Timaru – die Stadt, die zu Unrecht in keinem Reiseführer auftaucht

Timaru – die Stadt, die zu Unrecht in keinem Reiseführer auftaucht

Habt ihr schon mal was von Timaru in Neuseeland gehört?! Ich nicht und die meisten NZ Reisenden sicher auch nicht. Denn irgendwie taucht die Stadt in keinem Reiseführer auf. Man liest nichts auf den einschlägigen Facebook Seiten darüber und auch sonst scheint der 6000 Einwohner Ort unterm touristischen Radar zu laufen. Meiner Meinung nach zu Unrecht!

Aber manchmal spielen die Dinge so gut zusammen, dass sich auf einmal alles fügt und man im Paradies in Timaru landet.

Als ich in Picton (Post dazu gibts hier) ankam, habe ich mich im Hostel gar nicht wohl gefühlt und habe sofort nach einer Alternative gesucht. Das Karma war gut zu mir und ich kann hier meinen Traum leben – welchen, werdet ihr gleich sehen.

 

 

 

 

Unterkunft

 

Ich habe mit Julie und Ken zwei ganz liebe Hosts gefunden, die mehr zu einer Familie für mich worden als zu „gewöhnlichen Hosts“. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich immer mal meine Schwierigkeiten hatte, vor allem am Anfang. Ich meine ich wohne schon 12 Jahre nicht mehr bei meinen Eltern und habe davor meine Wochen in Hostels verbracht, wo ich meine paar Stunden gearbeitet habe und danach tun und lassen konnte was ich wollte und nun war ich auf einmal in so einer richtigen Familie gelandet. Hier wurde von mir „erwartet“, dass ich Teil davon werde und mich integriere und das fiel mir anfangs extrem schwer. Die beiden haben 2 Kinder und 7 Enkelkinder im Alter von 6 Monaten bis 14 Jahren. Es war quasi jeden Tag mindestens eines der Enkel zu Besuch. Für mich als Einzelkind fühlte es sich so an, als wenn ich auf einmal ganz viele Geschwister dazu bekommen hätte. Ein merkwürdiges Gefühl.

 

Aber mit jedem Tag fühlte ich mich mehr zugehörig und genoss es mit den Enkeln auf der Couch zu kuscheln oder mir verrückte Stories erzählen zu lassen. Auch das Essen war großartig. Die ganzen 2 Wochen während ich dort war, wurde vegetarisch gekocht (erst an meinem Abreisetag stand schon der Braten fürs Abendessen auf dem Herd :-D). Dazu gab es jeden Abend Kuchen, Eis oder Schokoriegel und jede Menge Erdbeeren und sogar ein Bier war jeden Abend für mich drin (Ken ließ sich auch da nicht lumpen und präsentierte mir jeden Abend ein anderes neuseeländisches Bier zur Verkostung – die meisten kann man leider nicht mit deutschen Bieren vergleichen).

 

Wir machten sogar einen tollen großen Sonntagsausflug zusammen. Was genau, kannst du hier nachlesen.

 

Zum Abschied wurde ich von beiden herzlichen in den Arm genommen, Julie verdrückte ein Tränchen und ein Weihnachtsgeschenk bekam ich auch noch in die Hand gedrückt (darf ich erst am Boxing Day aufmachen – Edit: es war ein selbst gehäkeltes Stirnband (aus Alpakawolle), selbst gestrickte Socken und Schoki. So lieb!).

 

 

 

 

Ich muss allerdings sagen, dass ich froh war nach 2 Wochen weiter ziehen zu können. Das mag ein wenig undankbar klingen aber so schön es auch bei der Familie war, ich habe dort meine Freiheit vermisst und die steht bei mir momentan über allem. Wie meinte mein Papa so schön – Ich sitze im goldenen Käfig. Und ja, so fühlte es sich an. Liebe Menschen, tolles Essen, schönes Zimmer mit eigenem Bad, wundervolles Umfeld aber kilometerweit von der Stadt entfernt, sodass ich nicht mal schnell einen Ausflug machen konnte und auch sonst verbrachte ich fast den kompletten Tag mit der Familie zusammen und hatte wenig Zeit für mich selbst. Ich denke aber trotzdem, dass ich vielleicht irgendwann noch mal zu ihnen zurück kommen werden und das liegt vor allem daran:

 

Meine Freunde

 

 

 

