Interrail – Rumänien: Bukarest

Interrail – Rumänien: Bukarest

28.7. – 30.7.2018

Ich hatte vor einigen Monaten einen YouTube Vlog von einem Weltreisenden gesehen, der in Bukarest war. Und es sah schrecklich aus. Nur Sowjetbauten und grau war es, das weiß ich noch. Ok, der Beitrag war an einem schlecht Wetter Tag im Frühjahr entstanden aber ich war dementsprechend auf eine hässliche Sowjet Stadt vorbereitet und wurde positiv überrascht.

 

Anreise

Meine Anreise war anfangs etwas holprig. Normalerweise komme ich in einem Ort an und mache direkt eine Sitzplatzreservierung für mein Interrail Ticket für meine Weiterreise. In Brasov habe ich es auch versucht. Nur leider hat die Dame so gar nicht verstanden, dass ich nur eine Sitzplatzreservierung und kein ganzes Ticket haben wollte. Deshalb trabte ich ohne ab. Als ich dann am Samstag Mittag zum Bahnhof kam um 12:30 nach Bukarest zu fahren, wurde mir gesagt, dass das nicht mehr geht weil der Zug voll sei. Hm… Es fuhr zwar eine halbe Stunde später noch einer aber das war ein Bummelzug der 25 Mal angehalten und 2 h später angekommen wäre und darauf hatte ich so gar keinen Bock. Deshalb stieg ich einfach in den 12:30 Zug ein und verstaute mein Gepäck im Gepäckfach und hielt mich dann im Gang auf #gangstastyle. Der Schaffner konnte kein Englisch und fing erst gar keine Diskussion mit mir an. Außerdem machten es auch noch ein paar andere Leute so. Also saß ich 2,5 auf dem Fußboden vor der Zugtür. Aber ich muss sagen, dass ich Aussichtstechnisch kaum einen besseren Platz haben konnte.

 

 

Also am Ende alles nur halb so schlimm. Am Bahnhof in Bukarest klappte auch alles ganz hervorragend und ich konnte ohne Probleme einen Sitzplatz für meine Weiterfahrt buchen und auch die Anbindung an die Metro war auch sehr gut.

Unterkunft

Ich hatte eigentlich ein Hostel gebucht aber warum auch immer wurde meine Buchung storniert und ich nahm eine wesentliche teurere Pension. Zum einen weil sie auf den Fotos sehr hübsch aussah, weil sie eine tolle Lage hat und weil ich ein bisschen Angst vor der Stadt hatte und etwas wollte wo ich mich wohl fühle und verstecken kann. Upstairs Boutique liegt, wie der Name schon verrät wieder mal ganz oben in einem Hinterhaus. Von außen denkste dir nur „oh shit“ aber innen – erste moderne Sahne.

 

 

Der Chef half mir netterweise sogar beim Koffer hoch tragen. Die Zimmer sind erst von 2017. Alles ist sauber und schick und man hat sein eigenes Bad und Frühstück (sehr spartanisch aber ok) gibts auch.

 

 

Die Lage ist genau zwischen Cismigiu Park, Militärmuseem und dem „hippsten“ Stadtteil Lipscani = Leipzig. Hat’s mich also doch wieder nach Leipzig zurück verschlagen. Kein Wunder, dass das der coolste Stadtteil ist. (Wird zumindest gesagt – dazu gleich mehr)

Leipziger Viertel

Im Bezirk 3 gelegen und so ziemlich DIE Sehenswürdigkeiten Zone.

 

 

Dort verbrachte ich meine ersten paar Stunden in der Stadt und war – enttäuscht! Ich hatte im Vorfeld so viel Gutes gelesen. Hipsterviertel, cooler Vibe. Nur Lobhudeleien und am Ende war es so gar nicht „my cup of tea“.

 

 

Tolle Häuser und viele Sehenswürdigkeiten gab es zu bestaunen. Versteht mich nicht falsch, es ist schon toll dort was die Architektur angeht. Wunderschöne Kirchen, eine Passage nach Pariser Vorbild (allerdings hat diese deutlich an Glanz verloren und ist zu einer einzigen großen Shisha Bar verkommen) und tolle monumentale Bauten.

 

 

Wirklich schön aber was mich störte war, dass die Hälfte einfach nur eine Touristenmeile ist. Restaurant an Bar an Souvenirgeschäft. Man wird ständig angesprochen. Ich habe mich gefühlt wie auf die Khao San Road in Bangkok. Und Puffs und Stripbars en Masse. Also wenn man ein junger männlicher Partytourist ist, dann ist das Dein Viertel. Ich fands irgendwie eher traurig was hieraus gemacht wurde. Es hätte so schön sein können und dann ist es nur so ne billige Bumsbude. 

