Mein erstes Jahr als arbeitsloser Obdachloser – ein Resümee

Mein erstes Jahr als arbeitsloser Obdachloser – ein Resümee

4. Juli 2019

 

 fancy gesagt – mein erstes Jahr als „full time traveler“,  „Mein neues Leben in Bildern“ oder aber auch „seht zu wie ich in einem Jahr 10 Kilo zunahm“ :-D, denn ihr werdet im folgenden viele Bilder von mir sehen, die mich (weitestgehend) chronologisch bei meinen Reisehighlights zeigen (ich habe alle Bilder getagged, falls ihr einen der tollen Orte auch besuchen wollt).

 

Für mich ist aus fotografischer Sicht auch mein Werdegang interessant  zu beobachten. Von nicht in RAW geshooted zu haben *help* und Bilder gar nicht bearbeitet haben zu immer besser dabei geworden zu sein (finde ich zumindest).

 

Vorwort

 

Wie kam es überhaupt dazu? Dazu muss ich kurz noch mal meine Vorgeschichte zusammen fassen obwohl ich das hier und hier bereits getan habe.

Ich hatte 11 Jahre den gleichen Job, der fad und mehr als bedeutungslos für die Welt war. Habe 10 Jahre im gleichen Wohnblock in Leipzig gewohnt. Mein Herz immer an die falschen Personen verschenkt. Habe nur von Wochenende zu Wochenende und Urlaub zu Urlaub gelebt. Ich hatte keine eigenen Zukunftspläne (nur die von der Gesellschaft aufgedrängten, die mir nicht zusagten). Ich hatte keine Erfüllung.

Kurzum, ich war unglücklich. Sehr unglücklich. Ich war einer von über 4 Millionen Menschen, die allein in Deutschland, unter Depressionen leiden. Ich habe tagelang nur im Bett verbracht. Ich habe mehr geweint als normal gewesen wäre. War oft wütend. Verzweifelt. Planlos. Verloren!

 

 

 

 

Alles wird anders

 

Mein einziger Happy Place war das Reisen. In der Welt unterwegs zu sein. Neues zu lernen, zu sehen, zu erleben – zu leben.

Und dann kam Kanada. Die Reise meines Lebens – die Reise, die alles veränderte. Die Reise, die mich zu einem besseren Menschen machte. (guckst du hier)

 

 

 

Vorbereitungen

 

Nun kann man aber nicht einfach von einen Tag auf den anderen alles hinter sich lassen. Als guter Deutscher braucht man dafür natürlich so seine gewisse Vorbereitungszeit und die habe ich gleich nach Kanada gestartet als mir klar wurde, ich muss hier raus. Ich muss all meinen Mut zusammen nehmen und alles hinter mir lassen.

Ich fing an nach und nach alles zu verkaufen was ich besaß. Puh, der Anfang war hart. Ich fühlte mich schrecklich als mein erstes Teil kurz vor dem Verkauf stand. Meine schönen Sachen. Die hatten mir doch immer Freude bereitet oder etwas nicht?! Als ich dann das Geld meines ersten Verkaufes in der Hand hielt und mir klar wurde, dass das mein Startkapital für einen Neuanfang ist, war das Teil auf einmal völlig egal. Es wurde zu einem richtigen Rausch all meine Habseeligkeiten weiter zu kaufen. Dabei wurde mir auch eine andere Sache klar – warum sollte man jemals wieder etwas neu kaufen. Es gibt da draußen alles gebraucht in gutem Zustand und das im Überfluss.

Des Weiteren fing ich an mir kleine Challenges zu setzen alle mit dem Hintergrund Geld zu sparen. Der Nobuy November , Shopping Ban oder die nur einmal im Monat groß einkaufen gehen Challenge.

Es machte mir richtig Spaß mich selbst herauszufordern und aus dem Spaß wurde Geld was ich sparen konnte.

Ich kündigte, verkaufte alles und stand am Ende mit nur  zwei kleinen Rucksäcken da (und ein paar wenigen Kisten auf dem Dachboden meiner Oma). Wenn man das in Umzugskisten umrechnen würde, könnte ich sagen – ich besitze nur noch 4 Kisten an Dingen, was am Ende immer noch zu viel ist, denn ich bin seit einem Jahr ja nur mit den zwei Rucksäcken unterwegs und habe nie etwas anderes gebraucht. (und kleiner Spoiler – es gibt überall auf der Welt auch Dinge zu kaufen)

 

 

Es geht los

 

Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern wo mich mein Papa nach der Wohnungsübergabe aus meiner leeren Wohnung in Leipzig abholte um mich mit zu meinen Eltern zu nehmen. Er fragte ob ich nicht traurig sei und ob ich nicht noch mal zurück zur Wohnung gucken will.

