Interrail – Rumänien: Brasov (Kronstadt)

Interrail – Rumänien: Brasov (Kronstadt)

25.7. – 28.7.2018

Brasov ist jetzt nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick wenn man am Bahnhof ankommt. Aber wenn man dann die Altstadt betritt, die eingebettet zwischen den Bergen liegt, dann, ja dann geht einem das Herz auf.

 

 

Anreise

 

 

2,5 h von Sibiu nach Brasov und der Zug hatte eine Stunde Verspätung. Aber nicht so schlimm. Warten kann ich. Schlimm war dann nur, dass es eine ganz wundervolle Zugfahrt durch die Karpaten war und ich keinen Fensterplatz hatte und noch schlimmer.

 

 

Neben mir saß ein Opa, der sich über meinen Sitz gleich mit ausbreitete sodass ich nur mit dem halben Hintern und Richtung Gang sitzen musste. Außerdem zog er noch die Vorhänge zu, sodass man gar nichts von der Landschaft sah. So kam es, dass ich die Hälfte der Fahrt im Toilettenbereich verbrachte um ein bisschen was von der schönen romantischen Hügellandschaft zu sehen.

 

 

Unterkunft

 

 

Meine Unterkunft die Casa Terezia liegt in einer ruhigen Seitenstraße genau im Altstadt Kern. Die Gastgeberin spricht sehr gut deutsch und das Krönchen ist, dass ich ein Zimmer Upgrade von Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad auf Studio mit Küche und eigenem Bad bekommen habe.

 

 

Marktplatz – Piata Sfatului

 

 

Das Herz der Altstadt. Ein hübscher Platz, in der Mitte das Rathaus und wie in jeder Stadt in der ich bisher war – ringsherum Gastronomie.

 

 

Am Rathaus ist das Wappen der Stadt zu sehen. Eine Krone die von Wurzeln empor gehoben wird. Brasov = Kronstadt und die Wurzeln symbolisieren das Volk auf dem die Krone baut.
Das Wappen findet man wirklich überall wenn man ein bisschen genauer hinsieht.

 

 

An den Blumenkübeln, an der Kirche und natürlich für Marketing Zwecke überall eingesetzt.

 

 

Schwarze Kirche – Kirche der heiligen Jungfrau Maria

Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Erbaut 1477 überlebte die heute lutherische Kirche einen Großbrand von 1689 als so ziemlich einziges Gebäude der Stadt und erhielt daher ihren Namen.

 

 

Die Kirche wird als Museum genutzt und kostet daher 10 Lei Eintritt. In der Kirche gibt es eine der größten Orgeln in Europa zu bestaunen und das Wunder der Madonna. Das Fresco einer Madonna, das den Brand wie durch ein Wunder überlebte und deren Gesicht sich dabei schwarz gefärbt hat – die schwarze Madonna.

 

 

 

Walkabout free Tour

Ich hab gleich als ich ankam die 18 Uhr Tour mitgemacht. Die Tour startet am Brunnen vorm Rathaus und der Guide hat einen orangen Schirm dabei.

 

 

Es gibt noch eine jeden Tag um 10:30 Uhr. Ich hatte Alin als Guide. Ein toller Kerl! Ich hatte selten eine so lustige und spannende Stadführung. Er erklärte uns erst alles zu Rumänien. Das Land ist dieses Jahr erst 100 Jahre alt geworden.

 

 

Und dann zur Entstehung der Stadt. Er zeigte uns den Marktplatz und die schwarze Kirche von außen.

 

 

Dann ging es durch die drittschmalste Gasse in Europa.

 

 

Danach lief er mit uns durch das alte Stadttor in den Stadtteil Schei zur orthodoxen Kirche St. Nikolai, welche früher von außen mit Fresken bemalt war, wovon heute allerdings nicht mehr allzuviel zu sehen ist.