Der Hauptgrund warum ich die Familie Wilson ausgesucht habe, waren deren Alpakas. Jeder der mich kennt, weiß wie besessen ich von Alpakas bin. Zu meinem 30. habe ich von meinen Eltern eine Alpakawanderung geschenkt bekommen und habe mir vor Freude die Augen ausgeheult (Beitrag dazu gibts hier). Und nun hatte ich 2 Wochen lang quasi 24 h am Tag die Chance Zeit mit Alpakas zu verbringen – HEAVEN! An die 5 neuen Mädels kam man quasi gar nicht heran, da die noch keine menschliche Gesellschaft gewöhnt waren aber dafür waren die Jungs aufgeschlossener. Allen voran meine große Liebe Ashley. Der junge Mann (Ashley ist in Schottland, wo Ken her kommt, auch ein Männername) wich mir von der ersten Minute an nicht von der Seite und liebte es für Fotos zu posieren. Es wurde geknuddelt und gebusselt bis zum umfallen.

 

 

 

 

 

 

 

Ich genoss es jedenfalls sehr von so viele Alpakas umgeben zu sein und viel Zeit mit ihnen verbringen zu dürfen. Angeblich soll sogar eines der Mädels schwanger gewesen sein aber bis heute hat sich kein Alpaka Baby gezeigt.

 

 

 

 

 

 

 

Außerdem gab es noch 2 wunderschöne Weimaraner Mädchen – Cree und Uschi. Innerhalb kürzester Zeit wurden wir beste Freunde und verbrachten jeden Tag mit langen Spaziergängen und ganz vielen Streicheleinheiten. 2 wilde Kraftpakete, die man manchmal schwer bändigen konnte, die aber mit dem 6 Monate alten Enkelkind total liebevoll und vorsichtig umgingen. Ich vermisse meine Fellfreunde sehr 🙁

 

 

Alpaka Schären

 

Eine Woche nach meiner Ankunft, stand dann etwas ganz besonderes an – das jährliche Schären der Alpakas. Oh je, meine Nerven.

Meine Familie hatte sich mit ein paar anderen zusammen getan und extra einen Alpaka Schärspezialisten aus Australien geholt. Ich hatte ja erwartete, dass so einen Schärer ein alter gruseliger Kerl ist aber nee, da wars ein junger lustiger Aussie.

 

 

 

 

Aber das Alpaka schären an sich ist ja mal kein Spaß. Die Bilder werde ich wohl nie wieder aus meinem Kopf bekommen. Und die Alpakas hatten da auch so gar keinen Bock drauf – verständlich! Die erste war Atlanta, eigentlich das zutraulichste der Mädels aber sie machte komplett dicht, schmiss sich auf den Boden und wollte nicht weiter zur Schärstation gehen. Es waren 5 Leute nötig um sie dann mehr oder weniger herüber zutragen. Dann werden Seile an den Hufen befestigt und das arme Tier wird quasi auseinander gezogen. Dabei schreien und spucken sie um ihr Leben.

 

 

 

 

 

 

Ich war völligst schockiert. Dann kommt die Schärmaschine zum Einsatz. Nachdem ich aber gesehen hatte, dass es Atlanta sofort wieder gut ging, nachdem die Jungs fertig waren, fiel es mir ein bisschen leichter daran Teil zu haben.

 

 

 

 

 

Ich war dafür zuständig die Wolle einzeln in Säcke zu stecken und zu beschriften. Da kam ordentlich was zusammen. Keine Ahnung was die damit machen. An sich meinten sie, dass sie es in eine Spinnerei bringen und sie dann Socken, Pullover, Decken usw daraus stricken aber oben im Nebengelass standen noch die ganzen Tüten mit Wolle von den Jahren davor.

 

 

 

 

 

Nach 4 h war es erledigt und ich wurde nicht darüber fertig wie nackt meine Freunde jetzt waren. Und ich glaube auch, dass Ashley in den folgenden Tagen, in denen es recht kalt und nass war, fror. Er zitterte immer und ich musste ihn warm kuscheln.

 

 

 

 

 

Timaru CBD

 

Timaru an sich ist eine richtige Stadt. Es gibt viele alte Kirchen und eine sehr nette Fußgängerzone mit vielen Geschäften. Es ist im Grunde nichts besonderes aber man kann gut mal durchschlendern und ein bisschen shoppen gehen.

