Oamaru – eine Reise in die viktorianische Vergangenheit

Oamaru – eine Reise in die viktorianische Vergangenheit

 

 

Disclaimer: Achtung – es folgt eine Flut an Fotos! Be prepared…

 

 

Mein erster Eindruck von Oamaru hat mich so überwältigt, dass mir fast die Tränen kamen. Die Stadt ist so anders als alles was ich bisher gesehen habe. Es fühlt sich überhaupt zum ersten Mal an wie eine Stadt und nicht nur eine lose Aneinanderreihung von Shops. Es gibt Architektur Highlights aus alten Zeiten (also alt ist hier ab 1860). Dazu gibt es sowas wie ein Nightlife. Das Meer mit Steilküsten und Pinguinen und dazu jede Menge kreativer Shops, Galerien, Designer und Steampunk. Kurzum absolut „my cup of tea“.

 

 

 

Anreise

 

Es war gar nicht so leicht von meiner Alpakafamilie in Timaru (Beitrag hier) weg zu kommen. Zum einen emotional und zum anderen weil mein Bus fast 2 h Verspätung hatte und zwischendrin nicht klar war ob er überhaupt noch kommen würde.

Ken und Julie warteten geduldig mit mir am (Bus-)Bahnhof. In der Zeit hätten sie mich auch schnell ins eine Stunde entfernte Oamaru fahren können aber irgendwann kam der Bus dann doch noch. Er war zwischendrin kaputt gegangen und es musste erst für Ersatz gesorgt werden.

 

Erster Abend

 

Ich hatte auf der Karte gesehen, dass es einen Dominos Pizza in Oamaru gibt. Der war zwar etwas weiter weg von meiner Unterkunft und es war durch die Busverspätung schon reichlich spät aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt an meinem ersten Abend hier eine Pizza zu essen (ich hatte schon lange keine mehr) und mich ans Meer zu setzen (nirgends schmeckt Essen besser als am Meer!!!). Ich musste mich zwar ganz schön beeilen aber ich schaffte es dann noch im Hellen auf die Steilküste und konnte meine Pizza und mein Cider hier genießen während sich der schön Wetter Himmel langsam in die Abenddämmerung verabschiedete.

 

 

 

 

Ich fühlte wieder diese Freiheit und der erste Abend an einem neuen Ort ist für mich immer etwas ganz besonderes und ich freue mich auf die Zeit die da kommen mag.

 

 

Unterkunft

 

Ich arbeite im kleinen feinen Empire Backpackers, genau in der Innenstadt, welches bereits 1867 eröffnet wurde. Ein kleines gemütliches Backpackers/Hotel. Ordentlich in die Jahre gekommen aber das macht ja den Charme auch irgendwie aus. Großartig ist auch die Lage, mitten in der Stadt und zu allem nur wenige Schritte zu laufen aber dabei trotzdem nicht laut.

 

 

 

 

 

Meine Arbeit hier ist mehr oder weniger ein Witz. Bei helpX stand, dass ich täglich 3 h arbeiten würde gegen Unterkunft. Am Ende habe ich aber selten auch nur 2 h gearbeitet und hatte einen Tag in der Woche sogar noch frei und das für ein eigenes Zimmer. Zwar im Keller und eher winzig aber immerhin meine Ruhe.

Die Managerin kommt ursprünglich aus Indien und ist super lieb. Der Besitzer ist ein alter Kiwi, der sich immer nur einmal die Woche mit seinem Hund sehen lässt und dabei immer ein paar Bierchen mitbringt. Außerdem lebt noch ein Dauerbewohner hier im Hostel. Ein komischer Kauz Ende 60. Super lieb aber er kann einem schon einen Knopf an die Backe quatschen in seinem stocksteifen englischem Englisch. Aber irgendwie passt er besonders gut zur Atmosphäre des alten Hotels. Alter leicht angestaubter englischer Chic, der schon mal bessere Zeiten gesehen hat.

 

Viktorianische Stadt

 

Ich liebe die viktorianische Architektur und Oamaru hat ein paar echte Schmuckstücke zu bieten. Allen voran die historische touristische Harbourstreet.

 

 

 

 

 

 

Aber auch auf der Haupteinkaufsstraße gibt es das schöne alte Rathaus, ein paar alte Banken und den schicken alten Pub.

 

 

 

 

 

 

Wenn man hier so lang flaniert, fühlt man sich wie in eine andere Zeit zurück versetzt.

Richtig cool fand ich, dass sich gerade in der Harbourstreet auch so viele Kreative niedergelassen haben. Hier eine Gallery, da ein hipper Shop und um die Ecke eine kleine Bäckerei oder ein Seifenladen. So richtig niedlich alles, wie aus einem schöner wohnen Magazin.

 

 

 

 

 

Hafen und Friendly Bay

 

Der Hafenbereich ist super klein aber auch irgendwie so geil angestaubt mit seinen alten Fischerbooten und den skurrilen Leuten die dort herum laufen.

 

 

 

 

 

 

Es führt ein Pier hinaus, der auf der einen Seite das wild tobende Meer hat und auf der anderen die süße kleine friendly bay mit dem winzigen Sandstrand. Das Wasser ist hier sehr flach, sodass man seine Kinder, gleich neben dem großen Kinderspielplatz, ohne Bedenken zum Baden in die Bucht schicken kann.

 

 

 

 

 

 

 

Farmers Market

 

 

 

 

Jeden Sonntag ist von früh bis ca. 1 Farmers Market neben der Brauerei im Hafenbereich. Eigentlich ein super süßer winzig kleiner Markt, wo es Gemüse, selbst gemachtes oder kleine Snacks gibt aber irgendwie hat der Markt bei mir einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Zum einen weil beide Sonntage, wo ich dort war, das Wetter doof war und zum anderen weil ich gleich am ersten Sonntag hier den unfreundlichsten Kiwi aller Zeiten kennen gelernt habe, über den ich mich jetzt noch aufregen könnte. Er hatte einen kleinen Backstand und bot unter anderem Stolle an (ich war in der Weihnachtszeit in Oamaru), auch mit der Bezeichnung Stolle, wovon ich gern ein Foto machen wollte. Er schrie mich über den ganzen Markt hin an, dass das sein Eigentum sei und ich kein Bild davon machen darf und das ich mein Leben unter Kontrolle bekommen soll und das ich ein schlechter Mensch sei…blabla…Ich hatte trotz einer so großen Lächerlichkeit ordentlich Puls und hatte danach den ganzen Tag schlechte Laune. Gibt sie also doch, die unfreundlichen Kiwis, wobei ich vom Akzent her eher auf einen ausgewanderten aus dem Ostblock tippen würde.

Es gab dort aber hauptsächlich liebe Kiwis und tolle Stände, wie zb den veganen Backstand von der MOA Bakery, mit ihren himmlischen Törtchen und Keksen.

 

 

 

 

 

 

Innenstadt

 

Dafür das Oamaru so winzig klein ist, gibt es richtig viele Geschäfte. Für mich am wichtigsten 5 Op-Shops. Da konnte ich meiner Leidenschaft fürs second hand shopping ordentlich nachgehen, zumal hier auch die Preise noch super niedrig waren, im Vergleich zu den größeren Städten.

 

 

 

 

Es gibt aber auch ein Electrokaufhaus, einen Surfshop, mega hippe Einrichtungsläden und einen Farmers (was so ungefähr mit dem deutschen Karstadt gleich zu setzen ist, nur in viel kleiner natürlich).

 

 

 

 

Die Innenstadt ist jetzt nichts Wildes aber immerhin gibt es ein paar Läden, durch die man bei schlechtem Wetter schlendern kann (was 9 von 14 Tage hier der Fall war).

 

Public Gardens

 

 

 

 

Einer meiner Lieblingsorte in Oamaru ist der Public Gardens. Ein riesen großer Garten mit einem hübschen Rosengarten, Teichen, Vogelvoilieren und was ich am coolsten fand, einem Peter Pan Denkmal (in Dunedin, wo ich danach war, gab es im botanischen Garten sogar 2 Peter Pan Denmäler. Keine Ahnung was das damit auf sich hat aber Petra Pan freut sich natürlich immer sehr wenn sie Peter Pan irgendwo begegnet :-D)

 

 

 

 

 

 

Es gibt im Rosengarten sogar ein kleines Gewächshaus mit tropischen Pflanzen. Und das alles kann man sich ganz kostenfrei angucken. Das begeistert mich jedesmal, dass man so viel umsonst machen kann und einem (teilweise) kostenfrei Hightech Toiletten und kostenlose Wasserspender überall zur Verfügung stehen.

 

 

 

 

 

 

Little Blue Penguins

 

 

 

 

Viele kommen nach Oamaru um sich die kleinen blauen Pinguine anzugucken, wenn diese am Abend aus dem Meer gewatschelt kommen. Man kann dazu am Ende des South Hills zu einem Besucherzentrum mit Tribünen gehen. Allerdings kostet das relativ viel Eintritt und ich hatte blaue Pinguine ja bereits in Australien bei der Penguin Parade und in Timaru gesehen, deshalb guckte ich sie mir hier nicht an. Wenn man aber noch keine gesehen hat, dann würde ich es jeden ans Herz legen, da hier ziemlich viel los sein soll am Abend.

 

 

 

 

 

 

Trotzdem war die Pinguinecke einer meiner Lieblingsaufenthaltsbreiche während des Tages, denn hinter dem Gelände führte ein abgesperrter Wanderweg entlang, wo ich mich, immer wenn schönes Wetter war, auf die Steilküste hinlümmelte und das Meer genoss. Ab und an konnte man von hier auch einen Seehund erspähen.

 

 

 

 

 

Es gibt auch einen Spot neben dem Hafenpier, wo ein paar Pinguinkästen in einem abgesperrten Bereich stehen und wenn man abends lange genug dort wartet und das Meer nicht zu stürmisch ist, dann kann man an dieser Stelle ganz umsonst die kleinen Pingus aus dem Wasser watscheln sehen.

Ich habe es aber in meinen 2 Wochen hier nie geschafft mich um 10 noch mal aus dem Hostel zum Meer zu bewegen bzw. das eine mal wo ich es geschafft habe, war es so stürmisch, dass der kleine Strandabschnitt, wo sie sonst raus kommen, komplett von den Wellen verschluckt wurde.

 

Bushy Beach – yellow eyed penguins

 

 

 

Gelbaugen Pinguine sind die seltensten Pinguine der Welt. Sie sind endemisch in Neuseeland und es gibt weniger als 5000 von ihnen und wie ich erfahren habe, leben in Oamaru ganze 9! Stück davon. Einen zu sehen ist also wie ein 6er im Lotto (also naja so ähnlich ;-))

Ich hatte im Visitor Center nachgefragt wann denn die beste Zeit für die Pinguinsichtung ist und dort wurde mir gesagt zwischen um 7 und halb 8 abends, also einiges eher als die kleinen blauen Pinguine (die sind so ab 10 zu sehen).

Der Weg zum bushy beach sind nur 3 km aber es geht hier lang hoch und dazu gibt es ab ca. der Mitte keinen Fußweg mehr und man muss an der Straße entlang laufen, was jetzt auch nicht so meine Lieblingsbeschäftigung ist aber da die Straße quasi nur zu 5 Häusern und zu dem Strand führt, ist das nicht allzu gefährlich.

 

 

 

 

 

Ich war gegen viertel 7 los gelaufen und hatte unterwegs noch ein paar schöne Fotos von der menschenleeren viktorianischen Harbourstreet an Heiligabend gemacht (siehe Fotos oben).

Kurz nach 7 kam ich dann am Parkplatz an, an dem schon einige Autos standen. Alles bestens ausgeschildert zur Pinguinbesichtigung.

Ich ging ein paar Meter als mir ein Mann mit Warnweste entgegen kam – ein Pinguin Volunteer. Er sagte mir, dass ich besser genau hier stehen bleibe und nach unten zum Strand gucke, denn genau in dem Moment kommt ein Pinguin aus dem Wasser. Ich konnte mein Glück nicht fassen. Ich komme gerade angetrottet als der Pinguin auch angewatschelt kommt. Das ist doch eindeutig mein Weihnachtsgeschenk. Und dann noch mit dem Hintergrund, dass es nur so wenig davon gibt. Ich hätte den Volunteer knutschen können, denn ohne ihn wäre ich zur offiziellen Plattform weiter gelaufen und hätte die 3 Minuten Pinguinsichtung verpasst.

Er kam elegant wie ein Bondgirl aus dem Wasser, watschelte über den Strand und ganz behutsam über die Felsen und verschwand dann im Gebüsch. Ich war an dieser Stelle mal wieder sehr dankbar über meine Zoomkamera, denn mit dem Handy hätte man wahrscheinlich nicht mal einen Pinguin auf dem Bild erahnen können, soweit weg war das bis zum Strand runter von der Steilküste.

