Kiel – dort wo die ganz großen Pötte wohnen 30.9.-3.10.2017

Kiel – dort wo die ganz großen Pötte wohnen 30.9.-3.10.2017

Ich wollte nochmal ans Meer aber nicht unbedingt an einen Ort den ich schon kannte. Deshalb mal kurz die Fernbusrouten gecheckt und als mein Herzblatt kam Kiel heraus. Und zu einem Herzblatt ist es mir am Ende wirklich geworden.

Anfahrt:

9 h mit dem Fernbus. Puh! Und dazu eine Nacht Fahrt. Meine erste mit dem Fernbus. Ich war von Kanada schon eine 18 h Fahrt mit dem Zug gewohnt, da konnte die Hälfte der Zeit mit dem Fernbus ja nicht so schlimm werden. Und war es am Ende auch nicht. Nur die Streckenführung und die ständigen Haltepunkte waren schrecklich nervig. Halle – 4 vers. Stationen in Berlin (wir haben allein in Berlin 1 h verbracht) – Hamburg und dann 10 Uhr früh endlich Kiel. Sehr voll der Bus, ständiger Nachbarwechsel und deshalb konnte ich natürlich auch nicht durchschlafen aber ca. 6 h von 9 h im Schlummerzustand war völlig ok.

am Berliner ZOB kann man des Nachts auch mal ihn antreffen

Unterkunft:

Ich hatte die Unterkunft, das nordic basic Hotel City, bei kurz-mal-weg.de gefunden. Ca. 55 € die Nacht mit Frühstück. Super gute Lage. Alles fußläufig zu erreichen. Ruhige Seitenstraße. Sehr nettes Personal. Recht schlichte ordentliche Zimmer und ein leckeres Frühstück. Kann man weiter empfehlen.

Kiel Altstadt:

Ich sag mal so, wenn die nicht ihre Kieler Förde und die angrenzende Ostsee hätten und damit super viele Kreuzfahrtschiffe und Fähren, würde sicher kein Tourist herkommen, es sei denn es ist ein Däne, der sich ein Bier für den kleinen dänischen Geldbeutel genehmigen will. Viel Altstadt gibt es nicht. Hier und da mal eine Kirche, ein schönes Rathaus und ab und an ein typisches Speicherhaus aber eher wenig. Im Krieg ist hier leider viel kaputt gegangen. Gefühlt die Hälfte der Innenstadt besteht aus vers. Shopping-Malls die alle miteinander verbunden sind und im Bahnhof enden, was total super ist bei dem unsteten Wetter. Die Geschäfte der Innenstadt sehen aus wie in jeder deutschen Innenstadt. Also nicht sehr lohnenswert.

Ostseekai und Schifffahrtsmuseeum:

Ich hatte das Glück an 2 Tagen 2 vers. Aidas am Ostseekai liegen zu sehen. Die Vita und die Cara. Immer wieder beeindruckend diese Kreuzfahrtschiffe obwohl die Stena Line und Colour Line Fähren an Beeindruckendheit schon reichen würden. Daneben liegen bunte Seegelboote und Ausflugsschiffe. Ein kleiner Leuchtturm und das Schifffahrtsmuseeum in einer schönen alten Fischhalle. Dieses und das Stadtmuseeum sind sogar kostenlos. Ich war nur im Schifffahrtsmuseeum und fand es sehr ansehenswert. Ein sehr modernes Museeumskonzept mit Hörspielen und Schauobjekten zum Anfassen neben klassischen Seefahrtsgemälden, Schiffsmodellen und anderem Bootskram. Sehr schön anzusehen und ein guter Ort um sich eine Auszeit vom rauen Klima zu gönnen.

Kiellinie:

Die Kiellinie ist eine Art Seepromenande die hinter dem Ostseekai beginnt und einige Km weit bis nach Wiek führt. Die ganze Linie bin ich nicht gelaufen, sondern nur bis zum Anleger der Gorch Fock, die leider nicht vor Ort lag.

Auf der anderen Seite der Kieler Förde kann man die große Werft bestaunen wo auch schon mal ein Kriegsschiff oder ein U-Boot davor liegen kann. Ich hatte außerdem das Glück, dass die Aida und die Stena Line gerade ausliefen und das ist ein ungeheuer beeindruckendes Bild wenn die riesen Pötte sich da über die Kieler Förde schieben.

Außerdem gibt es das Geomar, das Meeresaquarium. Das hat ein Außenbecken mit ein paar Ostsee Seehunden, die man sich ganz kostenlos angucken kann.

Fährfahrt: Laboe – Bahnhofsbrücke:

Mein erster Tag war wettermäßig reichlich beschi**en und ich hatte eherlich gesagt auch nichts anderes erwartet, deshalb war ich umso überraschter als der Sonntag seinem Namen alle Ehre machte und einen herrlichen 1. Oktober hervor brachte.

Perfekt für einen Ausflug mit der Fähre. Ich kaufte mir eine Tageskarte (9,60 + je 1€ pro Einstieg), weil ich geplant hatte noch an mehr Orten auszusteigen.

Los ging die wilde Fahrt ab Haltestelle Bahnhofsbrücke 10:10 Uhr und gleich vorbei an den ganzen großen Pötten nach Norwegen und Schweden.

Die Fähre hält auf ihrer Fahrt nach Laboe noch an 5 anderen Stationen an der Kieler Förde. Jede einzelne sieht sehr einladend aus wenn man mehr Zeit hätte. Außerdem kommt man am Olympiahafen vorbei und an der Schleuse zum Nord/Ostsee Kanal. Gegen Ende der Fahrt, die knapp eine Stunde dauert, dann noch der Leuchtturm in Friedrichsort. Ein stylisher grün weißer Turm aus den 70ern. Ich kann jedem nur ans Herz legen eine Fahrt mit der Fähre zu machen, denn das macht super viel Spaß.

Laboe:

Ich wollte an die Ostsee und an den Strand und davon bekam ich in Laboe volles Programm. Ich grinste den ganzen Tage von einem Ohr zum anderen weil es so unfassbar schön war und ich so dankbar über dieses wunderschöne Herbstwetter war, bei dem man sogar seine Jacke ausziehen konnte. Wenn man am Fähranleger ankommt sieht man als erstes einen süßen kleinen Hafen und auf der anderen Seite weißen Puderzuckerstrand mit sehr fotogenen Strandkörben. Ein paar Jungs rannten kreischend wie kleine Mädchen sogar ins Wasser, was ihnen allerdings nur bis zu den Knien ging. Mal wieder schon sich einer der großen Skandinavienfähren über die Kieler Förde raus auf die Ostsee. Weiteres Highlight in Laboe ist das Kriegsdenkmal und das U-Boot. Ich war nur auf dem Kriegsdenkmal (6€), da mir enge kleine Räume nicht so behagen. Der Turm ist architektonisch recht interessant auch wenn ich finde, dass er nicht so ganz an diesen zarten Strand passt. Hoch geht es, für Faule, mit dem Fahrstuhl. Die Sicht ist klasse, auch wenn einem leider die Vergitterung die Foto-Aussicht nicht ganz so leicht macht. Aber schon toll. Man kann bis nach Kalifornien und Brasilien gucken. (Das sind 2 kleine Orte an der Ostsee)

Unter dem Turm gibt es eine unterirdische Gedenkhalle. Ein sehr beeindruckender Ort.

Wieder zurück am Ostseestrand gab es dann erst mal Picknick in den Dünen mit Aussicht auf den (Hunde-) Strand und Pferde. Da ritten ernsthaft welche über den Strand. Für mich der Inbegriff eines kitschigen Bildes.  Die Hunde am Strand sprangen wie Kinder ins Wasser und wälzten sich im Sand. Sie wirkten so glücklich wie ich war. Sonne, Sand und See – mehr brauche ich nicht zum glücklich sein. Entspannung pur!

Als ich wieder zurück auf die Strandpromenade kam, war es inwzischen unfassbar voll geworden. Jeder wollte bei dem schönen Wetter ein Stück von der Ostsee haben. Sehr viele Restaurants, eine Schwimmhalle, viele Spielplätze. Ich gönnte mir ein danisches Softeis mit Schokohülle. So lecker!

Da ich noch eine halbe Stunde Zeit hatte bevor die halb 4 Fähre zurück ging, setzte ich mich an den kleinen Hafen und beobachtete die Menschen und die Schiffe bei der Ein- und Ausfahrt. Eigentlich wollte ich bei der Rückfahrt nochmal am Leuchtturm Friedrichsort anhalten. Da ich dort aber 1,5 h Aufenthalt gehabt hätte, entschied ich mich dagegen und fuhr direkt nach Kiel Bahnhofsbrücke durch und setzte mich dann dort noch mal an den kleinen Hafen auf die andere Seite und beobachtete die auf/ und zugehende Zugbrücke.

Herbstmarkt:

Ich hatte das Glück, dass dieses Wochenende Herbstmarkt und verkaufsoffener Sonntag war. Somit war einiges los in der Innenstadt. Alles war hübsch geschmückt mit Stroh und Kürbissen. Es gab einen kleinen Streichelzoo mit Ziegen. Die Bauern stellten ihre Oldtimer Traktoren aus und an vers. Ständen gabe es Krims Krams und kleine Köstlichkeiten. Eine schöne Atmosphäre in der Stadt.

Holtenauer Straße:

Ich hatte bei einigen Reiseblogs die Holtenauer als sehenswert heraus gelesen, deshalb stieg ich am Bahnhof in den Bus 501 (2,60€ das ist ja so teuer wie in Leipzig) und fuhr bis zum letzten Haltepunkt der Holtenauer am Famila Supermarkt. Nach einem kurzen Supermarktabstecher lief ich die ganzen 4 km bis zum Dreiecksplatz die Holtenauer entlang. Das Wetter spielte auch mit, sodass ich mir die super süßen kleinen inhabergeführten Läden und die schönen  Jahrhundertwende Häuser in aller Ruhe und zumeist bei Sonnenschein angucken konnte. An der Busstation Belvedere machte ich einen kurzen Abstecher ins Grüne, weil ich natürlich ein Belvedere – einen Aussichtspunkt, erwartet hatte. Gefunden habe ich leider keine aber festgestellt, das Kiel ganz schön bergig ist. Das vermutet man ja nicht unbedingt. Viele der Geschäfte hatten zum Brückentag zu, was mich nicht sonderlich störte, da ich ja eh mehr einen Schaufensterbummel machen wollte und das konnte man hier wirklich gut. Wer ein bisschen urbanes Flair ohne die üblichen großen Marken haben will, der sollte mal über die Holtenauer schledern, vorbei an Biomärkten, süßen Cafes und coolen Designer Shops.

 

 

Alter botanischer Garten:

Von der Holtenauer aus, ging es für mich dann noch in den Alten Botanischen Garten. Das Wetter war inzwischen sehr herbstlich stürmisch und grau geworden, sodass im Botanischen Garten eine ganz besondere Stimmung aufkam. Es war dunkel und grün und durch den wind wehten die Blätter wie Schnee von den Bäumen. Es war irgendwie magisch. Der Alte Botanische Garten liegt genau hinter der Kiellinie und ist wieder ganz schön „bergig“. Viele schöne und verrückte Pflanzen, ein kleiner Teich mit Entengrütze und 2 sehr schöne alte Häuschen. Im Frühling blüht hier sicher alles wunderschön, im Sommer kann man im Schatten sehr gut verweilen und im Herbst fühlt man sich wie in einem Zauberwald. Vom Botanischen Garten aus, ging es dann zu Fuß wieder zurück durch die Einkaufsstraße zum Bahnhof. Eine ganze schöne Tour (um die 15 km), die ich an dem Tag gelaufen war.

Food:

Im Cafe vom Biomarkt am Sophienhof hatte ich einen leckeren veganen Snack und ein noch leckereres stück vegane Linzer Torte. Ansonsten habe ich mich eher von den Köstlichkeiten des Herbstmarktes ernährt. Deichkäse, Ziegenfrischkäse, Kräuterfladen oder Sauerkrautbrötchen. Alles so lecker! Picknick ist ja immer eher so meins als im Restaurant zu sitzen aber da mein Bus zurück erst 23 Uhr ging verbrachte ich meinen Abend bei einer leckeren Kürbis-Ziegenkäse Pizza und dem ein oder anderen Cocktail im Vapiano an der Bahnhofsbrücke.

Rückfahrt:

Zurück ging es 23 Uhr vom Behelfs-ZOB. Ich hatte mal wieder Glück, denn kurz nachdem ich dort angekommen war, fing es an in Strömen zu regnen und ich konnte mich noch schnell ins Bushäuschen stürzen. Ich hatte die gleichen Fahrer wie auf der Hinfahrt. Die Rückfahrt war super entspannt, denn die Fahrer hatten eine sehr schön „smoothe“ Fahrweise und der Bus war nur halb voll, sodass ich mich über 3 Sitzplätze komplett lang strecken konnte und die komplette Fahrt einfach durchschlief. Ich bin jetzt total auf den Geschmack von Nachtfahrten gekommen. Man schläft einfach und wacht dann in einer anderen Stadt ausgeschlafen auf und spart sich so eine Hotelübernachtung. Das werde ich bei längeren Fahrten jetzt immer mal nutzen.

Fazit:

Wer Mee(h)r sehen will, kommt nach Kiel. Ich hatte natürlich auch unfassbares Glück mit dem Wetter aber selbst an weniger schönen Tagen hat Wasser doch immer irgendwie eine besondere und faszinierende Wirkung. Schon allein bei der Ein- und Ausfahrt der großen Kähne zuzugucken, hat irgendwie etwas beruhigendes und macht einen Ausflug nach Kiel lohnenswert außerdem liegt die Ostsee nur eine kurze Fährfahrt entfernt.



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