Beide Antworten waren nein – im Gegenteil, das war der Moment wo ich zum ersten Mal diese Freiheit spürte, diese unendliche Leichtigkeit. Ich habe gute Zeiten in der Wohnung bzw. in Leipzig gehabt,  keine Frage aber halt auch verdammt viele schlechte und die galt es nun hinter sich zu lassen.

Wenn ihr alles zum Anfang meiner Reise lesen wollt, dann könnt ihr hier oder hier damit anfangen.

 

 

 

 

Was habe ich gelernt

 

Achtung – ich werde im Folgenden mit ganz großen Begriffen um mich werfen und Spirituell werden. Alles Dinge über die man halt so nachdenkt wenn man Zeit hat. Wobei ich auch schon beim ersten Punkt bin:

 

 

 

Zeit

 

Zeit ist das Wichtigste was wir haben. Alles beruht auf Zeit und dessen müssen wir uns bewusst werden. Wir haben nur dieses eine Leben. Diesen einen abgesteckten Zeitraum den wir nutzen dürfen um uns zu verwirklichen, um unsere Träume zu erfüllen, um das zu tun was wir lieben. Warum verschwenden wir dann so viel davon?

 

 

 

 

Die meisten von euch gehen 5 Tage die Woche 8 Stunden am Tag arbeiten. Das sind 40 h Arbeit. 40 Stunden Lebenszeit von grob gerechnet 84 h Tageslichtzeit (ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass der Großteil der Arbeitnehmer tagsüber arbeitet). Das ist also grob die Hälfte der Zeit die ich zur Verfügung habe in der  Woche. Warum macht man das? Ich verschwende also fast die Hälfte meines Lebens mit Schule, Studium, Arbeit. Ein paar Wenigen mögen diese Dinge vielleicht Spaß machen aber sind wir mal ehrlich, den meisten nicht. Ihr verschwendet also fast die Hälfte eures Lebens mit einer Sache die euch nicht erfüllt.

 

 

 

 

Ich habe das jahrelang auch so gemacht und mir war es da nicht so bewusst aber von außen betrachtet, ist das für mich ein Konstrukt des Wahnsinns. Jetzt werden alle schreien – wir müssen das doch aber um Geld zu verdienen. „Fair enough“ – Geld ist wichtig, aber auch nur bis zu einem bestimmten Grad.

 

 

 

 

Aber ein Großteil der Menschen in wohlhabenden Ländern kauft von dem verdienten Geld Dinge, Gegenstände. Größere Wohnungen, Häuser, schickere Autos, Fernseher etc. Machen diese Dinge euch wirklich glücklich? Falls ja, dann go for it!

 

 

 

 

Aber wenn ihr mal ganz ehrlich seid, dann macht es euch doch sehr viel glücklicher Zeit mit euren Freunden zu verbringen, mit eurer Familie eine Fahrradtour zu machen, an den See zu fahren. Alles Dinge die fast kostenlos sind.

 

 

 

Also wäre es nicht irgendwie logischer weniger zu arbeiten und mehr Zeit zu haben. Man hat dann weniger Geld, klar. Man kann weniger kaufen. Aber im Grunde brauchen wir doch alle so viel weniger als wir haben. Was wir alle brauchen ist Zeit.

Deshalb finde ich Länder und Unternehmen toll, die den Ansatz der Teilzeitarbeit verfolgen. Eine Sache die für mich so viel mehr Sinn macht, denn der Arbeitnehmer ist bewiesenermaßen produktiver an kürzeren Arbeitstagen, da er motivierter ist. Es bleibt mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge – wie Leben z.B.

 

 

 

 

Aber was weiß ich schon. Ich bin nur ein kleines Hippiemädchen, dass nur noch 2 kleine Rucksäcke mit Dingen besitzt. Maximal 20 h die Woche arbeitet. Aber glücklich dabei ist. Könnt ihr das von euch behaupten in euren schicken großen Wohnungen, mit großen Autos und dem neusten größten Fernseher???

