findet in den paar Minuten einfach nur seinen inneren Frieden und ist der ausgeglichenste Mensch der Welt. Ein Gefühl wie stoned zu sein. Ich glaube das ist dieses „glücklich sein“ von dem alle reden.

 

 

 

 

 

Bali Dogs

Wer Angst vor Hunden hat, ist auf Bali nicht richtig, denn es gibt viele. Verdammt viele. Ich dachte erst, dass es alles Straßenhunde sind aber die Meisten haben ein Halsband.

 

 

 

 

Sie sind alle so lieb und am liebsten hätte ich jeden von ihnen geknuddelt.

 

 

 

 

Ich hatte auch das Gefühl, dass sämtliche Ausländer die nach Bali gezogen sind, sich einfach einen Straßenhund ausgesucht haben und den adoptiert haben, denn ich habe so viele nicht Asiaten mit den typischen Bali Dogs gesehen.

 

 

 

 

Streetart

 

Ja, auch auf Bali gibt es Streetart und davon gar nicht mal so wenig. Hinter jeder Ecke gibt es was zu entdecken.

 

 

 

 

 

 

 

Das Publikum

 

Canggu hat die schönsten Menschen die ich je gesehen habe. So viel steht schon mal fest. Die meisten von ihnen sind Australier. Warum sehen die alle aus wie aus einem Surf Katalog? Blonde lange Haare, braun gebrannt, schlank, tolle Körper und immer diese verdammt lässige Art. Die ziehen sich nicht mal besonders an und sehen trotzdem immer anbetungswürdig aus. (vor allem die, die am wenigsten an haben räusper)

Über der Stadt liegt dieser besondere Spirit. Dieser Vibe, der mir die rosa Rote Brille aufsetzt. Alle sind so schrecklich „hang loose“. So ein bisschen Woodstock liegt in der Luft. Ich liebe es!

Und dann gibt es auch noch so zuckersüße Familien. Sicher auch meist Australier. Da sehen die Kinder schon genauso cool und lässig und wunderschön aus, wie ihre Eltern.

Es gibt aber auch einige Fitness Junkies. Also so nervige. Die ständig ins Gym rennen. Und ein paar ganz wenige aufgepumpte und aufgeblasene habe ich auch gesehen. Das soll ja in Seminyak und Kuta ganz schlimm sein. Der Ballermann der Australier quasi. Sehen und gesehen werden. Das ist hier zum Glück nicht so.

Food

 

Das Essen hat mich hier völlig aus den Socken gehauen. Ich wusste im Vorfeld, dass es hier viele tolle Restaurants und Cafes gibt aber das die am Ende wirklich alle so überragend sind, hätte ich nicht erwartet aber zum Essen und zu den Bars habe ich HIER schon etwas zusammen geschrieben.

 

Shops

 

Hach ja, shopping. Eine Sache die ich tatsächlich ein klein bisschen vermisse vor allem bei den tollen individuellen Dingen, die es hier zu kaufen gibt. Alles hat so diesen herrlichen Hippie Spirit und dann bin ich immer gleich total in love.

Die Läden in Canggu sehen meist alle so unheimlich hübsch aus.

 

 

 

 

Meine Unterkunft liegt auch gleich neben dem Love Anchor Bazar. Hier gibt es alles was die Augen strahlen lässt. Häkeltops, Bikinis, Hippie Schmuck, Traumfänger, Makramee und diese angesagten Basttaschen. Also wenn ich hier nur im Urlaub wäre, dann wäre ich wohl mit einem leeren Koffer angereist und hätte den voll gemacht.

 

 

 

 

Ich kam dann auch nicht umhin, mir doch 2 kleine Teile zu kaufen, die ich gerade noch in meinen Rucksack quetschen kann.

 

 

 

 

Old Man`s Market

 

Oh wie war das schön. Eine Art Dawanda Markt auf dem Gelände vom Old Man`s. So viele tolle Stände. Natürlich auch ganz schön voll, denn alle Hipster lieben solche Künstlermärkte.