 

 

Es gibt allerdings auch nettere Straßen dort mit wirklich individuellen Shops und Bars allerdings sieht es dort dann wieder runtergekommen aus und man wird von Obdachlosen angebrüllt.

 

 

Hop on hop off Bus Tour

Weil ich Bukarest nach meinem ersten  enttäuschendem Abend aber nicht ganz abschreiben wollte, dachte ich, mache ich eine Hop on Hop Off Tour um alle Sehenswürdigkeiten sehen zu können und etwas erklärt zu bekommen. Der Preis von nur 25 Lei hätte mich eigentlich stutzig machen sollen, denn mehr ist es halt auch einfach nicht wert. Man kommt von A nach B, hat Fahrtwind und sieht ein bisschen was. Allerdings weiß man nie wo man ist, denn es gibt keine Kopfhörer und keine anderweitigen Erklärungen. Danke für nichts! Ich habe dann durch Zufall an einem der Sitze einen Sticker gefunden, dass es eine App gibt bei der man Erklärungen bekommt. Ich also die App runter geladen. An sich gar keine so dumme Sache. In der App sind von vers. Städten Stadtrundgänge, Rundfahrten und Museumsrundgänge hinterlegt und die App lokalisiert dich per GPS und erzählt dir dann Dinge zu deinem Standort. Interessante Sache – wenn sie funktionieren würde. Denn von 2,5 Runden (50 min eine Runde) die ich mit dem Bus gefahren bin, funktionierte die App eine halbe Runde und erzählte dabei dann auch noch vieles doppelt. Also schlauer bin ich nicht geworden aber ich bin zu den vers. Sehenswürdigkeiten gekommen und das ist ja schon mal nicht so schlecht.

 

 

Beeindruckende Gebäude

Bukarest hat viele beeindruckende Gebäude zu bieten. So viel mehr als ich dachte.

 

 

Allen voran der sozialistische Klassizismus, der sogenannte Zuckerbäcker Stil, der zum Bsp. auch am Straußberger Platz in Berlin zu finden ist. Erbaut wurden diese Art von Gebäuden in den 50er Jahren. Alle haben eins gemeinsam – sie sind riesig und weiß. Praktisch und schön sollten hier vereint werden.

 

 

 

Prachtexemplar in Bukarest – das Parlament.

 

 

Das flächenmäßig größte Gebäude der Welt.

 

 

 

Zu ihm führt eine Prachtstraße – der Unirii Boulevard, welcher ungeheuer beeindruckend ist, mit seinen Monumentalbauten und den vielen Springbrunnen. Hier wollte man zeigen was man hat.

 

 

 

Auch die Casa Presei ist so ein Gebäude im Zuckerbäcker Stil.

 

 

 

Zu ihr führt die Soseaua Kiseleff. Eine richtige Prachtstraße, die mich ein bisschen an die Straße des 17.Juni in Berlin erinnert, da links und rechts auch alles Park ist, nur das hier mitten drin noch wahnsinnig schöne Häuser stehen mit Museen, Konsulaten usw.

 

 

 

Es gibt so viel mehr alte Gebäuden zu sehen als ich je gedacht hätte. Ich dachte, dass hier durch die Weltkriege und das große Erdbeben 1977 alles nur sowjetisch aussehen würde aber weit gefehlt.

 

 

 

Und auch wenn wirklich schon viel restauriert ist und in seiner alten Pracht erstrahlt, gibt es noch so viel Potential. Ich habe auf meiner Bustour so tolle Schlösschen gesehen, die einfach nur ein bisschen Liebe brauchen und auch im Leipziger Viertel ist noch so viel Potential. Ich denke, dass diese Stadt in den nächsten Jahren ganz toll werden kann.

 

 

 

Cismigiu Park

 

 

Die älteste der vielen Parkanlagen in der Stadt. Ich war gleich früh um 9 dort um einen sonntäglichen Menschensturm zu umgehen. Ich hatte bei TripAdvisor gelesen, dass der Park herunter gekommen wäre aber das kann ich absolut nicht bestätigen. Die Blumenbeete sahen ordentlich aus und alles war sauber.

