„Sanur“ – zwischen australischen Rentnern u verfluchten Vergnügungsparks –

„Sanur“ – zwischen australischen Rentnern u verfluchten Vergnügungsparks –

 

 

Der eigentliche Grund, warum ich nach Sanur wollte war, dass hier die Speedboote nach Nusa Lembogan und Nusa Penida ablegen und ich einen Ausflug dort hin machen wollte, aber dazu später mehr.

 

Anreise

 

Thanks god, dass ich lebend hier angekommen bin. Das war ja vielleicht ein schrecklicher Fahrer. Einer dieser Fahrer die ständig Gas geben und wieder bremsen und das im Sekundentakt, sodass der Körper ständig vor und zurück wackelt. Oh wie ich sowas hasse.

Und dann versuchte er immer zu überholen. Am Berg, in Kurven, überall wo man nichts sah. Auf der sunshine Road wurde es dann noch schlimmer. Er gab Gas und zwar wie . Wie eine angesenkte Sau von rechts nach links und die Hand ständig auf der Hupe. Ich erinnerte mich an die Sicherheitsvorkehrungen für Flugzeugabstürze, vielleicht würde das auch bei Auto Unfällen helfen. Immer die Beine fest auf den Boden stellen und dann tat ich was verrücktes –  ich schnallte mich an. In Asien. Anschnallen. So sehr Schiss hatte ich mittlerweile.

Irgendwann meinte er dann, er müsse mal kurz anhalten. Er erzählte was von sich das Gesicht waschen, weil er wenig Schlaf hatte. Äh was?! Attention Mister! „Nimm dir so viel Zeit wie du brauchst aber ich will lebend ankommenden“.

Er hielt mitten am Straßenrand der Schnellstraße und kippte sich seine Wasserflasche über den Kopf. Fitter wirkte er danach trotzdem nicht.

Weit war es zum Glück nicht mehr und so schafften wir es unversehrt nach Sanur. Ich hoffe, er hat es auch unversehrt Heim geschafft.

 

Unterkunft

 

Das Kirana Homestay ist in einer ruhigen Seitenstraße genau neben der Touristenstraße und ca 10 Minuten zu Fuß vom Meer entfernt.

 

 

Für ganze 14€ bekommt man ein super sauberes Zimmer und ein extrem leckeres Frühstück. Die Mutti des Hauses verstand auch gleich, dass ich Veganer bin und kein Ei esse (denn hier ist so ziemlich jedes Frühstück mit Ei) und so bekam ich jeden Morgen eine leckere Portion gebratenen Reis mit Gemüse und einen Teller Obst. Nom Nom!

 

 

 

 

„Mein“ Strandabschnitt

 

 

An der Straße zu „meinem“ Strand lang runter, liegt gleich das deutsche Konsulat. Ob die freie Jobs haben?! Obwohl, gibts in Canggu ein deutsches Konsulat? – Leute, wenn ihr dort freie Jobs habt – ich komme mich gern vorstellen 😀

Gegenüber ist alles voller schicker Instagram Bali Villen. Wunderschöne Türen, hinter denen Badeteiche und Privatpools liegen und das in Spuckweite zum Strand. Ich glaube, wenn ich hier nur 2 normale Wochen Urlaub machen würde, dann würde ich mir diesen Luxus auch mal gönnen, denn das sieht schon verdammt schick aus.

 

 

 

Wenn man dann also an Villen und deutschem Konsulat vorbei ist, dann kommt ein kleiner Parkplatz und dahinter ein ganz wunderbarer leerer ruhiger Strand. Viele bunte Fischerboot, schöner Sand, sanfte Wellen und eine himmlische Ruhe. Ab und an gibt es mal einen Verkaufsstand oder eine Strandbar aber alles völlig im Rahmen und sehr entspannt.

 

 

 

 

Und dann war ich nach fast 3 Wochen in Indonesien (bzw nach 2 Monaten Reisen, in denen ich auch schon am Meer war) auch endlich mal baden. Also so richtig mit schwimmen und so. Tat total gut. Ich liebe es im Wasser zu sein aber mich nervt alles was danach kommt, so sehr, dass ich selten baden gehe. Herum liegen und trocknen, dabei mit so wenig Sand wie möglich in Berührung kommen um nicht allzu gezuckert zu werden. Oder sich kompliziert aus- und umziehen um ja nicht seine Blöße zu präsentieren.

Naja, das Meer war jedenfalls sehr schön und ich kann die rechte Seite des Sanur Strandes jedem der seine Ruhe will nur sehr ans Herz legen und die Bilder sprechen für sich, denke ich.

 

 

 

 

Der australische Rentner Strandabschnitt

Wer aber mehr Bock auf australische Renter hat, die ihre Socken bis zum Anschlag hochziehen und dabei Flip Flops tragen, der ist auf der linken Seite besser aufgehoben.

 

 

Es gibt dort unzählige Bars und Restaurants aber keine dieser entspannten oder stylishen, sondern mehr so Stock im A**** und/oder extrem teuer.

Und auch generell haben die Leute dort alle bissl zu lange in der Sonne gelegen.

Aber dazu gleich mehr.

 

Fahrrad Tour

 

Ich hatte mir an meiner Unterkunft ein Rad für 1,5 € pro Tag ausgeliehen. Was für eine Klapperkiste. Die quietschenden Bremsen ersetzten die kaputte Fahrradklingel und ein beherzter Sprung vom Rad ersetzte die nicht richtig funktionierenden quietschenden Bremsen.

 

 

 

Während in den meisten Orten auf Bali eine Fahrradtour reiner Selbstmord wäre, so ist in Sanur Fahrrad fahren ausdrücklich erwünscht. Es gibt überall Fahrrad Verleih, einen Fahrradweg an der Straße und Hinweisschilder, dass man sich die Strandpromenade teilen soll.

 

 

 

 

Ja, so viel dazu. Die Leute sehen einen mit seinem Rad angeradelt kommen aber gucken einen an wie ein Auto und denken nicht im Traum daran Platz zu machen. Selbst wenn man dann ganz nett „Sorry“ oder „excuse me“ ruft, dann wird man zwar registriert aber dann sind sie mit der Situation wieder so überfordert, dass sie nicht wissen ob sie jetzt nach rechts oder links springen sollen und bleiben einfach stehen. Ich war nur am fluchen über soviel geistige Inkompetenz.

Also ihr merkt schon, Spaß hat das Rad fahren nicht gemacht aber ich kam wenigstens ans Ziel, denn Laufen wäre etwas weit gewesen.

 

 

 

 

Taman Festival Vergnügungspark

 

 

 

 

Taman Festival ist ein Vergnügungspark, der nie so richtig geöffnet hatte. Erbaut 1997, schloss er auf Grund von Absprüngen der Investoren und einem Brand der Lasershowgeräte, 2000 die Pforten für immer.

Funfact: Es gab in dem Park auch einen großen Bereich mit Krokodilen. Da der Park aber völlig überstürzt verlassen wurde, hat man die Krokos einfach dort zurück und ihrem Schicksal überlassen. Und jetzt kommt der witzige Teil – einer „urban legend“ zufolge, sollen einige Menschen die dort durch den Park gestromert sind, nicht wieder zurück gekommen sein.

 

 

 

 

Also wenn das mal nicht nach genau dem richtigen Ort für mich als India Jones, Ronja Räuber Tochter, Petra Pan oder Lara Croft schreit, dann weiß ich auch nicht.

Ich habe übrigens später erfahren, dass eine Tierschutzbehörde 2006 die Krokos dort weg geholt hat. Die waren da 6 Jahre komplett allein. Also das da der ein oder andere Besucherschwund war, kann ich mir vorstellen.

Der Weg dorthin war das reinste unlustigste und stressvollste Abenteuer. Auf meiner Offline Map waren nämlich mehr Straßen eingezeichnet, als eigentlich dort vorhanden waren. Ich habe mich diverse Male verfahren, musste an verstört guckenden Fischern vorbei und wieder zurück und landete mitten in einem Feld. Da ich vom Feld aus schon die eigentliche Straße sah, dachte ich, dass ich doch da jetzt irgendwie querfeldein laufen könnte. Nun ja. Ich musste durch den Vorgarten von ein paar Wellblechhütten, wurde von einem alten Herren völlig entgeistert angestarrt und fiel in ein Reisfeld. Und zu allem Überfluss musste ich dann auch noch ein paar Meter an der Schnellstraße in die falsche Richtung. Was für eine Aufregung!