 

 

 

 

Schmuck, Kleidung, Karten, Bilder, Kaffee, Säfte und kleine Snacks. Es gab alles was schön ist.

 

 

 

 

Ich glaube der Markt findet einmal im Monat statt also falls ihr zufällig in Canggu seid, dann checkt ihn unbedingt aus.

 

 

 

 

Die dunkle Seite

 

Für mich gibt es keine dunklen Seiten, denn es ist nicht mein erster Südostasien Aufenthalt. Ich weiß wie der Hase hier läuft. Leute die zum ersten Mal hier herkommen, werden sich vielleicht fragen „Was labert die Alte da? Warum findet sie es hier so schön? Es ist doch total dreckig und laut und stinkt.“ Aber ja, genau das ist Südostasien. Von perfekt in 90% der Fälle weit entfernt. Wenn ihr perfekt wollt, dann bleibt in Deutschland. Aber muss denn immer alles perfekt sein?! Ist nicht ein Sonnenuntergang hinter einer Welle mit einem Surfer darauf perfekter als eine ordentliche Straße oder ein müllfreier Straßenrand. Die haben hier nun mal leider kein Verständnis für Müll. Es sieht in vielen Ecken aus wie Sau und es riecht immer mal nach Abwasser. So ist es nun mal und wenn man sich damit abgefunden hat, dann fängt man an sich auf die schönen Seiten zu konzentrieren und davon gibt es mehr als genug.

Womit ich mich allerdings eher nicht so gut abfinden konnte war der Boom. Noch ist Canggu recht ländlich mit seinen Feldern zwischen den Häusern aber so langsam fängt man auch hier an, jedes Stückchen Ursprünglichkeit zu beseitigen. Mir wurde erzählt, dass es vor 1,5 Jahren hier nur eine Hipsterbar und einen fancy Shop in jeder großen Straße gab. Heute sind es 20. Also wie wird es in den nächsten 2 Jahren hier aussehen?! Ich glaub, das will ich gar nicht wissen. Ich will mein Canggu Baby so in Erinnerung behalten wie es jetzt war.

 

 

 

 

Im Vorfeld habe ich viele Berichte von Menschen gelesen, die vor zig Jahren mal hier waren als Bali noch das richtige echte Bali war und die geschockt sind was daraus geworden ist, wenn sie wieder zurück kommen.

Ich mag auch die Annehmlichkeiten des Hipsterlebens hier aber wenn es hier so wird wie in Kuta oder Seminyak, dann geht der ganze Zauber verloren und ich denke fast, dass damit auch die Hipster verschwinden und sich einen anderen Ort zu eigen machen werden, der dann verloren geht. „Wir zerstören was wir suchen, indem wir es finden“

 

 

 

 

Sitenote

Gleich an meinem ersten Morgen in Canggu, wurde ich kurz vor 7 von einem Erdbeben geweckt. Mein erstes richtiges Erdbeben, allerdings nur ein kleines, der Stärke 5,0. Trotzdem erschreckend, wenn man im Bett liegt und auf einmal fängt alles an zu wackeln. Ich dachte erst ich träume, bis mir klar wurde, dass das gerade wirklich passiert.  Da es aber scheinbar keinen Einheimischen zu interessieren schien, machte ich dann auch weiter mit meiner Morgenroutine, als sei nichts gewesen. Ich habe mich danach aber umfassend mit Tsunami und Erdbeben Evakuierungsplänen und Verhaltensvorschlägen beschäftigt.

 

Fazit

Ich habe mich noch nie in Asien an einem Ort sofort so wohl gefühlt wie in Canggu. Es stimmt einfach alles hier. Die meisten mögen es für nicht asiatisch genug halten aber nach der vollen Dröhnung Asien auf Java liebe ich diesen Hipster Spot, wo die Welt ein bisschen „more layed back“ zu sein scheint. Ich kann jeden verstehen, der hier her ausgewandert ist und versucht sein Glück zu finden. Ich habe hier für ein paar Tage auf jeden Fall mein Glück gefunden.

 

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere