Nachtzug Budapest (Ungarn) nach Sibiu (Rumänien)

Nachtzug Budapest (Ungarn) nach Sibiu (Rumänien)

Ich habe ja schon viele Zugreisen unternommen und auch durchaus außergewöhnlichere aber das hat allem die Krone aufgesetzt. Das bisher größte Abenteuer meines Lebens! Eine Fahrt im Schlafwagen nach Rumänien.

Vorwort

Der ursprüngliche Plan sah vor von Budapest knapp 7 h nach Timisoara (Rumänien) zu fahren und dort eine Nacht zu verbringen und dann am nächsten Tag knapp 7 h nach Sibiu weiter zu fahren. Mein gebuchtes Hostel lag eine dreiviertel Stunde vom Bahnhof entfernt und die Zugfahrzeiten waren nicht wirklich optimal. Irgendwie fühlte sich das so nicht  richtig an. Ich hatte dann auch schon einen Bus reserviert (unverbindlich) der ein bisschen schneller war und bessere Zeiten hatte aber nein, irgendwie habe ich auch das nicht gefühlt. Gerade auf Reisen vertraue ich absolut meinem Bauchgefühl. Deshalb suchte ich nach weiteren Möglichkeiten und stieß auf den Nachtzug. Aber nachts nach Rumänien allein als Frau. Hm, auch irgendwie nicht so das Wahre. Aber dann fand ich einen Blogpost von einem jungen Mann der ebenfalls diese Tour gemacht hatte und ein Schlafabteil gebucht hatte. Das klang doch gar nicht so schlecht.

Infos

Deshalb fragte ich bei meiner Ankunft in Budapest gleich am Bahnhof nach welche Möglichkeiten es gab. Die Dame am Schalter sprach gut englisch und bot mir als allein reisender Frau eine 2 Bett oder 3 Bett Kabine an die nur für Frauen ist. Das klang doch gut. Die Reservierung für die 2 Bett Kabine 43€, die fürs 3 Bett 28€. Ohne interrail Ticket wären dazu noch mal um die 50€ eigentliches Zugticket gekommen ( ich hab teilweise im Internet noch mehr gelesen). Ich nahm aus Kostengründdn die 3 Bett Kabine. Die Nacht mit 2 anderen Frauen im Abteil zu verbringen würde schon klar gehen. Wie ich später im Internet las, gibt es noch sogenannte Couchettes mit 4 oder 6 Betten. Diese sind aber nicht nach Männlein und Weiblein getrennt und sind auch nicht so sicher. Die Schlafwagen haben nämlich alle einen eigenen Schaffner und die Kabinen können abgeschlossen werden. Vom Schaffner auch von außen möglich.
Die Fahrt dauert insgesamt ca. 10,5 h von 19:10 bis 6:35 (theoretisch, falls es keine Verspätungen gibt die üblich sind).

Gefühle vorher

Ich war nervös. Verdammt nervös. Alleine nach Rumänien ist ja schon aufregend genug und dann noch über Nacht in einem Zug. Und gerade ich, die in fremden Ländern grundsätzlich vermeidet allein im Dunkeln unterwegs zu sein. Und was mache ich, wenn ich nervös vor etwas bin. Ich suche Infos. Also las ich sämtliche Blogbeiträge, TripAdvisor Meinungen und guckte sogar schlecht gemachte YouTube Videos von Leuten, die das schon gemacht hatten, nur um einfach mehr darüber im Vorfeld zu erfahren.

Bahnhof Keleti

Der Bahnhof Keleti (Westbahnhof) ist genauso wunderschön und alt wie der Nyugati Bahnhof(Ostbahnhof).

 

 

Super schick alt und irgendwie vornehm mit einem großen Hauch Vergangenheit.

 

 

Ich hatte es mir innen allerdings größer vorgestellt also mit Geschäften und so aber es gab nur kleine Imbiss Stände und ich hatte nicht mal mehr genug Forint um mir einen Gang zur Toilette zu leisten.