 

 

 

Aber es ist halt nun mal Ostblock. „Sie waren stets bemüht“ – würde ich sagen. Es wird gemacht und getan aber mit den meisten „berühmten“ Parks die ich so kenne, kann es nicht mithalten und einiges sieht schon etwas traurig aus. Was mir als erstes etwas negativ aufgefallen ist, waren die vielen Wachposten und Security Männer die hier überall zu sehen sind. Außerdem ist der Park nur von 7 bis 10 geöffnet und wird nachts verschlossen. Ich glaube wenn diese Vorkehrungen nicht wären, dann würde sich hier noch mehr Obdachlose und Gesindel herum treiben.

 

 

Herastrau bzw King Michael Park

 

 

Der größte Stadtpark in Europa. Bukarest wollte wohl bei vielen Dingen die Superlative erreichen.
Der Park ist wirklich riesig und man könnte wohl den ganzen Tag dort verbringen. Und da ich an einem Sonntag hier war, war auch ordentlich was los.
Allerdings bräuchte der Park mal etwas Liebe.

 

 

Einiges sieht ganz schön herunter gekommen und trostlos aus. Wie z.B. der japanische Garten, welcher mehr ein Schatten seiner selbst war.

 

 

Und überall stehen Dixies. Bei 30 Grad an denen vorbei zu laufen war ein Träumchen – nicht! Was es auch viel gibt sind Papierkörbe und noch mehr Bänke. Es ist auch immer sauber und man sieht viele fleißige Menschen die sauber machen.

 

 

Art

 

 

Es gibt super viele Museen in der Stadt aber da ich ja mehr für die Kunst auf der Straße bin, habe ich mich hier mal ein bisschen umgesehen und habe die eine oder andere interessante Sache gefunden.

 

 

Food und Stores

Bukarest ist vielerorts sehr modern und wie jede andere Großstadt auch. Es gibt viele Geschäfte mit namenhaften Marken wie H&M, Zara und wie sie alle heißen. Es gibt aber auch Gucci, Boss und co.

 

 

Mir gefiel am besten so ein kleiner Markt in einem tollen alten Gebäude im Leipziger Stadtteil. Dort gab es Antiquitäten aber auch so hübsche selbstgemachte Dinge wie Schmuck, Taschen oder Deko und alles zu guten Preisen.

 

 

Ach und wenn ihr heiraten wollt, dann kommt hier her zum Brautkleider kaufen. Ich habe in meinen Leben noch nie so viele Brautmoden Läden gesehen. Der ganze Boulevard Unirii besteht daraus. Und für jeden Stil ist etwas dabei. Sehr hübsch anzusehen auf jeden Fall.

 

 

Es gibt super viele Restaurants und Bars. Einige davon sehen mega hip aus und fast alle sind immer voll. Die Rumänen lassen es sich wohl selbst gerne gut gehen, denn das können ja nicht alles Touristen gewesen sein. Nur von vegan haben die alle noch nie etwas gehört , selbst auf meinen eigentlich „ungefährlichen“ Falafel haben die mir Scheibletten Käse gehauen. Aber wenn ihr Fleischfresser seid, dann ist Rumänien euer Land. 

Die dunkle Seite

Es gibt aber auch einiges an negativer Kritik. Allen voran – die Stadt stinkt nach Pisse. Das ist jetzt vlt ein bisschen hart gesagt aber ich glaube jeder der hier schon mal im Sommer war, weiß was ich meine. Die vielen Obdachlosen machen einfach überall hin. Ich weiß nicht ob es jetzt unbedingt mehr Obdachlose als in anderen europäischen Großstädten gibt aber sie prägen das Stadtbild doch schon sehr. Man sieht viele Schlafplätze in Hauseingängen und einige Gassen und Plätze hätte ich lieber meiden sollen.
Man darf halt nicht vergessen, dass man in Rumänien ist. Bei einigen Bürgersteigen bricht man sich die Beine. Es gibt noch sehr viele dunkel Ecken. Die Armut ist sichtbar. Es gibt aber auch wahnsinnig viel Polizei und private Security Dienste die hier in der ganzen Stadt und in allen Parks herum rennen. Meine Theorie ist ja, dass man dadurch die Stadt sicherer und für ausländische Gäste interessanter machen will. Ich frage mich nur immer – wie wäre es denn ohne diese ganze Polizeikontrolle?

 

 

Fazit

Ich habe im Vorfeld auf einigen Blogs gelesen, dass Bukarest sehr interessant sei und ich glaube „interessant“ ist genau das richtige Wort. Denn irgendwie kann man nicht pauschal sagen ob es nun ganz nett ist oder nicht. Deshalb bleibt es bei einem schlichten „interessant“ und man sollte sich selbst ein Bild machen.

 

 



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