Wwoofing in Neuseeland

Wwoofing in Neuseeland

Ich mache Wwoofing in Neuseeland! Einige werden sich jetzt vielleicht fragen was für eine Krankheit das ist 😀

Info

Wwoof – world wide opportunities on organic farms. Das ist ein weltweites Netzwerk von Bauernhöfen, Menschen mit großen Gärten oder andern Gemeinschaften, die einen Ökogarten, eine Ökofarm oder eine Ökolebensweise haben. Das Konzept ist folgendes: Man arbeitet ca. 3 bis 5 h im Garten oder im Haushalt und bekommt dafür Kost und Logis gestellt.

Jedes Land hat seine eigene Wwoofing Website, wo man für einen kleinen Unkostenbeitrag eine jährliche Mitgliedschaft erwirbt. Ich bin bei wwoof.nz angemeldet. Hat mich, glaube ich, 30 Dollar gekostet (also so 17€)

Ich finde das ist eine absolut großartige Möglichkeit das echte Leben in einem fremden Land besser kennen zu lernen. Man hat nahezu keine Ausgaben in der Zeit aber lernt viel, erlebt viel und hat trotzdem genug Freizeit um das Land zu sehen.

Man kann das übrigens auch in Deutschland machen. Hier gibts einen netten Beitrag dazu. (generell ein sehr toller unterhaltsamer und informativer Channel)

Was man grundsätzlich braucht ist eine Arbeitserlaubnis. So weit ich weiß, hat man die als Deutscher für ganz Europa und hier in NZ bin ich mit einem working holiday visa. Ich habe aber gehört, dass es z.B. in Südamerika ziemlich egal ist was für ein Visum ihr da habt oder ob ihr überhaupt eins habt. Die freuen sich immer über Hilfe.

 

Wie finde ich einen Wwoofing Host?

 

Das funktioniert recht einfach. Man hat also diese Website und kann dann anhand einer Map oder einer Stichwortsuche Hosts suchen. Also z.B. suche ich in der Region Christchurch oder ich habe nach dem Begriff Alpaka gesucht, da ich gerne mit Alpakas arbeiten würde. Dann bekommt man eine Liste mit Vorschlägen. Man sieht ein Bild der Familie, der Unterkunft oder des Geländes und eine Art Steckbrief. Was wird erwartet, wie lange kann man dort bleiben, welche Kenntnisse sollte man haben, auf was wird Wert gelegt usw. Es gibt dann meist noch mehr Bilder von allem um einen besseren Eindruck zu bekommen. Viele haben auch einen Kalender, wo sie hinterlegen ob und wann sie verfügbar sind.

Mein Tipp: Wenn ihr was spezielles sucht, wie ich mit den Alpakas, dann fangt frühzeitig an mit dem Nachfragen. Alpaka Familien gibt es auf der Südinsel sehr wenige und leider sind alle momentan nicht verfügbar oder haben gerade Wwoofer.

Kurzfristig sind wohl eher Farmen zu finden, die etwas abgelegen sind. Da ich nur bedingt mobil bin, suche ich natürlich in Gegenden wo auch ein Bus hin fährt.

Wenn euch dann ein Host gefällt, könnt ihr ihn erst mal als Favorit speichern oder gleich anschreiben. In dieser Mail schreibt ihr ein bisschen was über euch, wann ihr verfügbar seid und wie lange und warum ihr dort arbeiten wollt.

Wenn ihr Glück habt, dann bekommt ihr eine Antwort (ich würde schätzen 70% schreiben zurück) und wenn ihr noch mehr Glück habt, dann dürft ihr dort einziehen. Es dauert aber immer ein bisschen bis man etwas passendes gefunden hat also verzagt nicht gleich beim ersten Anlauf.

 

Alternativen

 

Eine super Alternative ist Workaway oder HelpX  Die agieren auf einer Website weltweit. Auch hier zahlt man einen kleinen Unkostenbeitrag für eine Mitgliedschaft.

Auf diesen Seiten bieten alle möglichen Menschen ihre Unterkunft gegen vers. Arbeit an. Oft sind es alte Leute, die viel Platz in ihrem Haus haben und Hilfe im Haushalt brauchen oder aber auch Hostels, in denen man 2-3 h arbeitet und dafür dort kostenfrei ein paar Wochen übernachten kann.

Ich bin dort auch angemeldet und habe einen dieser Hosteljobs gefunden, wo ich in ein paar Wochen anfangen werde (bzw. gerade bin, wenn der Beitrag online geht)

Toll sind auch Seiten wie backpackerguide.nz oder backpackerboard.co.nz. Dort gibt es auch jede Menge unterschiedlicher Angebote ob nun im Bereich Jobs oder Unterkünfte, allgemeine Tipps etc.

Und Facebook natürlich. Eine riesen große Hilfe bei allen Problemen. Die Schwarmintelligenz hilft immer weiter. Ihr sucht eine Übernachtungsmöglichkeit, ein Auto, einen Job, jemand der etwas repariert, Travelbuddies etc, dann fragt dort nach oder scrollt durch die unterschiedlichen Backpacker Gruppen.

 

Ist das Ganze sicher?

 

Ich denke ja. 100% kann man sich nie irgendwo sicher sein aber ich denke wwoofing wird nur von einer bestimmten Menschengruppe angeboten und angenommen. Das sind meist friedliebende Ökos, die keiner Fliege etwas antun wollen und nur gute Dinge im Sinn haben (so wie ich :-D)

Und NZ – ich meine, habt ihr jemals schon mal was schlimmes über die Menschen hier gehört oder gelesen? Ich nicht!

Außerdem gibt es ja immer noch die Bewertungen und man kann auf der wwoofing und helpx Seite auch Leute melden, wo einem etwas komisch vorkommt. Ich habe mir nur Hosts ausgesucht, die viele Bewertungen haben.

Generell würde ich sagen – hört auf euer Bauchgefühl. Kommt euch was komisch vor, dann lasst die Finger davon. Z.B. gibt´s auf Facebook immer mal so mega Jobangebote, wo man angeblich super viel Geld verdient und nicht viel machen muss – neeee, lasst die Finger von sowas!

 

Meine Wwoofing Erfahrung

Familie 1

Meine ersten paar Tage in Neuseeland verbrachte ich in Christchurch in 2 vers. Hostels um erst mal unkompliziert hier anzukommen (könnt ihr hier nachlesen). Ich hatte mir bereits von Australien aus meine erste Wwoofing Familie in Christchurch ausgesucht. Ein schwules älteres Pärchen. Ich wollte gern erst mal in Stadtnähe bleiben um ein paar Dinge problemlos regeln zu können, wie Konto Eröffnung, Handy, Steuernummer usw. Beitrag dazu gibts hier.

Ich hatte mit den beiden vorab ein paar Mails hin und her geschrieben und wir konnten uns schnell auf Datum und Uhrzeit meiner Ankunft einigen.

 

 

 

 

Das hübsche kleine Haus liegt nur eine viertel Stunde mit dem Fahrrad von der Innenstadt entfernt, in einer sehr netten Wohngegend. Sie haben einen Garten am Haus, der sehr hübsch anzusehen ist und eine Art kleinen Schrebergarten 1 km entfernt, in dem sie ihr eigenes Gemüse anbauen.

 

 

 

 

Die Begrüßung von einem der beiden war sehr nett. Der andere etwas reserviert, was sich auch die ganze Zeit über nicht ändern sollte.

Ich bekam ein kleines feines Zimmer. Das Bad teilen wir uns. Dann gab es erst mal einen kleinen Lunch und ein bisschen Small Talk.

 

 

 

Ich bekam ein Fahrrad und einen Helm (Helmpflicht in NZ) und es ging gleich los mit der Arbeit im Schrebergarten. Unkraut jäten. Ich habe sowas vorher noch nie gemacht. Aber das Wetter war sehr schön und die Flächen nicht überwältigend groß und so machte mir das Ganze tatsächlich richtig viel Spaß. So eine kleine Auszeit fürs Hirn. Die einen meditieren und die anderen zupfen Unkraut. 😀

Nach 3 h war mein erster „Arbeitstag“ wieder vorbei und ich bekam das Rad zur freien Verfügung in die Hand gedrückt. Sehr praktisch sein eigenes Fahrrad zu haben um die Gegend zu erkunden oder Besorgungen zu machen.

Zum Abendessen gab es dann Kürbissuppe und Spargelröllchen, mit dem Gemüse aus dem eigenen Garten. Großartig! Ich war so glücklich endlich gesundes Essen zu haben, nach all dem Mist den ich die letzten Tage und Wochen verdrückt hatte.

Allerdings war die Stimmung beim Abendessen mehr als schlecht. Ich weiß nicht ob der Haussegen schief hängt, sie generell nicht viel miteinander reden oder ein wichtiger Termin, der in die Hose gegangen war, der Grund für die schlechte Stimmung war aber ich fühlte mich super unwohl. Ich meine es ist schon komisch genug in einem fremden Haus bei fremden Leuten zu leben. Und wenn man dann nicht so richtig integriert wird oder mit einem geredet wird, dann macht es einem die Sache nicht leichter. Deshalb zog ich mich nach dem Essen direkt in mein Zimmer zurück.

Aber wir arrangierten uns über die nächsten Tage ganz gut. Den Vormittag verbrachte ich mit dem Kommunikativerem der beiden mit unterschiedlichen Arbeiten. Mal mit Unkraut zupfen, Rasenkanten per Hand verschneiden oder das Haus putzen.

Das Essen blieb weiterhin gut und frisch und abwechslungsreich. Die beiden sind eigentlich keine Vegetarier aber es funktionierte trotzdem ganz gut. So wurde das Fleisch erst später in die Suppe getan oder ich bekam die Beilagen. Alles kein Problem.

 

 

 

 

Zum Frühstück gab es immer Porridge mit frischen oder eingekochten Früchten. Super lecker!

Den einen Tag wurde ein Kuchen gebacken.

Also Essenstechnisch hatte ich absolut nichts auszusetzen, im Gegenteil – sehr lecker!

Und auch die Arbeit war absolut in Ordnung. Nicht unbedingt immer spaßig aber 3-4 h körperlich arbeiten ist nun echt keine große Sache, wenn man davor gefühlt den Großteil seines Lebens mit geistiger Verblödung und Unterforderung im Büro verbracht hat. #boredout

Von 8:30 bis mittags wurde normalerweise gearbeitet. Der Nachmittag war zu meiner freien Verfügung. Was ich da alles so gemacht habe, könnt ihr hier nachlesen.

Die beiden sind super viel mit vers. sozialen Projekten beschäftigt (Lehrer in der Erwachsenenbildung oder Fahrradclubvorsitzender)

Einer meiner Hosts ist Vorsitzender vom Biketober, einer Fahrradveranstaltungsreihe im Oktober.

An einem Tag wurde ein Fahrradfrühstück veranstaltet. Wir standen um 6 Uhr auf und fuhren zu einer Kreuzung um dort, mit weiteren Freiwilligen, an alle die mit dem Rad zur Arbeit fuhren, kostenlos Kaffee, Bananen und Muffins zu verteilen.

Ich lernte dort eine nette Dänin kennen, die mir erklärte, dass hier die Sache mit dem Fahrradfahren noch recht rückschrittlich ist und gerade erst einen Aufschwung bekommt und alle so stolz auf ihre neuen Radwege sind (wirklich schön geworden mit extra Fahrradampeln, Messungen wie viele Radfahrer wo entlang fahren, kostenlosen Reparaturstationen, kostenlosen Fahrradkarten oder einer eigenen Homepage)

Während es in Europa ja schon recht normal ist Fahrradwege zu haben und viele Menschen, die jeden Tag Rad fahren, so ist es hier noch etwas Besonderes.

Das war anfangs etwas schwer für mich zu begreifen, warum mich jeder fragt ob ich Radfahren kann oder ein eigenes Rad in Deutschland habe. Das ist ja total normal für uns. Hier halt nicht.

Sogar der Bezirksbürgermeister, der die neuen Radwege unterstützt, kam vorbei.

Es war jedenfalls super interessant dort dabei zu sein. Auch wie aufgeschlossen die Menschen waren, die dort anhielten um etwas zu essen. Da wurde mit Wildfremden über Gott und die Welt geredet.

In Deutschland wäre doch jeder skeptisch und würde sich fragen was die jetzt von einem wollen, wenn man da etwas kostenlos verteilen würde.

An meinem letzten der 5 Tage hier, hatte ich sogar den ganzen Tag frei weil das Wetter so schlecht war und die beiden keine weitere Aufgabe im Haus für mich hatten.

Das einzige was mir fehlte, war so die gewisse Herzlichkeit, Integration und Kommunikation. Ich war schon recht viel allein und hatte oft nicht so einen genauen Zeitplan, sodass ich manchmal nicht wusste ob jetzt noch mehr Hilfe erwünscht ist oder nicht.

(edit: Ich habe von beiden eine ganz liebe Bewertung auf Wwoofing bekommen. Sie meinten, dass ich mehr wie ein Freund war und nicht wie ein Gast und das wir tolle Unterhaltungen hatten.  Immer interessant wie anders, die andere Seite das Ganze sieht)

Ich habe mich die Woche aber auch mit einem deutschen jungen Mädchen getroffen, die auf Facebook nach Gesellschaft gesucht hatte und die hatte so richtig ins Klo gegriffen mit ihrer Hostfamilie. Ein Reiterhof in der Pampa. Zwar mit netten Menschen und Essen allerdings super eklig schmutzig und sie musste den kompletten Tag arbeiten und nicht nur 3 – 5 h. Dort hätte ich es keinen Tag ausgehalten und vom Haus waren vorab auch keine Bilder auf der wwoofing Seite. Man kann also auch mal Pech haben aber niemand zwingt einen dort zu bleiben. Man hat keinen Arbeitsvertrag oder irgendwas und kann jederzeit gehen, wenn einem die Umstände nicht passen oder man sich einfach nicht versteht mit seinen Hosts.

 

 

Fazit

 

Für den Anfang hatte ich wirklich Glück mit meiner Familie. Da ich schon ein großes Mädchen bin und allein sein gewöhnt bin, war es für mich nicht allzu schlimm, mich hier nicht so richtig familiär zu fühlen aber für jemanden der mit Anfang 20 hier ganz allein ist, ist es vielleicht nicht das richtige. Von daher würde ich diese Hosts eher unabhängigeren gestandeneren Erwachsenen oder Paaren empfehlen.

 

Familie 2

 

Meine 2. Wwoofing Familie lebt im wunderschönen Akaroa (Post dazu kommt) in einem absoluten Traumhaus. Eine riesen Villa aus Glas und Beton.

 

 

 

 

Mit einer riesen Terrasse und  atemberaubenden Ausblick auf die French Bay. Auf den ersten Blick der absolute Traum. Aber dazu später mehr….

 

 

 

Er ist so ein bisschen der „Bürgermeister“ vom Ort und für die Kreuzfahrtschiffe verantwortlich, die ab dem Frühjahr mehrmals die Woche die kleine Bucht von Australien aus anlaufen. Noch dazu ist er im Yachtclub, im Whiskyclub und in anderen Vereinen im Ort tätig.

Sie leitet ein kleines Luxus B&B, welches nur wenige Schritte den Berg lang runter romantisch an einem Bach liegt.

Sie trägt eine Rolex am Arm und sie haben die letzten 4 Monate in Europa verbracht, unter anderem auf einer langen Flusskreuzfahrt und bei einem berühmten Oldtimer Rennen in England.

Klingt alles ziemlich geil oder?!

War es am Ende aber nur so semi und ich habe so viel aus dieser Zeit gelernt.

Z.B. das so ein Haus zwar mega Stylo aussieht aber das unpraktischste ist, in dem ich je Zeit verbracht habe. Zum einen ist es viel zu groß. Mir wurde erst in der 2. Woche klar, wie groß die Hütte eigentlich wirklich ist als ich an der anderen Seite des Hauses Unkraut jäten musste und der Weg dahin verdammt weit war. Es gibt 3 Etagen und am „normalen“ Haus noch eine Art Anbau mit 2  Etagen.

Angeblich wurde das Haus beim Erdbeben 2011 stark beschädigt, sodass seitdem die beiden unteren Etagen nicht nutzbar sind aber ich zweifle ein bisschen daran, dass die unteren Etagen jemals richtig fertig waren. Absolute Baustelle ohne richtige Wände. Auch dort wo die Eingangstür sein sollte, ragen die Stalträger aus dem Haus, sodass immer der Seiteneingang genutzt wurde.

 

 

 

Das Haus ist schlicht und ergreifend viel zu groß! Niemand kommt hinter her damit irgendwas fertig zu stellen, zu reparieren oder sauber zu machen. Auf den ersten Blick alles ganz wunderbar aber auf den 2. für mich der absolute unordentliche, unfertige, schmutzige Albtraum und ich bin weiß Gott nicht der ordentlichste Mensch auf dem Planeten aber einige der ungenutzten Zimmer waren einfach nur mit Matratzen und Decken und Müll bis an die Decke zugestopft. Oder im Schlafzimmer lagen immer noch die Koffer und Klamotten der Reise verstreut, die 3 Wochen her war.

Zum anderen wirkt so ein Glas/Betonkasten einfach nur wahnsinnig ungemütlich, wenn man sich darin befindet. Als ich dort ankam, waren es draußen 13 Grad und die Hütte war verdammt kalt und nur das Wohnzimmer wurde durch den Ofen beheizt. Während meiner Zeit dort, sind es 27 Grad geworden und durch die riesen Glasfront und Südseite, hat sich der Wohnzimmer/Küchenbereich so aufgeheizt, dass man sich da drin gefühlt hat wie in einem Gewächshaus. So schön es auch aussieht – unpraktisch ohne Ende. (Nachdem ich dort gewohnt habe, weiß ich erst recht warum ich mein Tiny House haben will)

Ich hatte ein kleines Studio im untersten unfertigen Geschoss. Zwar mit eigenem Bad und kleiner Küchenzeile aber auch mega ungemütlich, dunkel und sehr zugemüllt mit Decken und alten Möbeln. Ich habe mich dort gar nicht wohl gefühlt. Wlan gab es leider auch nicht, was allerdings nicht so schlimm war, da ich das vorher wusste. Niemand in den öffentlichen Haushalten hat hier Wlan weil die keine ordentlichen Kabel dafür im Ort verlegt haben. Lediglich die Schule und die Bib, wo ich dann fast jeden Tag hingegangen bin, hatten Breitband Speed Wlan Connection.