 

 

 

Bauchgefühl

 

Ich bin der Meinung, dass wir alle in uns diese kleine Stimme haben, die uns sagt was richtig und was falsch ist. Was wir machen sollten und was wir lieber lassen.

Leider wurde uns diese Stimme abtrainiert. Von unseren Eltern, in der Schule, im Berufsleben, von der medialen Welt.

 

 

 

 

Aber diese Stimme im Bauch ist wichtig. Sie hilft uns durchs Leben. Sie kann Entscheidungen treffen, die unser Kopf mit unzähligen Pro und Contra Listen abwägt.

Ich lerne jeden Tag wieder mehr auf mein Bauchgefühl zu hören. Und bisher hat es mich nie fehl geleitet. Ich meine ich gehe zu wildfremden Menschen nach Hause um bei ihnen für eine Weile zu leben (während ich das schreibe, sitzte ich gerade mit einem fremden 44 jährigen Mann in einem Nebenraum seines leeres Fitnesstudios, wo ich ihm in den nächsten Tagen beim streichen von Fitnessgeräten helfen soll. Hätte ich das in Deutschland gemacht? – NIEMALS!!!). Dazu muss man entweder enorm naiv sein, nie die Nachrichten gesehen haben oder eben ein sehr gutes Bauchgefühl haben.

 

 

 

 

Wie meinte Mirella so schön in ihrem Buch „Kann man mal machen„- Es ist entweder ein „hell yeah“ oder ein „oh god, no“.

Fangt wieder an auf diese kleine Stimme in euch zu hören. Wenn ihr ihr wieder mehr Beachtung schenkt wird sie mit der Zeit immer lauter werden und wird euch Mut geben, um Dinge anzugehen, über die ihr schon eine Weile nachgedacht aber nie eine Entscheidung getroffen habt.

 

 

 

Meditation

 

Da rollen sie wieder alle mit den Augen wegen meinem Esoterikkram. Aber Meditation muss nicht das im Schneidersitz sitzende an nichts denken sein. Meditation soll einfach nur ein Ausgleich für Stress im Leben sein. Etwas das einen erdet, das einen runter holt und etwas das einem im besten Fall sogar noch Energie zurück gibt.

 

 

 

 

Mein meditativer Ort ist das Meer. Ich sitze dort und bin sofort im hier und jetzt. Es gibt an diesem Ort nichts schlechtes in der Welt. Alles ist perfekt und wunderschön. Ich kann meine Akkus wieder aufladen.

Jeder braucht so etwas. Einige malen, die anderen häkeln ;-), wieder andere backen.

Wir alle benötigen meditative Orte oder Rituale um mit dem Stress des Alltags klar zu kommen.

 

 

 

Dankbarkeit

 

Ich hatte in meinem Leben bisher alles. 2 liebende Eltern, Gesundheit,  eine handvoll treuer Freunde, immer genug Geld um mir nie Gedanken im Supermarkt machen zu müssen und immer ein Dach über dem Kopf.

Dennoch kann ich nicht behaupten, dass ich jemals übermäßig dankbar dafür war oder all das Wert geschätzt hätte.

 

 

 

 

Aber seitdem ich auf Reisen bin, empfinde ich immer öfter diese ganz tiefe Dankbarkeit. Das ist so ein bisschen wie ein Zen Gefühl für mich. Ich werde dann innerlich ganz ruhig, ein Lächeln legt sich auf meine Lippen und ich fühle mich so unendlich Dankbar. Ich bin gesund, ich habe Menschen die mir den Rücken stärken, ich habe die Chance die ganze Schönheit dieser Welt zu entdecken.

 

 

 

 

Viele schreiben ja auch ein Dankbarkeitstagebuch. Vielleicht ist das ein Weg sich den guten Dingen im eigenen Leben wieder bewusst zu werden. Vielleicht nimmst du dir aber einfach nur mal 5 Minuten Zeit (wo wir wieder beim Thema wären) und denkst darüber nach warum du ein gutes Leben hast und für was du darin alles Dankbar bist.

 

 

 

 

 

Was ich auch gelernt habe ist, dass Menschen in armen Lädern tendenziell alle viel Glücklicher und Dankbarer sind. Vielleicht auch etwas was uns reichen Menschen abtrainiert wurde. Was wir vergessen. Was wir als selbstverständlich hinnehmen.

Wir sollten uns viel öfter ein Beispiel an Menschen in den armen Ländern nehmen. Sie wissen noch worauf es wirklich im Leben ankommt – Gesundheit, Familie, Liebe und sind dafür dankbar und wollen nicht immer mehr, höher, schneller, weiter.

 

 

 

Wunder

 

Ich glaube wieder an Wunder. Ich glaube wieder daran, dass alles möglich ist. Waren wir nicht als Kinder alle so? Haben wir nicht daran geglaubt, dass wir alles sein können? Das alles möglich ist?! Warum haben wir aufgehört damit?

 

 

 

 

 

Ich bin jetzt (noch) nicht total abgedreht und glaube an sprechende Hüte und fliegende Züge (zu viel Harry Potter geguckt in letzter Zeit).

Aber ich glaube daran, dass so viele wundervolle Dinge passieren können, wenn wir uns nicht dagegen sperren. Wenn wir die Augen offen halten für die Wunder dieser Welt und sei es nun die Sonne die jeden Tag aufs neue wieder aufgeht oder der Samen der sich zu einem neuen Leben entwickelt.

 

 

 

Macht die Augen auf und seht sie, all die Wunder um euch herum!

 

Tiere

 

Das ich eine irre Tierfrau bin, wissen ja viele vielleicht aber ich fühle mich immer mehr wie Aschenputtel, in der Szene wo sie von den Tieren des Waldes eingekleidet wird.

Ich habe ganz oft das Gefühl, dass ich eine Verbindung zu einem Tier aufbauen kann. Das klappt natürlich auch nicht bei jedem Tier und ist auch nicht etwas was ich irgendwie bewusst anstrebe aber ganz viele Tiere haben einfach keine Angst vor mir. Ich glaube sie spüren, dass ich ihnen wohl gesonnen bin.

Ich hatte zb. in meinem Hostel in Paihia diese Begegnung mit einem Spatz. Er kam jeden Tag durch unsere großen Fenster in die Küche geflogen um dort Krümel vom Boden aufzusammeln. Einen Tag saß ich im Wohnzimmer (einem Raum weiter) auf der Couch, als der Spatz auf einmal reingeflogen kam, sich neben meinen Kopf auf die Couchlehne setzte und mich einfach nur anschaute. Ich hatte das Gefühl als wenn ich eine spirituelle Verbindung zu ihm gehabt hätte. Ein Moment innerer Ruhe und vollkommener Schönheit.

 

 

 

 

 

Oder mein Lieblingsalpaka Ashley. Während alle anderen Alpakas eine Weile brauchten um mit mir warm zu werden, kam er einfach an und kuschelte sich vom ersten Moment an mich. Meine Gastfamilie erzählte mir, dass er so zutraulich noch nie bei jemandem zuvor gewesen wäre.

 

 

 

 

 

Wie sie mich jetzt alle wieder für verrückt halten. Aber tut das ruhig. Ich spüre eine tiefe Verbindung zu Tieren und das ist etwas was mich sehr glücklich macht, denn „face the fact“: Tiere sind so viel mehr Wert als Menschen, da sie keine der Todsünden anerlernt bekommen haben. Bist du gut zu ihnen, sind sie gut zu dir.

 

 

Bewusstsein

 

Wir alle müssen wieder mehr Bewusstsein entwickeln. Bewusstsein für uns und unsere Umwelt. Bewusstsein für den Augenblick.

 

 

 

 

 

 

Das Wort Selbstbewusstsein war für mich früher immer nur ein Wort. Etwas das ich damals verneint hätte. Ich habe kein Selbstbewusstsein. Bis mal irgendjemand dieses Wort ganz einfach aufgedröselt hat. Sich selbst bewusst sein. Und das kann ich inzwischen ganz klar mit ja beantworten. Ich bin mir selbst bewusst.

Ich weiß wer ich bin. Welche Entscheidungen ich treffe und wie diese sich auswirken.

 

 

 

 

 

 

Ich beschäftige mich mit mir selbst und versuche jeden Tag die beste Version von mir selbst zu sein und jeden Tag an mir zu arbeiten.

Selbstbewusstsein hat somit nichts damit zu tun ob du intro- oder extrovertiert bist, sondern eher damit ob du dir bewusst bist wer du bist und was du machst.

 

 

 

 

Aber nun gibt es ja nicht nur uns auf diesem Planeten (es wäre im übrigen so viel besser wenn es uns nicht mehr auf diesem Planeten gäbe, aber das ist ein anderes Thema) sondern auch unsere Umwelt und für die müssen wir auch wieder mehr Bewusstsein entwickeln.

 

 

 

 

 

Und ich weiß nicht ob es daran liegt, dass ich mich so viel mit dem Thema beschäftige und mich folglich in den sozialen Medien fast ausschließlich mit solchen Menschen umgebe aber ich habe das Gefühl als wenn immer mehr Menschen wieder Bewusstsein für unsere Umwelt entwicklen. Das immer mehr Menschen bewusst wird, dass wir diesen Planeten seit Jahrzehnten ausbeuten (Verrückt eigentlich, dass wir ihn erst seit Jahrzehnten so richtig hart ausbeuten obwohl es die Menschheit schon seit ein paar Jahrtausenden gibt). Ich finde das ist ein großartiger Trend. Ich bin zwar der Meinung, dass das alles schon zu spät ist. Aber deshalb müssen wir ja trotzdem nicht alles hinwerfen und die Ausbeutersau (ich möchte mich bei allen Schweinen entschuldigen, dass ich ihren Namen für eine Beleidigung verunglimpfe) raus lassen, sondern können für uns und unseren Planeten ein bewusstes Leben leben.

 

 

 

 

 

Wie sagt Aljoscha von vegan ist ungesund immer – „jeder Kauf ist ein Stimmzettel“. Ich kaufe Fleisch, dann muss mir auch bewusst sein, dass ich damit Grausamkeit, Massenmord und vor allem ganz viel Ressourcenverschwendung unterstütze. Oder ich kaufe die Packung Pralinen, wo jede einzelne Praline einzeln in Plastik eingewickelt ist, dann muss mir auch bewusst sein, dass dieses Plastik für immer auf diesem Planeten sein wird. Es wird nie weg gehen. Nie verrotten. Es verschmutzt die Natur für immer, nur damit ich ein 5 minütiges Vergnügen mit den Pralinen hatte, obwohl ich auch einfach eine in Papier verpackte Tafel Schoki hätte essen können.

 

 

 

 

Wir müssen uns einfach wieder bewusst machen, dass jede Entscheidung die wir treffen, einen großen Rattenschwanz mit sich zieht. Das müssen wir immer im Hinterkopf behalten, wenn wir uns für oder gegen etwas entscheiden.

Wir müssen wieder lernen ganz bewusst im Hier und Jetzt, im Moment zu leben. Kein Denken an später oder vorher. Sondern die volle Aufmerksamkeit im Jetzt.

 

 

 

 

 

Jetzt nehme ich mir Zeit um am Meer zu sitzen und es zu genießen, jetzt nehme ich mir Zeit um einem Film meine volle Aufmerksamkeit zu schenken, jetzt nehme ich mir Zeit zum bewussten reuelosem Faulenzen, jetzt nehme ich mir Zeit für die Familie und lasse mich nicht von meinem Handy oder anderen Dingen davon ablenken.

Und damit schließt sich auch der Kreis zur Zeit wieder.

 

 

 

 

Auch wenn mir noch tausend andere Punkte einfallen, soll es das an dieser Stelle erst mal mit dem spirituellen Livecoach Ted Talk gewesen sein.

Denn auch ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und muss noch viel lernen.

 

 

 

 

 

Wo bin ich genauso schlau wie vorher

 

Ich wurde letztes von einer guten Freundin gefragt “ Juli, wie soll es nach dem Reisen weiter gehen? Was machst du wenn du wieder nach Deutschland gehst?“

 

 

 

 

Mir hatte bisher noch niemand die Frage so direkt gestellt, was mich eigentlich im Nachhinein wundert aber sie schwebte immer in meinem Hinterkopf mit – und die ganz klare Antwort darauf – Ich bin planlos. Allerdings eine positive Art von planlos, denn ich habe gelernt, dass es immer irgendwie weiter geht im Leben. Wenn sich eine Tür schließt, dann öffnet sich eine andere. Ich brauche nicht viel zum Leben. Ich bin mit wenigen Dingen zufrieden und sogar glücklicher dadurch, dass ich nur wenig materielle Dinge besitze. Reisen ist teuer und funktioniert nicht ohne Geld, dessen bin ich mir bewusst, deshalb gehe ich ja auch immer arbeiten. Aber ich gehe halt nur so lange arbeiten bis es zum weiter reisen reicht.