 

 

 

 

 

 

Danach checkte ich die beiden eigentlichen Viewingplattformen aus, wo sich ca. 10 andere Leute tummelten. Wir warteten noch eine Weile und sahen dann noch einen Pinguin über den Strand watscheln allerdings war es glaube ich der gleiche. 😀

 

 

 

 

 

 

 

Ich wartete noch ca. 45 Minuten aber es tauchte kein weiterer Pinguin auf, deshalb trat ich glücklich und zufrieden den Rückweg an und gönnte mir auf dem Heimweg erst mal ein Bier 🙂

Ein sehr schöner und besonderer Heiligabend würd ich sagen.

 

 

 

 

 

South Hill

Den Bericht von meiner Wanderung auf dem South Hill findest du hier.

 

Steampunk

 

 

 

 

Oamaru wird auch das Steampunk Headquarter genannt. Wer nicht weiß was Steampunk ist, der bemühe mal bitte Google oder schaue beim Wave Gotik Treffen (WGT) in Leipzig vorbei. Meine laienhafte Beschreibung dazu: eine Art Kunstform von Dingen aus der viktorianischen Zeit gepaart mit modernen spacigen Details. Zahnräder, Schweißerbrillen, rostiges Metal. Meine Beschreibung ist selten schlecht. Googelt es einfach!

 

 

 

 

 

 

 

Mir war die Sache jedenfalls vom WGT her nicht neu. Aber alle die sowas noch nie gesehen habe, dürfte das Ganze schon sehr fasziniert haben. In der Stadt fahren auch viele Autos in dem Stil herum. Menschen sind zu besonderen Anlässen so gekleidet und einen Tag habe ich sogar jemanden mit einem Hochrad vorbei fahren sehen. Was das Bild der viktorianischen Stadt dann natürlich perfekt macht.

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt auch ein altes Fabrikgebäude, welches eine Art Steampunk Ausstellung beherbergt. Bei Interesse guckt mal auf book. me, da gibt es den Eintritt oft 50% günstiger.

Ich war aber trotzdem nicht drin. Für den Eintrittspreis kaufe ich mir lieber was zu essen aber schon von außen sah das Gebäude ziemlich cool aus, mit seinen vielen kleinen Details.

 

 

 

 

 

Und auch im Rest der Stadt sind hier und da immermal verrückte angerostete Figuren zu finden.

 

 

 

 

 

Weihnachten in Neuseeland

 

 

 

 

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie merkwürdig das ist. Ich war Weihnachten schon mal in Thailand am Strand. Das war auch schräg aber Neuseeland ist noch schräger, denn grundsätzlich sieht hier ja alles aus wie in Europa und Weihnachten wird wie in Großbritannien gefeiert aber das Wetter passt halt so überhaupt nicht. Es ist auch ein bisschen was geschmückt und die Menschen machen genauso verrücktes Panik-Christmas-Shopping wie in Deutschland aber weihnachtliche Stimmung – Fehlanzeige. Die Tage vor Heiligabend war das Wetter so schlecht. In 3 Wochen hatte ich 3 schön Wettertage und dann wachst du Heiligabend auf und es ist der blauste Himmel den du je gesehen hast und die Sonne strahlt mit dir um die Wette. So gut! Aber noch weniger weihnachtlich geht halt nicht. Trotzdem muss ich sagen, dass ich weder „Weihnachtsheimweh“ habe, noch, dass mir Weihnachten irgendwie fehlt. Es existiert bei mir dieses Jahr halt einfach nicht. Nichts in meinem Körper schreit Weihnachten und darüber bin ich eigentlich ganz froh, denn zum einen wäre es irgendwie doof „Weihnachtsheimweh“ zu haben und zum anderen HALLO?! – an Heiligabend barfuß am Strand – dafür verzichte ich liebend gern auf das Weihnachten, so wie ich es kenne.

 

 

 

Fazit

 

Oamaru ist anders – sehr anders. Man fühlt sich wie in eine andere Zeit zurück versetzt. Und dazu liegt es noch am Meer. Ich habe mich somit sehr wohl hier gefühlt.

Man muss vielleicht keine Nacht hier bleiben (nur wenn man die Pingus abends sehen will) aber ein paar Stunden Zeit sollte man sich in dem kleinen Örtchen auf jeden Fall nehmen wenn man in Neuseeland unterwegs ist.

 

 



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