 

 

 

 

 

Endlich dort angekommen, wurde ich von ein paar netten Parkwächtern begrüßt. Die wollten 10000 IDR Eintritt (60 Cent), was ich absolut nicht schlimm fand (und bereits vorher bei Tripadvisor gelesen hatte), denn dafür hatten sie die Hauptwege gefegt und hätten sicher mal nach mir gesehen, wenn ich verschütt gegangen wäre.

 

 

 

 

 

Und dann lag ein 10 Hektar großer Geisterpark vor mir, der entdeckt werden wollte. Und da war es wieder – dieses Feuer in mir. Dieses „urban explorer“ Gefühl. Ich brannte für dieses Abenteuer. Ich wollte mehr – ich wollte alles. Genau mein Ding. Keine Menschen, nur Abenteuer und Freiheit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe leider absolut keine Pläne gefunden, wie der Park ursprünglich ausgesehen haben soll, denn so richtig vorstellen konnte ich mir das Konzept nicht (mehr).

So Wahnsinn wie die Natur sich in knapp 20 Jahren wieder ihr Gebiet zurück erobert. Ein richtiger Urwald war das dort.

 

 

 

 

 

 

Beeindruckt hat mich auch die tolle Streetart, die dort überall zu finden ist. Richtige Kunstwerke.

 

 

 

 

 

 

 

Ich war froh, dass ich bereits vorher gelesen hatte, dass man feste Schuhe anziehen soll, die waren auch bitter nötig, denn in den Gebäuden lag überall Glas und man musste oft über Stock und Stein und eingestürzte Bauteile.

 

 

 

 

 

 

Und ja, stellenweise war mir auch ganz schön mulmig zumute, denn so ein Urwald macht ganz schön gruselige Geräusche. Dazu noch das Peitschen der Wellen und die Hintergrund Info, dass dort Geister ihr Unwesen treiben (denn ja, ich glaube an Geister und kein normaler Balinese würde hier einen Fuß rein setzen weil die alle an Geister glauben). Und die kleinen Balidogs konnten die übernatürlichen Wesen, meiner Meinung nach sehen, denn sie starrten immer ganz erschrocken irgendwo hin und rannten dann wie angestochen davon. (der Kumpel hier allerdings nicht. Der lag vorm Park und hatte keinen Bock auf Geister)

 

 

 

 

Und in irgendwelche Keller der Gebäude habe ich mich dann auch nicht gewagt. Man muss sein Glück ja nicht überstrapazieren. Und ich war auch ganz froh, als dann noch eine Familie und 2 junge Burschen aufs Gelände kamen (alles Deutsche btw. – ich glaub nur Deutsche lieben so „lost places“)

 

 

 

 

 

 

Außerdem wäre Moskito Schutz ganz gut gewesen, denn die kleinen Biester waren überall. Wir hoffen mal, dass keine das Malaria Virus in sich trägt (falls, doch wissen wir in ein paar Wochen mehr)

 

Mit Abstand der außergewöhnlichste Ort auf Bali. Für jeden Abenteurer, Fotografen oder Geisterjäger ein absoluter Leckerbissen. Ein großer Spielplatz für Erwachsene.

 

 

 

 

 

 

 

Food

 

Am ersten Abend passierte mir gleich ein Food Fauxpas.

Ich landete im „wicked parrot“, gegenüber meines Homestays, da es dort recht voll war und ich Bock auf Pizza hatte. Nun saß ich da so an der Straße und ein paar ältere deutsche Herrschaften liefen vorbei, woraufhin der Herr zu seiner Frau meinte „Guck dir die an (mich). Die sitzt da völlig falsch im Rentnerrestaurant“… Ich drehte mich um und tatsächlich. Rollatoren, 3. Zähne und ein Durchschnittsalter von 70. Sorry, aber da ist der Name „wicked parrot“ ja total irre führend. „grey parrot“ oder „blind parrot“ wäre eindeutiger gewesen. Noch dazu schmeckte die Pizza dann auch leider eher nicht so gut und der Preis war für balinesche Verhältnisse richtig unverschämt. So teuer hatte ich in keinem der fancy und extrem leckeren Restaurants in Canggu gegessen. Nun ja, wieder ein bisschen schlauer – immer Tripadvisor und Happy Cow checken oder Locals fragen, bevor man sich irgendwo hin setzt.

