Wandern in Karlsbad

Wandern in Karlsbad

27.04. – 29.04.18

Karlsbad oder auch Karlovy Vary. Der tschechische Kurort unweit der Grenze ist ein echtes Juwel. Ich war bereits als Kind dort und fand es ungeheuer beeindruckend. Heute, 25 Jahre später ist es nicht minder beeindruckend. Ich weiß gar nicht warum immer jeder nach Prag will. Klar die Stadt hat ihren Reiz aber an Schönheit kann sie Karlsbad nicht übertreffen.

Anreise:

Freitag nach Arbeit ging es los. Wir hatten uns einen schicken Audi gemietet. Und ab ging die wilde Fahrt. Zumindest hatten wir uns das so vorgestellt, landeten dann aber von einem Stau im nächsten. Feierabend Verkehr halt. Nach über 3 h und einem Zwischenstopp zum Autobahnplakette kaufen, kamen wir dann endlich im Kurviertel an. Problem: Es gibt keine Parkplätze. Das wusste ich durch meine Recherche schon vorher, deshalb furhen wir gleich das Parkhaus im Thermal (ein riesen großer hässlicher sozialistischer Hotelklotz, der jedes Panorama Bild der Stadt zerstört, deshalb durfte er auch nicht mit aufs Bild) an. 250 CZK ca. 10 € am Tag. Nicht gerade wenig aber was soll man machen.

Hotel:

Es sollte preiswert und zentral sein. Deshalb landeten wir im Hotel Modena. 2 Nächte 2 Personen mit Frühstück 118€. Die Lage vom Hotel – großartig! Genau zwischen dem vornehmen Teil der Kurpromenande und der Einkaufszone, in einer ruhigen Seitenstraße mit Gründerzeithäusern. Von außen auch ein recht schönes Gebäude. Von innen dann eher spartanisch. Am meisten belustigt hat mich die Zimmertür. Wie so eine normale Tür in einer Wohnung, die man als Jugendlicher abgeschlossen hat wenn man Streit mit seinen Eltern hatte. Nicht sonderlich vertrauenserweckend. Aber wir hatten einen schönen Balkon und das Zimmer war angenehm groß. Und grundsätzliche ist man ja eh nur zum Schlafen dort. Das Frühstück war auch besser als die Booking Bewertungen erzählten. Alles in allem sehr ok.

 

Der Ort:

Ich als Architekturliebhaber kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Eine Villa schöner als die andere. Riesen groß und sehr vornehm. Mit kleinen Türmchen, Mosaiken, Wasserspeiern etc. Noch echte Baukunst. Klar, ist nicht alles Gold was glänzt aber das ist ja in jedem Ort so. Die Altstadt von Karlsbad ist der Wahnsinn. Ringsrum sieht es allerdings durch die ganzen Neubaublocks dann schon sehr nach Ostblock aus aber normale Menschen können sich die hohen Mieten in der Innenstadt auch gar nicht leisten. Im Kurviertel hat man zum Großteil nur piekfeine Hotels und Restaurants. Schön anzusehen aber nicht das echte Leben. Aber im Urlaub erfreue ich mich auch gerne mal an einer nicht ganz so echten perfekteren Welt und genieße die ganze Schönheit.

 

Kurbetrieb:

Ich wusste noch, dass man hier heilendes Wasser trinken kann. Wie das dann am Ende aussieht wusste ich nicht und ich hatte mich im Vorfeld auch nicht darüber informiert. Das Ganze ist am Ende aber so ungeheuer interessant, das man sich spätestens vor Ort dazu belesen muss.

Es gibt 79 Quellen die im ganzen Kurviertel irgendwo aus dem Boden kommen. Alle haben unterschiedliche Temperaturen und Inhaltsstoffzusammensetzungen. Die heißeste Quelle, der sogenannte Sprudel schießt mit 72 °C aus der Erde und erinnert mehr an einen dampfenden Springbrunnen. Wir haben kurz darüber nachgedacht ob wir uns dort eine 5 Minuten Terrine machen sollten 😀

Mit Absprache des Kurarztes bekommt man dann bestimmte Quellen und Mengen zugewiesen die gegen die eigene Erkrankung helfen sollen. Generell soll es gegen Gicht, Magenprobleme, Diabetes und sogar Krebserkrankungen helfen. Abführend soll das ganze auch noch sein und so den Heilungsprozess unterstützen. Finde ich sehr interessant die ganze Naturheil Thematik.

Witzig sind auch die kleinen Becherchen aus denen das Wasser traditionell getrunken wird. Den ganzen Tag rennen Menschen mit kleinen eckigen bunten Bechern durch die Stadt und trinken das Thermalwasser wie mit einem Strohhalm durch den Griff der Tasse.

Wir haben am letzten Tag dann auch mal einen Schluck von einer 30°C Quelle genommen. Als wenn man eine Asprin in Wasser auflöst. Nicht gerade schmackhaft.

Wanderung Hirschsprung:

Spoiler – wir waren zwar auf 2 anderen Aussichtspunkten aber am eigentlichen Hirschsprung waren wir am Ende nicht, was uns aber auch erst aufgefallen ist als wir wieder unten waren. 😀

Wir sind vom Grandhotel Pupp für 30 Kronen bis zur Zwischenstation Jelini Skok mit der Seilbahn gefahren und von dort dann gelaufen, vorbei am Myslivny Sanatorium und am hübschen Gasthof mit Aussichtsterrasse. Erst kommt man zum Gipfelkreuz von wo aus man eine wunderbare Aussicht über die Stadt hat. Ein paar Meter darunter liegt dann ein hübscher Aussichtspavillion, ebenfalls mit grandioser Sicht. Zum Hirschsprung hätten wir dann eigentlich nur noch ein paar Meter weiter gemusst aber nun ja, haben wir halt nicht die kleine Bronzestatue gesehen. Aber auf jedenfall eine sehr kleine hübsche Wanderung für Wanderanfänger mit tollen Aussichten.

Wanderung Diana Aussichtsturm:

Nach dem vermeintlichen Hirschsprung ging es dann bergauf zum Diana Turm. Der Aussichtspunkt schlechthin. Da man dort mit der Seilbahn hochfahren kann und kostenlos mit dem Fahrstuhl auf den Turm kommt, ist es dementsprechend voll (mit faulen wanderunwilligen Touris). Der Weg zum Turm hat es dann doch schon ein bisschen in sich und uns war stellenweise nicht klar ob wir denn überhaupt richtig sind und nicht eher einem Trampelpfad folgen. Egal, es gab überall eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt, die Wälder und die umliegenden Aussichtspunkte.

Zum Glück waren wir schon recht früh los gewandert, denn gegen Mittag wurde es oben voll. Es gibt dort eine hübsche Gaststätte, einen kleinen Imbiss, ein Schmetterlingshaus und einen winzig kleinen „Tierpark“. Also etwas für die ganze Familie. Die Aussicht vom Turm ist wunderschön und ein absolutes Must wenn man in der Stadt ist.

 

Wanderung Aussichtsturm Karl IV:

Vom Dianaturm führt ein recht entspannter Waldweg zum Aussichtsturm Karl IV. Da wir natürlich keine richtige Wanderkarte dabei hatten sondern nur einen kostenlosen Stadtplan aus der Touristeninfo und auch ansonsten nicht viel Plan, hatten wir es anfangs etwas schwer den Weg zu finden aber irgendwann machte es Klick und wir erkannten den Farbcode mit dem die unters. Hauptwanderrouten gekennzeichnet sind. Die tschechische Ausschilderung macht es einem nämlich nicht leicht wenn man nur die deutschen Bezeichnungen kennt. Dieser Wanderweg hat mir am besten gefallen. Keine große Steigung. Schön durch den frühlingshaften hellgrünen Laubwald und nur ein kurzer Spaziergang vorbei an einer kleinen Waldkapelle.

Der Aussichtsturm aus dem Jahr 1877 ist sehr hübsch anzusehen. Es führt eine super schmale Wendeltreppe erst auf ein sonniges Zwischendeck und dann auf die schmale Turmspitze. Ganz oben war es mir Höhenangstler allerdings nichts, da die Plattform winzig war und das Geländer niedrig.

Von dort ging es dann bergab wieder zur Talstation der Seilbahn. Die Wege sind sehr gut ausgebaut und leicht zu bewandern. Genau das richtige für Anfänger wie mich.

Wanderung 3 Kreuze:

Der Aussichtspunkt 3 Kreuze liegt auf der anderen Seite vom Tal. Man gelangt von der Maria Magdalena Kirche aus auf einen hübschen Panorama Weg der sich die Stadt lang hoch schlängelt.

Danach kreuzt man eine recht befahrene Straße und landet im Wald wo sich weitläufige Serpentinen den Berg hoch schlängeln. Wieder ein sehr schöner gut begehbarer Waldweg der vers. kleine Aussichtspavillions beinhaltet bevor man oben angekommen die 3 Holzkreuze von 1620 erblickt, die leider völlig durch einen hässlichen Telefonmast (aus dem Bild ausgeschlossen) verschandelt wurden. Hier gibt es wieder eine kleine Hütte die sich mit Bank und Tisch perfekt für ein Picknick mit schöner Aussicht eignet.

Man kann auch irgendwie mit vers. Buslinien näher an den Berggipfel heran fahren wo man nicht mehr ganz so weit vom Tal nach oben wandern muss. Die Tourismusseite der Stadt hat eine sehr schöne Beschreibung dazu (hier)

Food:

Für fleischfressende Foodies ist die Tschechei ein Träumchen. Riesen Portionen an Fleisch und Knödeln zumeist in leckerer Soße. Für Vegetarierer nicht ganz so leicht verdaulich, denn wenn man keinen Salat essen will, gibt es alles andere immer nur frittiert. Frittierten Käse, frittierten Blumekohl, frittierte Pilze.

