Interrail – Rumänien: Sibiu (Herrmann-Stadt)

Interrail – Rumänien: Sibiu (Herrmann-Stadt)

23.7. – 25.7.2018

 

Rumänien – ein armes Land. Schlechte Infrastruktur. Würde es überhaupt gut gefüllte Supermärkte geben? Würde ich gleich bei meiner Ankunft in Sibiu angebettelt werden? Hätte ich Sicherheitsbedenken? Haben die hier schon WLAN?

Pah – alles Vorurteilsbullshit! (Zumindest in den Touristengegenden)

Ich kam hier am Markt an und das erste was ich sah war ein Starbucks Coffee Shop. Restaurierte Häuser. Viele Restaurants und Cafés. Banken. Zara. Große Supermärkte mit einem ganze normalen Angebot wie bei uns im Edeka.

Mein erster Eindruck von Rumänien war so ganz anders als erwartet.

Ich bin so positiv überrascht. Ein großartiger Start in einem Land in dem ich am meisten Angst hatte mich unwohl zu fühlen.

 

 

Anreise

Meine Anreise mit dem Nachtzug aus Budapest nach Sibiu könnt ihr hier nachlesen.

Unterkunft

Das PanGeea Hostel liegt gleich neben dem Markt über einen Pub.

Ich war mit meiner Ankunft um 7 natürlich viel zu zeitig. Aber immerhin war schon jemand dort im Pub (oder noch) und ich konnte meinen Koffer dort abstellen.

Als ich gegen 12 wieder kam, bot man mir ein anderes Zimmer in den ruhigeren Suiten an, die eine Seitenstraße entfernt liegen. Ich schlug zu. Man verwies mich an den Chef des Hauses, der mich zur Unterkunft bringen würde. Der Chef sah ein bisschen aus wie Billy Bob Thornton oder wer ihn nicht kennt, wie ein Zuhälter. Ich dachte ja wir würden zur Unterkunft laufen aber nein, auf einmal kam der Chef mit seinem Jaguar vorgefahren und ich sollte einsteigen. Ganz wohl fühlte ich mich bei der Sache ja jetzt irgendwie nicht. Kennt ihr den Film 96 hours?! Er fuhr mit mir eine große Runde und ich wurde immer unsicherer wohin er mich denn bringen würde aber am Ende landeten wir vor einem hübschen gelben Häuschen, welches zu Fuß ca. 2 Minuten von eigentlichen Hostel entfernt liegt.

 

 

Mir wurde noch mein Koffer ins Zimmer getragen (was ein Service) und mir die Schlüssel übergeben. Hier im Haus gibt es 2 Dorms und mein kleines Zimmerchen. 2 Bäder und eine Küche und alles ist super sauber. Ich bin somit sehr zufrieden wo ich hier gelandet bin.

 

 

Altstadt

Die Jungs vom „1thingtodo“ beschrieben in ihrem Blog Sibiu mit den Worten „Hermannstadt versprüht den Flair einer rausgeputzten deutschen Kleinstadt in Brandenburg – allerdings mit dem Unterschied, dass hier auf den Straßen wirklich etwas los ist.“ Und ja, das kann man auf den ersten Blick so bestätigen. Sibiu wirkt vorallem am frühen Morgen wie ein verschlafenes deutsches Nest, wird dann aber ab 10 zu einem touristischen Ameisenhaufen.

 

 

Die Bausubstanz ist eindeutig deutsch. Aber dennoch darf man nicht vergessen, dass man in Rumänien ist. Vieles sieht schon ein bisschen runtergekommen aus. Es gibt ein paar Bauruinen. Aber im großen und ganzen hatte ich mir das ja im Vorfeld viel schlimmer vorgestellt.

 

 

Ich mag ja diesen shabby chic sehr. „So perfekt unperfekt“ – genau mein Ding, deshalb habe ich mich auch gleich ab dem ersten Moment wohl gefühlt.

 

 

2007 war die Sibiu Kulturhaupt. Wahrscheinlich sieht deshalb hier auch alles so hübsch und ordentlich aus.

 

 

Am besten lässt man sich einfach nur ein bisschen durch die hügelige Stadt und ihre Gässchen treiben oder lässt sich in einem der vielen Restaurants und Cafés nieder und beobachtet das wilde Treiben.

 

 

Ich wollte eigentlich an einem Stadtrundgang teilnehmen aber ich weiß nicht was das mit mir und den Stadtrundgängen ist, sie klappen nie. Diesmal hatte ich die Zeitumstellung nicht berücksichtigt und außerdem gewitterte es hier mal wieder.

Zuerst habe ich mich über den vielen Regen hier gewundert (Grüße nach Deutschland wo gerade die große heiße Dürre herrscht) aber dann las ich, dass im Juni und Juli die meisten Niederschläge runterkommen. Na schön.

 

 

Die bekannteste Sehenswürdigkeit in Sibiu ist mit Sicherheit die:

Lügenbrücke

 

 

 

von 1860. Sie hieß ursprünglich Liegenbrücke aber Lügen klingt ja viel spannender und man kann irgendwelche Sagen dazu basteln, die alle im Kontext haben, dass vers. Menschen gelogen haben und von der Brücke geworfen worden oder die Brücke sie selbst abgeworfen hat.
Am Ende des Tages ist sie aber einfach nur eine wunderschöne kleine Eisenbrücke, die sich bestens als Fotomotive eignet.

 

 

 

Der große Ring

 

 

Faktisch gesehen der Marktplatz. Ich dachte ja erst, dass der große Ring die Wehranlage um die Altstadt wären aber nee, es ist nur der hübsche große Marktplatz mit seinen restaurierten alten Häusern und vielen Restaurants.

 

 

Der kleine Ring

 

 

Der kleine Ring ist ein weiterer kleinerer Platz, welcher hinter dem Marktplatz liegt und an dem ihr auch die Lügenbrücke sehen könnt.

 

Außerdem gibt es viele Grünflächen die zum Verweilen einladen.

Alles hier ist irgendwie gemütlich, vorallem am frühen Morgen wenn die Touristenmassen noch schlafen.

 

Deutsche Geschichte

Vor vielen Jahrhunderten wurde Siebenbürgen von Deutschen besiedelt und so entstand Siebenbürgen Sachsen mit den bekannten Städten Herrmann-Stadt und Kronstadt. Irgendwann nach dem ersten Weltkrieg wurde dann alles rumänisch aber bis zur Wende lebten hier noch ca 20000 Deutsche. Heute sollen es noch 2000 sein. Die deutsche Geschichte ist in der Stadt aber an jeder Ecke greifbar. Es gibt das sächsische Volkskunde Museum.

 

 

Alle Wegweiser sind deutsch beschriftet. Die Cafés und Restaurants haben meist deutsche Namen. Es gibt deutsche Schulen und Kindergärten und bis 2014 war der Bürgermeister ein Deutscher.

 

 

Es ist schon irgendwie ein merkwürdiges Gefühl so weit weg von Deutschland zu sein aber das hier in der Stadt immer mal zu vergessen.

Außerhalb der Altstadt

Ich brauchte eine Drogerie und diese gibt es in der Altstadt nicht. Deshalb machte ich mich auf den Weg die Altstadt zu verlassen und auch mal etwas außerhalb der aufgehübschten Altstadt zu sehen.

Klar, wenn man den Altstadt Kern verlässt, dann weiß man wieder, dass man nicht mehr in Deutschland ist aber so hatte ich mir Rumänien auch nicht vorgestellt. Es sieht eher so aus wie in weniger touristischen Gegenden in Spanien oder wie in der Türkei. Viele Neubaublöcke aber auch die sahen jetzt alle nicht so sehr gruselig aus.

 

 

Außerdem gibt es verdammt viel Stadtgrün. Riesige Parkanlagen mit Zoo und Spielplätzen usw. Hier könnte man einiges an Zeit verbringen.

Die Stadt ist so viel größer als ich erwartet hatte. Die Altstadt ist wirklich nur ein winziger Teil von Sibiu.

In der Nähe des großen Auchan Einkaufszentrums, herrscht momentan enorme Bautätigkeit. Hier entstehen auf einem Feld viele neue Wohnhäuser. Also auch hier hat der Aufbau Ost zugeschlagen.

 

 

Im Einkaufszentrum sieht es dann fast genau wie in einem deutschen Einkaufszentrum aus. Nur ist halt alles nicht so perfekt. Da fehlt hier und da mal eine Stufe oder die Deckenbeleuchtung ist nicht mehr ganz intakt. Aber alles in allem ist es nicht sehr anders.

 

 

Red Bull Romaniacs

Was in der relativ kleinen Stadt alles los ist, ist der Wahnsinn. Da können sich kleinere Städte in Deutschland mal eine Scheibe abschneiden. Letztes Wochenende war hier Fashion Week. Kommendes Wochenende findet auf dem Marktplatz ein großes Musikfestival mit internationalen Künstlern statt (soweit ich sie kannte scheint es ein elektronisches Musikfestival zu sein) und ich kam genau richtig zu den Red Bull Romaniacs.

 

 

Noch nie davon gehört, nur in der ganzen Stadt Plakate gesehen und so viele verdammt lässig aussehende Menschen. So Marke Surferboys and Girls. Mitten in der Bergen hatte die Sache dann mit surfen so gar nichts zu tun sondern mit Motocross fahren.

 

 

Die krasseste Hardenduro Ralleye der Welt findet hier gerade statt.

 

 

Dazu gibt es in Sibiu den Prolog, eine Art Vorentscheid. Was für ein Spektakel. Seit 2004 gibt es das ganze schon und dieses Jahr waren fast 700 Teilnehmer aus 51 Ländern dabei. In der Stadt wurde ein Parcours aufgebaut aus Holzstämmen, Lkw Reifen, Felsbrocken und anderem schwer zu überquerendem.

 

 

Und die Fahrer mussten sich nach Zeit darüber quälen. Ich konnte oftmals gar nicht hingucken wenn die auf den Steinen umfielen. Im zweiten Teil des Tages gab es dann ein Rennen wo die Hindernisse nicht mehr ganz so groß waren und die Fahrer mehr fahren als schieben konnten.

 

 

Und was da alles los war. 1000ende Menschen, ein DJ, Getränkebuden und natürlich Motorräder soweit das Auge reichte.

 

Ab Mittwoch bis Samstag wird dann in den Bergen der Karpaten das richtige Rennen ausgetragen.
Sehr spannende unerwartete Veranstaltung auf die ich hier getroffen bin.

 

Fazit

Sibiu ist eine sehr schöne Stadt die einem die Eingewöhnung in Rumänien leicht macht, da einem vieles bekannt vor kommt und man keinen Kulturschock erleidet.

 

 



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