Schloss Bran und Burg Rasnov auf eigene Faust

Schloss Bran und Burg Rasnov auf eigene Faust

 

Hach, was hatte ich für einen schönen Tag mit jeder Menge Glück. Aber von vorn.

 

 

Anreise

Ab dem Busbahnhof 2 (autogara 2 – nicht der am Bahnhof) fährt zu jeder vollen Stunde ein Bus für 8 Lei nach Bran. Early bird wie ich bin, saß ich bereits halb 8 am Busbahnhof, Peron 2 (Steig 2) und wartete.

 

 

Bus fahren in Rumänien ist auch so eine Sache für sich. Die meisten Busse sind ehemals deutsche Busse. Das sieht man immer an den Beschriftungen im Bus. Was bei uns aus Sicherheitsgründen ausrangiert wurde, ist für Rumänien allemal noch gut. Und so kam es, dass mein Bus eine Panne hatte. Er fuhr in einer Baustelle über eine harte Kante und es knallte verdammt laut. Der Busfahrer schüttelte mit dem Kopf und fuhr weiter bis ein lautes, nennen wir es Schlürfgeräusch, auftauchte. Ich dachte ja erst das Ding hätte einen Platten aber ich glaub dann könnte er nicht mehr fahren. Der Fahrer hielt dann nach einer Weile doch mal kurz an und checkte seinen Bus, stieg wieder ein zuckte mit den Schultern und weiter ging die Fahrt in langsameren Tempo mit weiterhin diesem Geräusch.

Nun ja. Aber Polizei Kontrollen gibt es auch. In die kam ich mit einem anderen Bus, wo genau geprüft wurde wie der Zustand des Busses ist und ob die Papiere vom Fahrer ok sind.

Also ich kann euch sagen – Bus fahren in Rumänien ist nicht so langweilig wie in Deutschland.
Und schon allein wegen der Landschaft lohnte sich die Fahrt. Dazu später mehr.

Nach ca. 50 Minuten kamen wir in Bran an. (Der Bus fährt noch weiter und der Fahrer sagt nicht an wo ihr seid und dran stehen tut erst recht nirgends etwas, also Kinder – offline map heißt das Zauberwort um immer zu wissen wo man ist und wo man aussteigen muss, wobei es in Bran wegen der vielen Menschen nicht ganz so schwer war)

 

Die Landschaft

Also diese Landschaft. Ein absoluter Traum. Am liebsten wäre ich an jeder kleinsten Haltestelle ausgestiegen und hätte ein Foto gemacht. Es war einfach zu schön.

 

 

Friedlich grasende Schafe vor den hohen Bergen. Eine Herde Esel vor lieblichen grünen Hügeln die an Irland erinnerten. Kühe vor Landschaften die aussahen als würde man gerade durch Bayern fahren. Ich saß da einfach nur glücklich und zufrieden an meinem Busfenster und schaute in die Landschaft.

 

 

Schloss Bran (Törzburg)

Pünktlich um 9 bei Öffnung des Kassenhäuschen stand ich schon mit an und dachte, puh, das ist aber jetzt schon voll. War vielleicht doch nicht so gut so zeitig zu kommen. Aber auch dazu später mehr.
Das Ticket kostet inzwischen 40 Lei. Im Internet hatte ich noch 35 gelesen aber nun ja. Die Leute würden sicher auch 100 zahlen und im Vergleich zu deutschen Sehenswürdigkeiten sind ca. 10€ ja immer noch ein okayer Preis.

 

 

Ich schob mich mit einer russischen Folklore Tanzgruppe und einer italienischen Rentnergruppen den Berg zum Schloss hinauf.

Von außen schon mal sehr beeindruckend wie es da hoch oben an einem Felsen trohnt.

 

 

Von innen, nun ja, was soll ich sagen. Es gibt auf mehreren Etagen eine Ausstellung, hauptsächlich mit Stücken der Habsburger Königsfamilie.

 

 

Denn „face the fact“ weder Bram Stoker noch Vladimir der Schreckliche formaly known as Graf Dracula waren jemals hier.

 

 

Traurig aber wahr. Lediglich die PR Abteilung des Schlosses hat ganze Arbeit geleistet in der Vermarktung des Objektes, welches ja nun eindeutig die meist gehypte Sehenswürdigkeit in Rumänien ist (nach Peter Maffay natürlich 😂)
Es soll wohl dem Schloss in den Erzählungen von Bram Stoker am nächsten kommen.

 

 

Das wirklich schlimme ist aber, dass ich all meine Infos aus dem Internet habe, denn im Schloss kann man sich nichts durchlesen oder genau anschauen, denn sonst wird man tot getreten. Man muss immer schön mit der Masse wie an einer Perlenschnur entlang marschieren und sich deren Tempo anpassen. Kurzum, ich habe das Innere des Schlosses gehasst, denn irgendwo hinterher zu traben widerstrebt mir wie sonst was. Ich will Dinge erkunden. Irgendwo hoch klettern. Mir so viel Zeit lassen wie ich will. Nicht dort, Freunde, nicht dort.