 

 

Die beiden interessanten Fakten für mich beim Rundgang waren, dass Brasov von 1950 – 1960 Stalin hieß und der Name mit Weihnachtsbäumen, in den damals noch kahlen Berg gepflanzt wurde.

 

 

Und eigentlich sollte Sibiu in Stalin umbenannt werden aber dort gibt es eine landesweit bekannte Wurstmanufaktur und Wurst aus Stalin oder Stalins Wurst wäre dann nicht so der beste Name gewesen. 😀

Die Tour endete mit einem Gemeinschaftsfoto für Facebook. (Na findet ihr mich?! #verstecktergehtsnicht)

 

 

Altstadt

 

Es gibt so viel zu entdecken in der Altstadt. Leider hatte ich nicht genug Zeit um alles zu erkunden. So viele schöne alte Häuser.

 

 

Teile der Stadtmauer mit Wehrtürmen. Ein Castell auf einem Hügel. Es ist definitiv noch nicht alles saniert und vieles sieht halt schon etwas herunter gekommen aus aber ich finde, dass das den besonderen Charme der Stadt ausmacht.

 

 

 

Zu meiner Tour zum Schloss Bran und Burg Rasnov kommst du hier.

 

Mt. Tampa

 

An meinem letzten Tag meinte es das Wetter leider nicht so gut mit mir aber ich hatte mir vorgenommen den Berg zu erklimmen, also tat ich es auch und hatte dabei mal wieder unfassbares Glück.

Bei hellgrauem Wetter fuhr ich gegen 10 mit der Seilbahn nach oben. Eine Tour 10 Lei. Hin und zurück 18 Lei. Es gibt auch einen leichten Wanderweg, der an der Promenade im Zick Zack den Berg lang hoch führt aber ich wollte Seilbahn fahren auch wenn das Wetter dafür nicht wirklich passend war.

 

 

Oben angekommen sieht man erst mal nichts. Keine schöne Aussicht. Nur ein Café. Man findet die Ausschilderungen nur in rumänisch aber da ich mich vorab etwas informiert hatte, wusste ich, dass es eine Aussichtsplattform hinter dem Hollywood Sign gibt. Der kurze Weg dahin ist weder Kinderwagen noch alte Leute freundlich. Es geht bergauf und bergab über viele Steine.

 

 

An der Aussichtsplattform angekommen war ich erst mal not amused. Menschenmassen. Da hatte ich ja gar kein Bock drauf.

Meine offline map sagte mir aber, dass es noch weiter nach oben zu den Zinnen geht von wo man eine weitere schöne Aussicht hat ( bei gutem Wetter).

 

 

Protipp: geht den kleinen Weg nach links oben wenn es rechts Richtung Brasov Zeichen abgeht.

Ja, na das sah dort doch schon ganz anders aus. Nicht so viele Leute und ein schöner Blick. Man konnte zumindest erahnen wie schön es sein könnte wenn man eine Sichtweite hätte und die Sonne scheinen würde.

 

 

Die Aussichtsplattform ein paar Schritte weiter hätte es so in Deutschland nie gegeben. Eine Holz“Veranda“ überm Abgrund ohne jegliche Sicherung. (Ob’s schon Abstürze gab?!) Ein sehr cooler Ort. Ich höre an der Stelle mal auf über die schlechten Witterungsverhältnisse zu jammern, denn ihr merkt ich war sehr traurig, dann man nicht richtig gucken konnte und die ganzen tollen Berge ringsrum nicht sah.

 

 

Ein Blick auf meine offline map sagte mir, dass es einen Weg über den Bergkamm mit einem kurzen Abstieg über Treppen gibt. Also machte ich mich als Einzige auf und folgte der gelben Markierung über den Berg. (auf der Karte der rote Weg von C nach E über den Berg mit der kurzen gelben Zick Zack Linie oben rechts)

 

 

Wieder vorbei an der Bergstation der Seilbahn. (Sah etwas merkwürdig hier aus) und dann ging es ab durch die Hecke.