Ich hatte über Tripadvisor 2 günstige Restaurants raus gesucht. Restaurant Sklipek in der Nähe der Einkaufsstraße und super unscheinbar in einem Keller. Nette urige Einrichtung und eine sehr preiswerte Speisekarte. Die Auswahl ist nicht enorm groß aber jeder ürfte etwas passendes finden. Bier und Becherovka waren billig. Was will man mehr.

 

Im Restaurant U Krizovniku gleich neben der Maria Magdalena Kirche, auch im Keller ist die Auswahl größer. Die Preise sind etwas höher aber absolut erträglich. Uns hat es dort so gut gefallen, dass wir einmal Mittags und einmal Abends dort waren. Mein Highlight: der Ziegenkäse – Rote Beete Salat. Endlich mal nichts frittiertes.

Es ist nicht so, dass es nicht genug Restaurants geben würde, im Gegenteil – es gibt sie im Überfluss aber beim Blick auf die Karte wird schnell klar, dass die Preise im Kurviertel mindestens doppelt so teuer sind. Und warum mehr zahlen wenn man auch in den günstigeren Restaurants sehr leckere Speisen bekommt.

Rückfahrt:

Die Rückfahrt haben wir dann gleich noch für ein paar weitere Ausflugsziele genutzt.

Burg Loket

20 Minuten von Karlsbad entfernt (wenn man im Kreisverkehr nicht ständig falsch abgebogen wäre, so wie wir) trohnt die Burg auf einem Hügel über der Stadt umschlossen von der Eger. Was für ein Anblick. Die wussten damals schon wo sie ihre Schlösser und Burgen hinbauen. Eintritt sind 6 € die wir uns gespart haben, da wir einen straffen Zeitplan hatten. Auch der Altstadt Kern des kleinen Örtchens ist sehr ansehenswert und niedlich.

Fichtelberg

Wenn man schon in Oberwiesenthal über die Grenze fährt, muss man natürlich noch schnell einen Abstecher auf den Fichtelberg machen. Mit dem Auto ist man schnell hoch gefahren. Ich war schon so viele Male dort und nur einmal hatte ich auch wirklich eine schöne Sicht auf das Erzgebirge. Trotzdem definitiv ein Must See, wenn man schon mal lang kommt.

Schloss Schlettau

Nach einem kurzen Mittagessenabstecher noch mal ins tschechische Bozi Dar ging es dann zum Schloss Schlettau. Sehr klein und niedlich alles aber kann man sich mal angesehen haben. Es gibt einen kleinen aber feinen Schlosspark und eine hübsche Ausflugsgaststätte.

Burg Wolkenstein

Am beeindruckensten war dann unser Abstecher zur Burg Wolkenstein die wirklich in den Wolken erbaut wurden zu sein scheint. Zumindest hat man das Gefühl wenn man unterhalb die Landstraße lang gefahren kommt und die Burg sich vor einem auftut. 70 m über der Zschopau liegt die Burg auf einem Felsen. Unterhalb gibt es eine sehr interessante Übernachtungsmöglichkeit. An dem kleinen Bahnhof wurden nämlich ausgemusterte Bahnwagen zu Ferienwohnungen umgebaut. Genau das richtige für einen Familienurlaub.

Über eine Serpentinenstraße geht es dann nach oben in den kleinen hübschen Ort. So malerisch dort. Die Burg an sich ist nicht so spektakulär. Es gibt innen ein Burgmuseeum und eine Folterkammer zu besichtigen sowie am Wochenende und in den Ferien eine Falkner Show. All das machten wir nicht und stürmten gleich raus auf die verschiedenen „Aussichtsterrassen“ der Burg. 26 Grad, Sonnenschein, ein laues Lüftchen und dann dieser Ausblick. Könnte schlechter laufen im Leben.

Ein perfekter Ort für einen Sonntagsausflug.

Fazit:

Liebe auf den ersten Blick. Mir kamen tatsächlich ein bisschen die Überwältigungstränchen bei so viel Schönheit. Wir hatten natürlich auch noch perfektes Wetter, was so einen Ort ja noch schöner werden lässt aber ich denke auch bei schlechterem Wetter hat Karlsbad einen ganz besonderen Charme. Man kann z.B. ins Becherovka Museeum oder eine Heiße Quellen Underground Tour machen oder sich in einem der vielen Thermalbäder entspannen. Ich würde jedem einen Ausflug dort hin ans Herz legen weil es einfach so viel zu entdecken gibt.

Und auch die sächsische Seite im Erzgebirge hat so viel zu bieten und ist immer einen Ausflug wert.

Ein perfektes Wochenende an dem ich wieder viel neues gelernt, erlebt und gesehen habe!



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