Interrail – Tschechien: Brünn

Interrail – Tschechien: Brünn

Manchmal erwartet man gar nichts und dann kommt Brünn um die Ecke und haut mich aus den Latschen mit seiner völlig unerwarteten Schönheit. Warum hatte ich vorher nie etwas von diesem Juwel gehört? Dafür muss man doch mehr Werbung machen.

 

 

Ich wollte Brünn eigentlich nur als kurze Übernachtungszwischenstation nutzen um nicht so lange auf einen Schlag Zug fahren zu müssen und um auch mal kurz in der Tschechien gewesen zu sein.

Und dann fuhr der Zug langsam Richtung Stadt und ich sah nur hässliche Neubaublöcke und ein vermeintliches Atomkraftwerk (zumindest sieht es so aus)

 

 

Auch die Google Bildersuche hatte im Vorfeld nicht allzu viel versprochen und dann komme ich in der Altstadt an, bin völlig geflasht und denke, verdammt es ist 18 Uhr und ich fahre morgen früh schon wieder, also den Turbo angeworfen und die Stadt im Schnelldurchlauf in 2,5 besichtigt
Aber von vorn:

Anreise

Mit 20 Minuten Verspätung tuckelte der Zug in Blumen pflück Geschwindigkeit los. Ich hatte zwar einen schönen Platz am Fenster mit Tisch und Beinfreiheit aber da ich nur eine Umsteigezeit von 30 Minuten hatte, saß ich wie auf Kohlen. Über 6,5 h Zugfahrt für 250 km. Mit dem Auto hätte man die Strecke sicher in 3 h geschafft aber naja der Weg ist das Ziel und so. Der komplette Zug Richtung Prag bzw Budapest war voll mit Interrailern.

Musste ich mir im ersten Zug, dank der kühlen Klima noch was überziehen, so war der 2. Zug, der heißeste aller Zeiten. Ich fühlte mich wie pulled pork was im Smoker vor sich hin schmort.

Wirkten die ersten Bahnhöfe in Tschechien ein wenig drög umso überraschter war ich dann beim Anblick vom Brünner Bahnhof.

 

 

Unterkunft

Die Altstadt von Brünn liegt auf einem Berg und der Bahnhof im Tal. Wusste ich natürlich auch nicht und dachte die von Maps.me angegebenen 10 Lauf Minuten sind ein Kinderspiel. Ja denkste. Ich weiß nicht wann ich das letzte mal so geschwitzt habe. Und dann lief ich auch noch am super unscheinbaren Eingang vorbei und musste zurück rollern. Meine letzten Kräfte brauchte ich dann beim Treppensteigen in den 4. Stock, samt Gepäck, auf.

 

 

Das Zimmer ist sehr schlicht und es gibt für 12 Zimmer (weiß nicht ob das alles Einzelzimmer sind) nur eine Toilette und eine Dusche und das im selben Raum. Da bin ich dann doch froh, dass ich nur eine Nacht bleibe um nicht länger das Badchaos genießen zu müssen.

 

 

 

 

St. Peter und Pauls Berg

Mein völlig ungeplanter Rundgang begann damit, dass ich fasziniert von den tollen Gebäuden rund um mein Hostel auf einen Obelisken auf einer Anhöhe zusteuerte und dann ein tolles Stadtpanorama sah.

 

 

Viele Bänke und Grün und immer ein schöner Blick über die Mauern.

 

 

So schraubte sich der Weg immer weiter den Berg lang hoch um dann oben an der St. Peter und Pauls Kirche raus zu kommen.

 

Architektur

– Altstadt –

So viel Jugendstil, ich geh kaputt. Meine absolut liebste Stilrichtung.
Ein Haus schöner als das andere.

 

 

Dazu ein Mix aus Mittelalter, Renaissance und Barock.

 

Ich war völlig überwältigt und wusste gar nicht was ich zuerst fotografieren sollte.

 

 

 

– Sowjet Chic –

Ja, natürlich auch hier gibt es jede Menge Sowjet Chic. Außerhalb der Altstadt würde ich meinen zu 100% aber auch innerhalb der restaurierten Altstadt gibt es ein paar Schätzchen.