 

 

Erste Berührung

Merkwürdig wie ich nun mal bin war ich schon 2,5 eher da. Weil ich einfach keine Ruhe hatte und so konnte ich schon am Bahnhof sitzen und ein paar Fotos machen und alles abchecken.

Und auf die große Anzeigentafel gucken. Mein Zug war eine halbe Stunde vor Abfahrt immer noch ohne Gleis während bei allen anderen darunter und darüber schon das Gleis dran stand. Ich wurde nervöser.

 

 

Endlich stand mein Gleis dran – Nr. 6. Ich fand auch schnell meinen Wagon aber als ich dem Schaffner meine Reservierung entgegenstreckte, schickte er mich zu einem anderen Wagon, wo ich einen anderen fragte der mich wieder zurück schickte. Ich fühlte mich dezent verarscht. Auch als der Schaffner im Zug mein Interrail Ticket einsammelte und meinte, dass ich es erst in Sibiu zurück bekomme, wurde ich etwas unruhig.

 

 

Wie ich schon auf YouTube gesehen hatte ist der Zug so richtig oll. Sowjetstyle innen noch mehr wie außen. Und eng war es. Ich kämpfte mich mit Mühe und Not durch die Gänge auf der Suche nach meiner 3 Bett Kabine.

 

 

Zu meiner Überraschung gab es nur 2 Betten darin. Ich guckte mir erst mal alles genau an und alles sah aus wie ich schon im Video gesehen hatte.

 

 

Ich liebe ja tiny Houses und wohnen im umgebauten Van und all solche Sachen also maximale Platzausnutzung auf kleinstem Raum. Das ist irgendwie so eine Leidenschaft von mir und irgendwann möchte ich auch mal so leben. Deshalb finde ich auch immer toll mal testweise in sowas zu wohnen (in einer Schiffs Koje habe ich zb. auch schon geschlafen) und mir anzugucken wie der Platz bestmöglich genutzt wurde.

Eine Seite mit den Betten. Auf der anderen so etwas wie ein Schrank mit Bügeln und Fächern. Daneben eine Leiter um auch in das obere Bett zu kommen. (Ich hatte zum Glück schon beim Buchen das untere zugewiesen bekommen. Danke liebe Bahnfrau, denn gefragt hatte ich nicht explizit danach)

 

 

Dann gibt es da noch das Tischchen, welches, wenn man es hoch klappt zum Waschbecken wird und darüber ein aufklappbarer Spiegelschrank in dem eine Flasche Wasser und etwas Eingepacktes steht (wie sich später herausstellte – ein Set mit Seife, Zahnbürste, einer Art Handtuch, einem Schuhputztuch und einem Erfrischungstuch – nicht übel!).

 

 

 

Alles war nur einmal da. Meine Hoffnung wurde immer größer, dass ich die Kabine für mich allein haben würde – war am Ende auch so.

Dann schaute ich mir die Dusche an. Sah jetzt gar nicht so schlecht aus.

 

 

Dann kam die Toilette. Es gibt 2 davon im Wagon. Und oh nein – nicht schön. Gar nicht schön. Da sah selbst das Klo in Sri Lanka im Zug ordentlicher aus und das obwohl der Zug ja erst in Budapest los gefahren ist und man doch denken könnte, dass die hier mal feucht durchfeudeln bevor die wieder neue Leute einladen aber nein scheinbar nicht. Hoffentlich muss ich nicht so häufig. Ich hab auch schon mal kurz überlegt ob ich mein Waschbecken … aber ähm nein.

 

 

Fragwürdig fand ich auch, dass es ganze 3 Schlösser an der Tür gibt. Wo fahre ich da gerade hin?!