 

 

 

 

 

Ich kann mir momentan auch nicht vorstellen, dass sich das jemals wieder ändern wird. Das ich jemals wieder einen festen Langzeitjob annehmen werde weil das für mich eine Art von „Freiheitsberaubung“ ist und alles was ich habe ist meine Freiheit und die gebe ich nicht wieder auf.

Soll heißen – ich habe keine Ahnung wo ich in 5 Jahren sein werde, ach was sag ich, ich weiß nicht mal wo ich in einem Jahr stehen werde (wobei ich da eine leise Vorahnung habe :-D) aber ich weiß, dass ich Frei sein werde. Das ich mein Leben außerhalb von Konventionen leben werde. Das ich die beste Version von mir selbst sein werde und das ich glücklich sein werde. Und das ist eigentlich alles was am Ende zählt.

 

 

 

 

„Karriere“

 

Ich schreibe diese Zeilen hier gerade in einem Moment wo ich völlig stoked bin. Ich habe das erste richtige Geld mit meinen Fotos verdient. Eine Immobilienmaklerin aus Auckland hat wirklich Geld für meine Fotos bezahlt. Ich glaube das ist einer der stolzesten Momente meines Lebens. Der Blick auf die Überweisung – ein unbeschreibliches Gefühl.

 

 

 

 

 

Und auch sonst hat die Reise meiner „Karriere“ wirklich gut getan. Ich habe so viel positives Feedback für meine Fotos bekommen. Habe großartige andere Fotografen kennen gelernt. Meine Fotos wurden bei Instagram und Facebook diverse Male repostet mit tausenden von Likes. Ich habe Kooperationen mit Tourcompanies und Busunternehmen gehabt. Einfach unglaublich was mir meine Zeit auf Reisen bisher an Anerkennung gebracht hat. In Deutschland hat sich nie jemand für mich interessiert und auf einmal mögen Leute was ich mache. Stolz!

 

 

 

 

Cons des Dauerreisens

 

 

 

 

 

Habe ich Heimweh? Grundsätzlich nicht (nur wenn ich krank bin). Das heißt aber nicht, dass ich nicht Dinge höllisch vermisse. Ganz profane Dinge wie BROT! Ja lacht ruhig aber so ist es. Jeder Langzeitreisende außerhalb von Europa vermisst ordentliches Brot. Ich vermisse meine Eltern. Meine besten Freunde. Meine Fellfamilie. Ich vermisse Konzerte. Wieder mal ordentlich Party machen in Leipzigs Clubs. Ich vermisse einiges aber die Kosten / Nutzen Rechnung wird am Ende immer das Reisen gewinnen, denn das gibt mir etwas was mir Deutschland nicht geben kann – Freiheit!

 

 

 

 

 

Es gibt auf Reisen viele Dinge die nerven. Sein Zimmer immer mit Fremden teilen zu müssen. Scheiß Jobs machen zu müssen für wenig Geld. Sich nie richtig ausbreiten zu können. Immernoch bei englischen Gesprächen zu struggeln weil man nicht die richtigen Worte weiß oder findet. Immer allein auf sich gestellt zu sein, egal wie schlecht es einem gesundheitlich geht. Neue Freunde wieder gehen lassen zu müssen, die vielleicht die Liebe des Lebens gewesen wären. Wenn es deinen Lieben in Deutschland nicht gut geht oder etwas schlimmes passiert und du nicht da sein kannst um jemanden in den Arm zu nehmen.

 

 

 

 

 

So viele Dinge auf Reisen sind scheiße aber auch diese Dinge sind nur ein einzelnes Sandkorn an einem  Strand von Dingen die mir das Reisen schenkt.

 

 

 

Pros des Reisens

 

Wo soll ich da nur anfangen?!

Ich habe letztens ein Gespräch von zwei 18 jährigen Mädchen belauscht, die am Ende ihrer Reise standen. Ihr Fazit war „wir haben so viel Scheiße selbst geregelt, was soll uns da in Deutschland noch passieren“ Und ja, so ist es. Die jungen Leute kümmern sich zum ersten Mal in ihrem Leben ganz allein um Konto Eröffnungen, Auto Versicherungen oder die Jobsuche. Dinge die sie in der Schule nicht gelernt haben und die sie beim Reisen weitestgehend ohne elterliche Hilfe schaffen müssen. Reisen macht somit selbstständiger.

 

 

 

 

 

Aber auch ich alter Hase werde mit jedem Tag ein Stück selbstständiger, da ich ständig neue Dinge lerne. In meinem alten Leben hätte ich niemals gelernt wie man Wein ernetet, wie man Alpakas scherrt, wie man an einem Imbiss arbeitet, wie man Krankenhausecken an Hotelbetten macht. Muss man das alles können? Vermutlich nicht aber sein ganzes Leben dazu zu lernen ist verdammt wichtig.

Über die ganze Freiheit, Dankbarkeit, innere Ruhe und Glücksache, die mir das Reisen gibt, müssen wir nicht weiter reden, das habe ich schon genug ausgeschlachtet.

 

 

 

 

 

 

Eine wichtige Sache die vor allem mir das Reisen gibt, ich muss mich auf fremde Menschen einlassen. Ich, der extrovertierte Misanthrop muss jeden Tag, jede Woche neue Menschen kennen lernen. Eine Sache der ich in meinem alten Leben immer aus dem Weg gegangen wäre. Viele dieser Begegnungen lösen nichts in mir aus aber durch einige lerne ich neue Dinge dazu oder bekomme sogar einen neuen Freund fürs Leben oder zumindest für eine gewisse Zeit.

 

 

 

 

 

Ich sehe die schönsten Dinge dieser Welt mit meinen eigenen Augen und nicht nur durch Instagram Fotos. Und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schön sie ist – unsere Erde. Manchmal so schön, dass ich anfange zu weinen. Vor Bewunderung, vor Überwältigung und manchmal auch vor Angst, dass all diese Schönheit durch uns zerstört wird.

Reisen öffnet einem die Augen für all die wichtigen Dinge des Lebens.

 

 

 

 

Ich bin sogar so weit zu sagen, wenn du nicht gereist bist, dann hast du nicht richtig gelebt!

Und mit Reisen meine ich nicht den 2 Wochen all inklusive Urlaub sondern etwas dass von dir Mut erfordert. Mut aus deiner Komfort Zone heraus zu kommen.

Wie schon Kurt Tucholsky sagte „Die größte Sehenwürdigkeit, die es gibt, ist die Welt. Sieh sie dir an!“

 

 

 

 

 

Zukunftspläne

Leben ist das was passiert während du Pläne machst, oder wie ging dieser Spruch?!

 

 

 

 

Ich war ein großer Planungsmensch und so ganz kann man das wohl nie ablegen, deshalb gibt es eine grobe Idee wie es weiter geht. Allerdings mit allen Optionen in andere Richtungen.

Ich werde euch auf dem Laufenden halten wie es mit mir, dem kleinen Hippiemädchen weiter geht.

 

 

Fazit

 

 

 

Ich habe all meinen Mut zusammen genommen, auf mein Bauchgefühl gehört und die für mich richtige Entscheidung getroffen.

Es ist nicht immer leicht, ich verzweifle ab und zu mal, vor allem wenn es mir gesundheitlich nicht gut geht oder wenn mir das fade Essen hier mal wieder zum Hals heraus hängt aber dennoch kann ich mit vollster Überzeigung sagen: „Ich habe meine Entscheidung, alles hinter mir zu lassen und los zu reisen, keine Sekunde lang bereut“

Ich bin zu einem besseren, gebildeterem, offenerem, ruhigerem und glücklicherem Menschen geworden und das ist alles was ich erreichen wollte.

Ich blicke mit Stolz, Dankbarkeit und glücklichen Erinnerungen hinter mich und mit Zuversicht, Vorfreude und Ruhe in meine Zukunft.

„Am Ende wird alles gut und ist es nicht gut, ist es verdammt nochmal nicht das Ende – NEIN!“ (Casper)

 



2 thoughts on “Mein erstes Jahr als arbeitsloser Obdachloser – ein Resümee”

  • Wow das ist sooo schön geschrieben! Wenn ich das lese vermisse ich das Reisen wieder so sehr. Ich hoffe deine Reise wird auch weiterhin so schön!

    • Dankeschön liebe Helena für deine netten Worte 🤗 Du hast noch dein ganzes Leben vor dir zum Reisen. Jetzt steht dir erst mal eine andere aufregende Zeit bevor 🤘

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