 

 

 

 

 

 

 

Caroline Bay

 

Wenn man nach Timaru kommen sollte, dann wegen der hübschen Caroline Bay. Man kann dort den ganzen Tag mit seiner Familie verbringen. Der Strand hier ist schöner weißer Sand und das Wasser ist recht flach. Man kann einige nette kleine Wege entlang spazieren und eine gute Zeit am Wasser haben.

 

 

 

 

 

 

Auch sonst wird hier einiges geboten. Wie z.B. eine Vogeliere, in die man hinein gehen kann, vers. Spielplätze, eine kleine Eisenbahn, Fitnessgeräte. So ein richtiges Naherholungsgebiet.

 

 

 

 

 

 

Außerdem gibt es einen wunderschönen Rosengarten, der einfach nur himmlisch roch.

 

 

 

 

 

Abends kann man dann hier noch etwas besonderes besichtigen und das ganz kostenfrei:

 

 

 

 

Timaru Pinguine

 

Im nächsten Ort Omaru gibt es eine große Pinguinkolonie, die man für Geld besuchen kann aber hier in Timaru kann man ganz einfach abends an den Strand kommen und warten bis es dunkel wird, denn dann kommen die kleinen blauen Pinguine aus dem Wasser gehüpft, watscheln über den Strand und verschwinden in ihren Höhlen. Sowas hatte ich ja bereits in Australien auf Philip Island gesehen bei der Penguin Parade (Beitrag dazu hier). Hier gibt es natürlich nicht ansatzweise so viele Pinguine aber wenn man Glück hat, dann sieht man eben doch ein paar. Meine Hostmama Julie, war extra einen Abend mit mir zum Strand gefahren um mir die Pingus zu zeigen und wir hatten Glück, denn sie hatten gerade Junge und die standen bereits in den Brutlöchern parat und warteten lautstark auf die Ankunft ihrer mit Futter bestückten Eltern. Was für verrückte Laute die von sich gaben. Einige Leute dachte, dass es sich dabei um versteckte Lautsprecher handelte aber nein es waren diese kleinen Mäuse.

 

 

 

 

Da es inzwischen aber reichlich frisch und spät wurde, warteten wir nicht noch auf die Ankunft der Eltern und fuhren dann gegen 10 wieder zur Farm zurück.

 

 

 

 

Waimate Strawberry Fare

 

An einem Samstag fuhren wir 45 km nach Waimate zur alljährlichen Strawberry Fair. (in Wamaita schreiben die aber Fare) Es wurde mir ein großes Spekatkel versprochen und ich hatte mir ein bisschen was erwartet vom Erbeer Jahrmarkt.

 

 

 

 

Nun ja, spannend ist anders. Das Wetter war schlecht (wie fast immer in den 2 Wochen) und die ganze Sache war halt am Ende einfach nur ein großer Markt mit vielen verschiedenen Ständen, die mal mehr und sonst eher weniger spannend waren. Es gab eine Bühne und ein paar schottische Dudelsack Spieler. Was es aber überraschend wenig gab, waren Erdbeeren, denn auf Grund des schlechten Wetters war die Ernte bisher eher dürftig ausgefallen.

 

 

 

 

 

 

 

Wir waren später dann noch mal dort weil wir auf dem Markt einen Mann gefunden hatten, der landwirschaftliche Fahrzeuge aus Holz herstellt und Julie das für ihre Enkel zu Weihnachten wollte. Der Besuch bei dem Mann in seiner Werkstatt war dann ein kleines Highlight für mich. So ein richtig süßer alter Opi in seiner Spielzeugwerkstatt. Ich fühlte mich wie in der Weihnachtsmannwerkstatt. Und wie nett er war. Julie kaufte einiges an Spielzeug aber hatte am Ende nicht genug Geld dabei, sodass er ihr noch 2 Spielzeuge schenkte. Ich war den Tränen nahe von so viel Güte und Herzenswärme. Wie lieb hier manche Leute in NZ sind macht mich manchmal einfach nur sprachlos. (leider habe ich dort kein Foto gemacht)

 

Fazit

 

Meine Zeit in Timaru war großartig, was vor allem natürlich meinen Alpakafreunden geschuldet war. Aber auch die Familie und das gute Essen hat mir eine tolle Zeit (und 5 Kilo mehr auf den Hüften) beschert.

Touristen in Timaru würde ich raten auf jeden Fall einen Spaziergang an der Caroline Bay zu machen und abends auf die Piguine zu warten.

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere