Interrail – Bulgarien: Varna

Interrail – Bulgarien: Varna

30.07. – 02.08.2018

 

Bulgarien ist der Vorhof zur Hölle. Das waren meine ersten Gedanken als ich in Varna ankam. Und so sehr viel mehr hat sich meine Meinung nach ein paar Tagen auch nicht geändert aber erstmal zu den schöneren Dingen.

Anreise

 

 

Heute habe ich das Zugfahren mal wieder sehr genossen obwohl es fast 8 h waren. Aber der erste Zug war sehr leer und nur voller netter Traveller aus aller Welt. Man konnte die Fenster runter machen und sich den Fahrtwind um die Ohren wedeln lassen während man auf die vielen Sonnenblumen Felder schaute. Sehr entspannend.

 

 

Da konnte man auch über den widrigen Zustand der Toilette ohne Wasser hinweg sehen. Die Passkontrolle von Rumänien nach Bulgarien war dann lächerlich lang. Ich frage mich sowieso warum innerhalb der EU noch eine Passkontrolle nötig ist. Unsere Pässe wurden alle eingesammelt, was zu großer Verwirrung führte und dann standen wir 20 Minuten auf dem schönen Bahnhof im hässlichen Ruse (Russe auf Rumänisch – und wie im hintersten Russenland sah es auch aus).

 

 

Am Bahnhof dann alles in kyrillischen Buchstaben. Das mir meine 3 Jahre Russisch-Unterricht mal noch irgendwann von Nutzen sein könnten, hätte ich ja auch nicht erwartet. Aber im Gegensatz zu sämtlichen anderen Travellern konnte ich wenigstens unseren Zug ausfindig machen.

 

 

Der zweite Zug war noch leerer. Zug fahren scheint in Bulgarien nicht so die große Bedeutung zu haben. Und wie das links und rechts aussah. Puh, also dagegen war Rumänien ja die reine Schönheit. Während in Rumänien die Dörfer so romantisch oll aussahen mit Holzhäusern und kleinen Gärten wie vor 100 Jahren, so sah es in Bulgarien einfach grausam aus. Nur heruntergekommene Häuser. Ich betete die ganze Zeit, dass der Zug keine Panne hätte und ich hier irgendwo aussteigen müsste.

 

 

Unterkunft

Das three dolphins family Hotel liegt in einer ruhigen Seitenstraße genau neben dem Bahnhof von Varna und fußläufig zu allem was wichtig ist. Das Zimmer ist okay. Kein Vergleich mit allem was ich bisher hatte aber für Bulgarien sicher ok.

 

 

Im Bad kam mir gleich der Handtuchhalter entgegen, die Dusche ist falsch eingebaut und die Klimaanlage geht auch nicht. Das einzig gute ist, dass unten im Hotel ein hübsches gut besuchtes Bistro ist.

Sea Garden

 

 

Das ist im Grunde ein sehr großer Park vor dem Strand. Der große Stolz der Stadt und meiner Meinung nach auch der einzige.

 

 

Die Hauptflaniermeile sieht auch sehr ordentlich aus mit Skulpturen und hübschen Blumenbeeten, da kann man nicht meckern.

 

 

Wenn man nach links und rechts geht, dann muss man wieder verdammt auf seine Füße aufpassen, denn wie überall hier sind die Fußwege katastrophal.

 

 

Im Park ist ein Zoo und ein Delfinarium und andere Attraktionen für Kinder. Alles sieht dabei sehr sehr traurig und herunter gekommen aus.

 

Ihm hier war der Zoo wohl auch zu trostlos, deshalb ist er abgehauen und wohnt jetzt im Park nebenan.

 

Und Hallo?! ein Delfinarium, wer hat und will und braucht sowas heutzutage noch??? Guckt euch mal die Bilder im Internet an, das Ding ist winzig. Tierschutzrechtlich ist das ganz ganz bitter.

Strand

Auch so eine Sache. Ich hatte mich gewundert warum die direkt neben dem Meer ein großes öffentliches Schwimmbad haben.

 

 

Ich sag’s mal so – ich gehe in der Plörre, die sich schwarzes Meer (warum heißt das überhaupt Meer? Ab wann darf sich ein großer See Meer nennen?) nennt sich auch nicht baden. Wenn ich schon sehe wie viele Rohre, die wer weiß was ins Wasser pumpen, direkt am Strand, dann kann das einfach nicht gesund sein.

 

 

Trotzdem liegen die Menschen wie die Heringe am Strand und planschen vergnügt im Wasser. Sollen sie machen aber ohne mich.

 

 

Was mir am Strand gut gefallen hat, waren die Beachbars in der ersten Reihe, denn die sind erstaunlich neu und modern und die Preise immer noch ok.

 

 

Altstadt

So richtig Altstadt gibt es in Varna nicht aber es gibt immerhin ein paar schöne Häuschen.

 

 

Außerdem ein paar Kirchen

 

 

Ein hübsches Theater.

 

 

Und unspektakuläre Ausgrabungsstätten von römischen Thermalbädern.

 

 

Der Hafen

 

 

Der einzige Ort der mir hier so richtig gut gefallen hat war der Hafen.

 

 

Dort ist alles schön neu gemacht und halbwegs ordentlich. Ich denke, dass der ganze Bereich erst ein Jahr alt ist, so modern wie es dort aussieht.

 

 

Viele Bars und Restaurants.

 

 

Eine kleine Hafenmole mit einem Leuchtturm.

 

 

Doch man kann sagen, dass es sehr schön hier ist.

 

 

Streetart

 

Es gibt doch tatsächlich selbst in Varna ein ganz klein bisschen Streetart, was mich sehr erfreut hat. Das ein oder andere Graffiti, Breakdance oder ein paar alte Mopeds.

 

Food and Stores

Hier war ich im Gegensatz zu Rumänien wieder sehr positiv überrascht, denn es gibt mitten an der Hauptmeile zum Strand einen Imbiss „healthy food and juices“ der auf gesund macht und auch sehr viel veganes anbietet. Zum Bsp das vegane Eis war der Oberkracher. Ich hatte Himbeer Schoko. Ohne Milch und ohne zugesetzten Zucker. Auch die Säfte sind richtig lecker.

 

 

Außerdem gibt es in Bulgarien so eine Restaurantkette die sich Happy nennt.

 

 

Die gibt’s in jeder größeren Stadt und meist mehrfach an beliebten Orten. Dort gibt es hauptsächlich gegrilltes und frittiertes aber auch super leckere Desserts und alles serviert von hübschen Kellnern. So ein bisschen das Hooters Konzept, nur das es auch Männer gibt und das das Essen sehr lecker ist. Es gibt auch einiges an veganen und vegetarischen Varianten. Ich hatte die Zucchini Pommes und Quinoa Bällchen auf Salat. Die Preise sind schon ein bisschen höher aber immer noch okay und die Läden sind immer gut besucht.

 

 

Shopmäßig war ich von der Altstadt enttäuscht. In der Stadt gibt’s hauptsächlich billige Schuhläden. Es gibt generell extrem viele Schuhläden. Und viele Pelz und Ledergeschäfte – auch voll mein Ding – nicht!

Aber wenn man den Altstadtkern verlässt, dann gibt es eine ganze lange Straße voll mit Bekleidungsgeschäften. Wenn man der Straße 2 km folgt, wird es abenteuerlich und man muss eine riesige Baustelle kreuzen und dann an der großen Straße entlang laufen. Sowas würde es in Deutschland nie geben.

 

 

Aber am Ende von dem vielen Gelaufen, kommt man dann zur Grand Mall. Sehr modern und mit den üblichen modernen Läden. Ein super krasser Unterschied zu dem ärmlich herunter gekommenen was sonst so in der Umgebung ist. 

 

 

Der Style

Irgendwie ist hier alles so wie ich es mir für Rumänien vorgestellt hatte. Es gibt viele normale Menschen, keine Frage aber es gibt auch so einiges wo ich mit offenem Mund da stand. Zum Bsp sieht ein Großteil der Männer aus als seien sie gerade einem 70er Jahre Porno entsprungen. Oberlippenbart, Dauerwelle und bunte Hemden. Die Damen dazu sehen meist aus als wollen sie gerade zu den Oscars der 80er Jahre. Dauerwelle, Abendkleider (auch mitten am Tag) und die nuttigsten Schuhe die es so zu kaufen gibt. Hauptsächlich ist dieser Style so bei den Damen 40 – 50 zu finden.

Die dunkle Seite

Was mir am meisten das Herz gebrochen hat, waren die vielen herrenlosen Hunde und Katzen. Schon als ich am Bahnhof ankam und in die Unterführung wollte, saß da eine Katzenmama mit ihren Babies und guckte mich groß an. Das war der Moment wo mir schon zum ersten Mal die Tränen hier kamen. Es sollten noch einige solcher Momente folgen. Am schlimmsten war es in dem Sea Garden im vorderen Bereich beim Marine Museum. Links, rechts, oben, unten überall wurde ich von kleinen unschuldigen Augen angeguckt. Ich war völlig fertig mit der Welt. Ich habe dann ein bisschen im Internet nachgelesen und habe einige Tierschutz Organisationen gefunden, die nur in Bulgarien tätig sind und sich um die vielen obdachlosen Tiere kümmern. Außerdem habe ich gesehen, dass auch immer mal etwas Katzenfutter und Wasser da steht, damit es den kleinen nicht ganz so schlecht geht. Ich hätte sie ja am liebsten alle mitgenommen.

 

 

Und auch wie die Menschen hier teilweise hausen. Und das in der EU. Ich meine das ist doch kein 3. Welt Land. Ich war richtig schockiert. Das hatte ich in Rumänien alles erwartet aber nicht hier. In dem Land wo so viele in den Urlaub hinfahren.

 

 

 

Fazit

Ich verstehe schon warum Menschen hier Urlaub machen. Es ist warm, es gibt Strand und Essen und Getränke sind billig (die Preise sehen auf den ersten Blick aus wie deutsche Preise. Also ein Aperol 7 und ein Dürüm 3,50 aber da der Kurs 1 Lew zu 0,50€ ist, darf man das ganze dann quasi halbieren und es wird super preiswert).

 

Aber wenn ihr das alles wollt, dann fliegt doch nach Thailand oder wahlweise auch nach Kroatien. Da bekommt ihr dann auch noch etwas Kultur dazu und alles sieht ordentlicher aus als hier.

Ich darf das alles sagen, denn ich habe in meinem Leben schon viel gesehen. Aber von dem hier bin ich extrem schockiert. Vielleicht auch weil ich einfach nicht darauf vorbereitet war. 

Ich kann jedenfalls niemandem, der auch nur ein paar Ansprüche hat, einen Urlaub an der Bulgarischen Küste empfehlen. Wer einfach nur ins Warme will um sich billig abzuschießen und nicht viel Niveau erwartet, dem kann ich Varna sehr ans Herz legen. Vielleicht ist es ja am berühmten Goldstrand etwas goldener aber in Varna war nichts auch nur ansatzweise edelmetallisch.



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