 

 

– Moderne –

Wo Baulücken waren, hat man gnadenlos moderne Klötzer hingesetzt. Mal wieder das Phänomen von, warum stellt man was klotzartiges Modernes neben ein wunderschönes Gründerzeithaus. Kann man da das moderne Gebäude nicht ein bisschen schöner integrieren? Ich bin nicht gegen modern, keines Falls aber ich mag es einfach lieber eigenständig und nicht im Mix mit Altem, denn da kann es meiner Meinung nach nur verlieren.

 

 

Und auch dieses komische Phallus förmige Denkmal (soll eine Uhr sein, habe ich gelesen)  kommt nicht in meine Architektur Hitlist.

 

 

Kirchen

Die Polen und die Tschechen sind alles scheinbar sehr fromme Menschen, bei der überwältigenden Anzahl die die an Kirchen auf kleiner Fläche haben.

 

Plätze

Neben all den schönen Häusern gibt es auch ein paar hübsche Plätze die zum Verweilen einladen mit Bars und Bänken.

 

Altes Rathaus und Turm

Spontan ist ja bekanntlich immer am besten. Ich guckte zum Rathaus Turm hoch, sah einen Mann dort stehen und dachte, joah guck ich doch Mal ob ich auch ohne Geld umgetauscht zu haben dort hoch komme.

 

 

Und tatsächlich in der Touristeninformation durfte ich den Turmaufstieg von 70 Kronen (ca. 2,50) mit Kreditkarte zahlen.

Der 63 m hohe Turm ist schnell bezwungen und der Ausblick ist grandios!

 

 

Hier sieht man wie groß Brünn eigentlich ist inklusive seiner unzähligen Neubaublöcke.

 

 

Bei meiner Recherche wie hoch der Turm ist, habe ich noch etwas zum Rathaus Portal gelesen, was mir vor Ort gar nicht aufgefallen ist. Ein Türmchen ist schief. Und zwar soll der Erbauer mit der Bezahlung nicht zufrieden gewesen sein und da hat er seinen Unmut so kund getan.
Pfusch am Bau gab’s also auch schon damals.

 

Burg Spielberg

 

 

Ich hatte die Burg schon auf meiner Karte gesehen und vom Rathaus Turm aus, wollte dort aber eigentlich nicht hin weil die Google Bildersuche mir die Sache nicht sehr schmackhaft gemacht hatte und es ganz schön weit war.

Aber wie das immer so bei mir ist, lief ich durch die Gassen der Stadt und stand auf einmal vor der Ausschilderung Spilberk. Und als ich dann noch Electro Musik Klänge vernahm, war klar – ich muss auf den Berg.

 

 

Inzwischen kurz vor 8 sprintete ich den Berg in der Abendsonne lang hoch und fand leider keinen Zugang zu dem Electro Open Air. Ich sah zwar die Bühne über die Burgmauern luken aber einen Eingang habe ich auch nach mehrmaliger Suche leider nicht gefunden. Es kann aber auch damit zusammen gehangen haben, dass die Burg um 8 geschlossen wurde und ich leider nicht mehr rein durfte. Vielleicht wäre der Eingang zum Electro Open Air ja irgendwo dort gewesen oder es war nichts offizielles. Ich werde es nie erfahren (oh, wie ich sowas hasse)

 

 

Aber oben auf dem Berg war es herrlich. Ein grandioser Abendlicht Blick über die Stadt.

 

 

Dazu verschiedene Aussichtspunkte.

 

 

Und Skulpturen.

 

Echt schön dort oben. Kann ich nur jedem empfehlen!

 

 

 

Fazit

 

Manchmal ist es auch für jemanden wie mich gut, wenn man nicht alles planen kann und sich so positiv überraschen lassen kann.

Brünn – ein Juwel eingebettet in ein Meer aus abschreckenden Neubaublöcken.

Ich war jedenfalls total hin und weg und kann jedem nur sagen, dass er auf dem Weg nach Bratislava, Wien oder Budapest einen Abstecher nach Brünn machen sollte.

 

 



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