 

 

Was es alles nicht gibt

  • WLAN – natürlich gibt es in einem sowjetischen Zug nach Rumänien kein WLAN.
  • Steckdosen – brauchte man zu Sowjetzeiten im Zug auch noch nicht (obwohl doch es gibt eine im Spiegelschrank aber weiß nicht ob die mit normalen Steckern kompatibel ist)
  • Wärme – es gibt eine Klimaanlage. Die kann man selbst einstellen allerdings gibt es nur die Varianten Gefriertruhe oder Kühlschrank.

 

 

  • Licht – es gibt eine große Lampe und eine kleine, so ist es nicht aber die sind über dem oberen Bett angebracht also bekommt man im unteren kein Licht ab.
  • Guten Geruch – der Zug ist mindestens 40 Jahre alt und hat schon tausende Schweißfüße im Laufe der Zeit gesehen. Da ist es nicht verwunderlich, dass immer so ein muffiger Geruch durchs Zimmer schwebt.

Meine Tipps

  • ladet euch schon vorher ein Buch auf den eBook Reader, denn für ein richtiges Buch ist es zumindest im unteren Bett zu dunkel
  • wenn ihr ganz fancy drauf seid, dann ladet ihr euch sogar schon ein paar Folgen eurer Lieblingsserie bei Netflix oder Amazon Prime runter
  • und damit ihr ohne vernünftige Steckdose auch genug Saft habt um zum lesen oder Serie zu gucken, solltet ihr euer externes Ladegerät voll beladen haben
  • habt eine Strickjacke und ein Tuch griffbereit um euch gegen die Kälte zu wehren
  • nehmt euch Desinfektionslotion mit und Babytücher, denn nach dem Toilettengang möchte man sich in Desinfektion baden
  • Oropax – wenn ihr wie ich als Nachbarn zwei sich betrinkende Partyrussen habt und euch die Zuggeräusche nachts stören, braucht ihr die Dinger.
  • gegen den muffigen Geruch habe ich mir etwas von meiner ayurvedischen Creme aus Sri Lanka unter die Nase geschmiert. Es gibt aber auch diese Erkältungsriechröhrchen die hier ganz hilfreich sind, denn ich persönlich reagiere sehr stark auf schlechte Gerüche und kann dann auf nichts anderes konzentrieren.
  •  Snacks und Getränke – es wird zwar netterweise eine Flasche Wasser bereit gestellt aber 11 h ist eine lange Zeit also habt noch mehr im petto. Ich habe auch gelesen, dass die das Essen im Speisewagen nach Rumänien sogar noch frisch kochen sollen. Da ich aber keine Lust habe durch den Zug zu schlendern oder extra Geld auszugeben, habe ich mich bei dm schon mit Snacks und Leckerlis und Getränken eingedeckt und war vor meiner Abfahrt noch Burger essen.

 

Fahrt bis zur rumänischen Grenze

Es lag eigentlich Gewitterstimmung und dunkle Wolken in der Luft.

 

 

Aber dann ließ sich die untergehende Sonne doch noch mal blicken und begleitete uns ein Stück.

 

 

Die Felder wurden in goldenes Licht getaucht. Sonnenblumen so weit das Auge reichte. Hier lief ein Storch und suchte nach seinem Abendessen. Ein paar Meter weiter rannte ein Hase übers Feld. Und ich saß da am Fenster, während die Welt an mir vorbei zog und mir kamen die Tränen. Tränen der Dankbarkeit. Ich war unendlich dankbar, dass bisher alles so gut geklappt hatte. Das ich bei so vielen Dingen Glück hatte. Das ist also dieses Leben – dieses neue. Das in dem man einfach nur glücklich sein kann.

 

 

Die Nacht

 

 

Gegen viertel 11 dann schon die Passkontrolle. Ich hatte zum Glück schon im Netz gelesen, dass es an der Grenze zu Rumänien eine Passkontrolle geben würde, allerdings hatte ich erst gegen 12 damit gerechnet und war umso verwunderter als schon so zeitig an meine Tür geklopft wurde. Der ungarische Grenzbeamte war sehr nett und redete sogar auf deutsch mit mir.