 

 

Ein bisschen angenehmer wurde es dann erst im Wehrgang und im Hof des Schlosses wo ich dann auch fototechnisch mal ein bisschen rumexperimentieren konnte.

 

 

Ich sage euch nicht, dass ihr es lassen sollt, denn es gehört ja schon irgendwie dazu aber trinkt nen Schnaps vorher und wisst auf was ihr euch einlasst.

Protipp: Wenn euch das Innenleben des Schlosses nicht interessiert, dann könnt ihr trotzdem kostenlos in den Schlosspark und von dort Fotos machen.

 

 

Das Ticket wird erst im Schloss eingescannt, im Außenbereich braucht man es nicht.

Der kleine Schlosspark ist sehr schön. Ich weiß nicht wo die ganzen Menschen auf einmal hin waren aber dort hatte man fast seine Ruhe und konnte ordentlich die Kamera glühen lassen.

 

 

Und wenn ihr gaaaaanz viel Glück habt, so wie ich, dann begegnet euch auf dem Gelände auch der einzig wahre Graf Dracula, der Herr über das Gelände.

 

 

Nun noch mal zurück zu dem Teil mit den Menschenmassen und wann man am besten kommen sollte. Auch wenn es mir früh um 9 schon als viel erschien, so war es nichts gegen den Zustand ab 10. Und später möchte ich gar nicht wissen, wie es da aussah. Denn auch die ganzen schrägen Shops machen alle erst ab 10 auf.

 

 

Protipp: Kommt zeitig oder kommt kurz vor Feierabend, wobei da das Licht nicht mehr so schön sein dürfte.

Das Drumherum

Oh man. Was da los war. Kopfschütteln meinerseits.

 

 

Ich wusste ja, dass es dort viele kleine Buden geben würde aber ich dachte, dass diese Buden Vampirkram anbieten. Knoblauchketten, Knoblauchschnaps oder Knoblauchsalami, Vampirzähne, Bieroffnerpflöcke. All das hätte ich zumindest angeboten aber nee es gab Anonymous Masken, Plastikschlangen, Holzpenisse und all möglichen anderen Kram den nun wirklich niemand braucht. Das einzige was ich mir ja noch angehen lasse waren die vielen Folklore Kleidungsstücke, wobei ich bei denen auch aus den Latschen gekippt bin. Folkloreblusen wo sogar Made in China dran steht kosten trotzdem 30€ aufwärts und die, die vlt aber auch nur ganz vlt in rumänischer Heimarbeit entstanden sind kosten, haltet euch fest, um die 400 Lei aufwärts (zur Erinnerung – Umrechnungskurs ca. 4 Lei = 1€)
Dann gibt es dort noch eine Art Gruselkabinett und ansonsten nur, mit Verlaub gesagt, Scheiße! Die einzigen halbwegs netten Stände mit Wurst, Käse und Honig standen etwas abseits zum Freilichtmuseum hin.

 

 

Freilichtmuseum Bran

 

 

Mein Tipp für alle – das Freilichtmuseum neben dem Schloss bzw. neben der enorm langen Eintrittsschlange.

 

 

Da geht nahezu keine Sau hinter und es hat museumstechnisch so viel mehr Wert als das Innere von Bran. Der Eintritt sind 4 Lei aber auch erst so ab um 10, halb 11. Davor konnte man noch kostenlos aufs Gelände aber ich wurde dann auf der Hälfte meines Streifzugs, dann doch noch von einer Dame aufgehalten, die mir erklärte, dass es Eintritt kostet. Stand zu dieser Zeit noch nirgendwo und ich dachte erst sie will mich übers Ohr hauen aber nein es gab auch eine Eintrittskarte dazu und 4 Lei kostet mich ein Lächeln und ist die Ausstellung allemal wert.

 

 

Denn gezeigt werden traditionelle Rumänische Bauernhäuser und deren Einrichtung.

 

 

Ich bin ja kein großer Museumsgänger und lese mir da auch nie groß was durch aber es war selbst für mich sehr interessant anzusehen wie die Menschen noch vor ein paar Jahrzehnten oder vlt heute noch (in ländlicheren Gegenden) gelebt haben. Und das sah ja alles so herrlich romantisch auf dem Gelände aus. Absolute Empfehlung meinerseits.

 

 

Rasnov (Rosenau)

 

 

Von Bran aus ging es mit dem Bus (Haltestelle gegenüber wo ihr auf der Hinfahrt angesetzt wurdet – macht Sinn, ne) für 4 Lei in ca. 25 Minuten nach Rasnov. Im Ort gibt es 3 Haltestellen. Ihr müsst die 2. aussteigen aber ihr könnt euch auch einfach am Hollywood Sign orientieren. Von dort geht es dann immer die Dorfstraße lang runter Richtung Burg. Auch das Örtchen könnte deutscher nicht aussehen.