 

Weshalb ich mir am nächsten Tag genau bei Tripadvisor anguckte, wo ich einkehren würde. Und die Wahl fiel auf das Square One. Ein Urban Café, was auch hätte in Canggu stehen können. Die Preise waren ok, das Essen optisch ansprechend und sehr lecker. Zum Glück kein Reinfall, denn „Das Leben ist zu kurz um schlecht zu essen“

 

 

 

 

Stores

 

„Massaaaaaaaasch?“, „Taksiiiiii?“, „wanna lug mei shop?“ – Nee, wollte ich alles nicht. Wo habe ich nur wieder mein „No, thank you“ – T-Shirt gelassen.?!

Dieses kaufen kaufen kaufen geht mir völlig aufn Keks. Canggu, my baby, i miss yoooooou! – da wurde man nämlich weitgehend in Ruhe gelassen mit Verkaufsangeboten jeglicher Art.

Es gibt aber dennoch ein paar sehr schöne Läden mit balinesischer Leinenkleidung oder organischer Kosmetik zum Beispiel.

Aber an sich ist das eher so bissl Polenmarkt oder Türkischer Bazar Feeling und das ist so gar nicht meins.

Nusa Penida / Nusa Lembogan

 

Was ist denn jetzt nun eigentlich auch meinen Inselplänen geworden?! – Die sind gestorben – aus vielfältigen Gründen.

  1. Ich bin nicht mobil und beide Inseln sind sehr rau und wild und man braucht einfach einen Roller oder einen Fahrer. Roller fahren ähäh und ein Fahrer wird mir auf die Dauer zu teuer
  2. Das Wetter war nicht so der Brüller. Nur wenige Sonnenstunden und wer hat schon Bock auf eine bewölkte Insel
  3. Der Instagram Hype ist momentan zu groß. Gebt nur Kelingking Beach (der Dinosaurier Strand) oder Angels Billabong ein und euch werden Millionen von Fotos um die Ohren gehauen. Das heißt, man kommt dort hin und steht dann erst mal an um eines der berühmten Instagram Fotos zu machen. Darauf hatte ich nicht noch mal Bock!
  4. Ich habe mir den Hafen von Sanur angesehen, wo die Speedboote mehrmals täglich zu den Inseln übersetzen und es war so scheiße voll dort. Und es sah super anstrengend aus. Die Leute kommen da mit ihren Rucksäcken oder Koffern auf die kleine Hafenpromenade geschleppt. Warten dann ewig, bis eines der Boote ablegt. Müssen dann mit ihrem Gepäck auf den Strand. Warten dort noch mal bis es los geht. Müssen dann durchs Wasser um zum Boot zu kommen und müssen dann auch noch mit ihrem ganzen Scheiß auf das Boot kommen. Nach einem Spaziergang sah das jedenfalls nicht aus
  5. Mein Bauchgefühl hat NEIN gesagt und darauf höre ich.

 

 

 

Fazit

 

Sanur ist eine Gesichtslose Stadt am Meer, die völlig auf reiche alte Aussies ausgelegt ist.

Trotz Meer fehlt einfach dieser besondere Vibe. Sanur ist weder Fisch noch Fleisch. Kein richtig echtes Bali aber auch kein Hipster Woodstock Hippie Bali. Kurzum, mir hat`s keinen Spaß gemacht – allerdings hat es sich allein wegen dem Taman Festival Park am Ende doch sehr gelohnt und ich konnte endlich mal wieder ein paar Stunden ohne Reue mit meinen besten Freunden Netflix, Youtube, Peanut Butter Oreo Keksen und Bintang Radler verbringen 😉

 



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