Dann ruckelte es ein paar mal heftig weil die Lok getauscht wurde.

Das ganze Prozedere dauerte planmäßige 40 Minuten

Dann nach ein paar Minuten Fahrzeit ein weiterer Stopp. Alles so aufregend. Eigentlich bin ich müde aber ich weiß nicht ob noch mal rumänische Grenzbeamte durch den Zug kommen oder ob es normal ist, dass wir so lange stehen. Abschalten kann ich hier jedenfalls nicht.

Nach 20 Minuten warten die rumänische Passkontrolle. Weniger nett. Ist jetzt alles überstanden? Kann es weiter gehen?

Nein, kann es nicht. Als ich nochmal zur Toilette gehe stelle ich fest, dass der Sitzplatz Wagen, der vorher noch an unserem Schlafwagen dran war, auf einmal verschwunden ist und an dessen Stelle scheinbar die Lok gerutscht ist.  Deshalb hat es vorhin so arg geruckelt.
Nach fast einer Stunde geht es endlich weiter. Kann ich jetzt endlich schlafen?

Fahrt in Rumänien und Ankunft in Sibiu

Ich konnte schlafen, sehr gut sogar, bis ich vom Klopfen des Schaffners geweckt wurde, der mir mein Ticket zurück gab. 5:20 Uhr.

 

 

Noch völlig benommen, guckte aus dem Fenster und dachte, dass die Gegend ja schon ganz schön städtisch aussieht. Ich hatte ein komisches Gefühl und schaute auf meine offline map und tatsächlich, wir fuhren gerade in Sibiu ein. Ich konnte gerade noch rechtzeitig meine ganzen Sachen zusammen packen. Toilette oder Zähne putzen Fehlanzeige. Ich sprang mit meinem Kram aus dem Zug und war etwas unsanft und viel zu früh in Rumänien gelandet.

 

 

Es ist doch aber erst 5:30. Warum ist dieser verdammte Zug eine Stunde zu früh. Darf das sein?

Der Bahnhof war okay. Keine Schönheit aber okay. Ich suchte erst mal einen Geld Automaten und ging dann zum Ticketschalter und kaufte eine Sitzplatz Reservierung für 85 Cent.

Vorm Bahnhof, nun ja – es sah rumänisch aus. Bei der Treppe zum Bahnhof fehlten einige Stufen. Es lugerten fragwürdige Typen herum. Ich schaute kurz auf meine offline map und machte mich dann auf den Weg zum Hostel. Dort konnte ich zumindest meinen Koffer unterstellen und kurz die Toilette benutzen. Einchecken konnte ich früh um 6 natürlich noch nicht.

Ich lief ein wenig durch die leere Stadt bis ich mich auf den großen Marktplatz setzte und auf die Turmuhr schaute und aus allen Wolken fiel. Eine Stunde später als auf meiner Uhr. Es gibt Zeitverschiebung in Rumänien. Ich war auf alles vorbereitet und hatte alles gelesen aber die Zeitverschiebung tauchte nirgends auf.

Gefühle nachher

Was ich wieder für ein Glück hatte, dass ich das klopfen des Schaffners gehört habe und rechtzeitig meinen Kram packen konnte.

Auch sehr glücklich war ich, dass ich das Abteil ganz für mich allein hatte und so gut schlafen konnte.

Wie es hier in Rumänien weiter ging, lest ihr dann im nächsten Blogbeitrag.

 

Fazit

Ich kann diese Fahrt nur jedem empfehlen. Man sieht zwar wegen der Uhrzeit nicht allzu viel von der Landschaft aber man kommt bequem und halbwegs ausgeschlafen in Rumänien an. Aber denkt dran – eine Stunde Zeitverschiebung! 

 

 



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