 

 

Sehr verschlafen, deutlich weniger touristisch aber auch sehr liebenswert. Vom Dorfplatz aus geht es durch ein Gebäude durch zum Aufzug auf den Berg.

 

 

Gleich daneben geht auch ein Waldweg über Treppen lang hoch aber in der Mittagshitze habe ich mir den Aufstieg gespart und bin mit der sehr modernen Bahn gefahren. (Nach oben 8 Lei, Retour 12 Lei).

 

 

Oben kommt man genau neben dem Hollywood Sign raus und hat erst mal einen sehr schönen Blick auf den Ort und die umliegende Landschaft. So schön!

 

 

Und dann trifft man sie wieder, die rumänische, nennen wir es, Baukunst. So genau nimmt es hier keiner mit der Sicherheit. Würde es in Deutschland nie geben.

 

 

Ich, völlig unvorbereitet, dachte ja, dass ich jetzt schon oben bin und die Ruinen das ganze Castell sind aber nee. Es geht weiter. Außen an der Mauer entlang. Nahezu keine Menschen in der Nähe.

 

 

Bis man dann auf den eigentlichen Weg hier hoch trifft, wo es dann sehr „crowded“ wird. Denn hier werden alle die mit dem Auto gekommen sind und dieses auf dem Parkplatz unterhalb abgestellt haben, mit dem Bähnlein, mit Traktorantrieb, hoch bugsiert.

 

 

Ich glaube auch, dass es zu Fuß so rum recht weit wäre. Sah zumindest auf meiner Karte so aus.
12 Lei ärmer, geht es dann in die eigentliche Burg hinein. Was für ein Anblick der sich da beim Durchqueren des Wehrturmes bietet.

 

 

Die Menschenmassen lösen sich ab hier dann auch etwas auf, da hier doch einiges mehr Platz ist als auf dem Gelände in Bran. Der Weg schraubt sich weiter nach oben bis zu einem nächsten Tor.

 

 

(Absichern konnten sie sich damals) und dann dröselt sich das ganze in Ruinenreste mit höchstem Punkt auf und einer Art Freilichtmuseum mit Verkaufsständen. Ich fand es irgendwie absurd, dass hier auch so viele kleine Stände sind aber die waren immerhin schön ins Geschehen eingebettet.

 

 

Genauso wie der Gaukler mit seinem Akkordeon und der tapfere Ritter mit seinem Schwert.

 

 

Im Ruinenteil fühlte ich mich dann wieder wie ein Entdecker und kraxelte überall herum und genoss die schöne Aussicht und die vielen Schwalben die durch die Luft schossen.

 

 

So eine schöne Aussicht über das Land und in den Wald und die Berge hinein.

 

 

Ein Hochzeitspaar war inzwischen auch hier hoch gekommen und sie stapfte mit ihrem riesigen Kleid in der Mittagshitze über das Ruinenfeld. Bizarrer Anblick aber die Hochzeitsfotos werden sicher erste Sahne.

 

 

 

Runter zu nahm ich dann den kleinen Weg neben der Bahn und war recht froh, dass ich hoch gefahren war. Denn auch hier waren die Steine nicht alle vertrauenswürdig und es ging ganz schön steil nach oben.

 

 

Zurück zu kam dann gerade der Bus als ich an der Haltestelle eintraf. Ich Glückspilz und es ging wieder für 4 Lei nach Brasov zurück.

Bran oder Rasnov???

Also wenn ihr mich fragt – beides. Bran ist zwar völlig overhyped aber es gehört nun mal einfach zu Transsylvanien wie Ernie zu Bert. Landschaftlich schöner, preiswerter und wesentlich entspannter ist natürlich Rasnov.

 

Danksagungen

Nun aber zum gefühlsduseligen Teil, denn ich muss jetzt einfach mal meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, an wen auch immer. Gott, Karma, Schicksal. Wer immer seine schützende Hand über mich hält – vielen Dank dafür!
Ich kann mein vieles Glück auf Reisen nicht fassen und bin dafür so unendlich dankbar.
Eigentlich hatte der Wetterbericht heute den ganzen Tag Regen voraus gesagt und dann schien die ganze Zeit wo ich unterwegs war, die Sonne. Lieber jeden Tag ein bisschen Regen und Gewitter anstatt den ganzen Tag oder anstatt einer Hitzewelle bei der man nichts unternehmen könnte.(Grüße an meinen Lieben in Deutschland, die sich gerade bei 36°C nur in slow motion bewegen können)
Ich hatte Glück, dass der Bus trotz Panne heil angekommen ist. Glück, dass alles so gut geklappt hat und ich nicht in Timbuktu raus gekommen bin. 

Ich bin so dankbar, dass ich diese ganze Sache hier machen darf. Das ich gesundheitlich dazu in der Lage bin. Das mich mein Schutzengel jeden Tag begleitet und ich eine wundervolle sichere Zeit verleben darf.

 



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