 

 

Stellenweise war ich mir nicht ganz sicher ob ich auf dem richtigen Weg war, denn es ging einen sehr schmalen Pfad mitten durch den Wald aber zum Glück tauchte die gelbe Markierung in regelmäßigen Abständen auf. Es war nicht so, das man woanders lang gekonnt hätte aber der Weg war manchmal nicht unbedingt als solcher zu erkennen.

 

 

Ich fing an vor mich hin zu pfeifen. Das hatte ich auch schon in Kanada gemacht um den Bären Bescheid zu geben, dass ich komme. Denn ja Freunde, auch in Rumänien gibt es noch Bären und Wölfe und Luchse. In dem Fall hatte ich aber mehr Angst vor Wildschweinen, denn es waren deutliche Wildschwein Spuren überall erkennbar.

 

 

Nach ca. 20 Minuten durch den Wald stapfen gab es den ersten Ausblick. Auf meiner Karte war dort noch ein Rastplatz verzeichnet. Nun waren nur noch die Überreste einer Holzbank zu erkennen.

 

 

Der Wald lichtete sich und man hätte ganz wunderbare Sunshine Meadows gehabt – Sonnige Bergwiesen. Heute gab es nur Wiesen aber die waren trotzdem sehr schön anzusehen und das Panorama auf die umliegenden fast 2000 m hohen Berggipfel wäre hier an klaren Tagen sicher auch umwerfend gewesen.

 

 

Bis dahin war noch alles okay. Es ging zwar über Stock und Stein aber noch machbar und inzwischen kamen mir auch ein paar weitere Wanderer entgegen, sodass ich immerhin wusste, dass es irgendwie weiter gehen muss.

Ja, ging es dann auch. Den Berg steil bergab über Steine. Viele Steine und ich nur mit Turnschuhen. Ich hatte stellenweise so zitterige Beine, dass ich eine Pause machen musste und die ganze Zeit betete, dass mir hier irgendwo im nirgendwo nichts passieren darf. Ich lief und lief und schwitze. Inzwischen war ich froh, dass der Tag weder sonderlich warm noch sonnig war.

 

 

Irgendwann gab es dann sogar mal ein Geländer, allerdings nur an den Stellen wo es gar nicht so nötig war. Meine Taktik war es inzwischen mich an den kleinen Bäumchen fest zu halten. Das klappte auch ganz gut und irgendwann fing dann auch wirklich mal eine Treppe an. Mir kamen immer mehr Wanderer entgegen und ich hatte irgendwie Mitleid, denn abwärts war es schon höllisch anstrengend, wie muss es dann erst bergauf sein und der Weg war weit. Verdammt weit.

 

Fast unten fing es auf einmal an in Strömen zu regnen und ich dankte meinen Schutzengel, dass ich bis hierhin das Schlimmste bereits hinter mir hatte und mich fast wieder in der Zivilisation befand.
Bei den Wassermassen dort oben nur mit Turnschuhen wäre es sicher lebensgefährlich geworden. Also auch heute ein großes Dankeschön an die höhere Macht die mich begleitet.

Abschließend kann ich sagen – macht die Wanderung unbedingt allerdings nur mit guten Schuhen, genug Wasser und schönem Wetter.
Es ist ein unvergessliches Erlebnis.

Fazit

3 Nächte in Brasov ist definitiv zu wenig. Es gibt im Ort und ringsrum so viel zu sehen. Wenn ich noch mal herkommen würde, dann würde ich Brasov als Ausgangspunkt für verschiedene Tagestouren nehmen, denn es gibt hier so viele Schlösser, Kirchenburgen, Seilbahnen, Berggipfel, Grotten und schöne Örtchen die entdeckt werden wollen.

Deshalb an dieser Stelle mein Werbeaufruf: Kommt nach Brasov – ihr werdet es nicht bereuen!

 

 



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