 

 

Zu meiner Arbeit dort: 5 h pro Tag und jeden verdammten Tag in der Woche. Völlig wwoofing untypisch. Es ist selten, dass man 5 h irgendwo arbeiten muss und dann auch nie die ganze Woche. Dadurch, dass die 4 Monate nicht da waren, gab es super viel zu tun. Der Garten bestand nur noch aus Unkraut und auch sonst gab es unendlich viele Baustellen. Ich habe während meiner Zeit dort den Garten wieder zu einem ordentlichen Gemüsegarten umgestaltet und alles mögliche angepflanzt von Kartoffeln über Bohnen, Möhren bis hin zu Pak Choi. Die Arbeit hat mir auch viel Spaß gemacht, da man etwas sinnvolles erschaffen hat und sein Projekt hatte, um das man sich kümmern konnte aber gerade an den 27 Grad Tagen war es unendlich anstrengend in der Mittagshitze ohne Schatten dort zu werkeln.

 

 

 

Zusätzlich war ich noch für das Housekeeping im B&B verantwortlich. Zimmer putzen, Betten neu beziehen, Servietten bügeln, Frühstückstisch decken, Staubsaugen. An sich auch kein so schlechter Job, wenn, ja wenn es ein Job gewesen wäre. Also wenn ich Geld dafür bekommen hätte. Die ersten Tage habe ich komplett allein 5 h in einem sehr kalten Haus verbracht ohne etwas zu essen oder zu trinken und mit einem riesen Haufen an Arbeit den ich erledigen musste. Das war schon ein bisschen ernüchternd.

 

 

 

 

Dazu kamen so Aufgaben die schon jahrelang keiner gemacht hatte und wo sie ausgenutzt haben, dass ich gerade mal da war.

Mein großes Problem war aber, dass ich über die Hälfte der Zeit früh meine Tagesaufgaben gesagt bekommen habe und von da an komplett allein war. Ich habe allein meine Aufgaben erfüllt, habe allein mein Lunch gemacht, habe allein den Nachmittag im wunderschönen Akaroa verbracht und habe mir dann mein Abendessen allein gekocht. Und das ist einfach nicht Sinn und Zweck von wwoofing und so stand es auch nicht in der Beschreibung. Wwoofing ist dafür da, dass man sich gegenseitig austauscht. Und so einen Austausch gab es leider gar nicht. Das war für mich sehr ernüchternd und enttäuschend.

 

 

 

 

Am letzten Abend versprach man mir, dass es heute ein richtiges großes Familienessen geben würde. Zum einen gab es nur Salat aber was noch schlimmer war, er telefonierte die ganze Zeit und sie stand einfach auf, noch während alle aßen, um Wäsche aufzuhängen. Außerdem lief die ganze Zeit der Fernseher. Also wieder nichts mit gemeinsam oder einem Austausch.

Die beiden waren schon nette Menschen, so ist es nicht.

Ich durfte einen Morgen mit aufs Boot, als er ein großes Kreuzfahrtschiff im Hafen beim Ankern geholfen hat. Oder an einem anderen Abend haben sie mich mit in ein Pub zu ihren Freunden eingeladen. Allerdings haben sie auch dort nicht mit mir geredet. Ein netter älterer Mann und seine Frau haben sich dann den Abend mit mir unterhalten und mehr Interesse an mir gezeigt und mehr mit mir geredet, als die beiden die ganzen 2 Wochen über.

 

 

 

 

Mein absoluter Hassatz war: „I´m too busy to …“ Den Satz habe ich ungelogen jeden Tag 5 mal gehört. Ich hätte dir ja gern im Garten geholfen aber ich war zu beschäftigt. Wir hätten ja gern deine Fotos von Akaroa gesehen aber wir waren zu beschäftigt. Ich bin zu beschäftigt um a und b zu machen, deshalb musst du das machen.

 

 

 

 

Vielleicht habe ich auch einfach nur einen scheiß Zeitpunkt erwischt und bin selbst schuld, dass ich so gute schnelle Arbeit geleistet habe, die dann bis zu meiner völligen Erschöpfung ausgenutzt wurde.

(edit: Auch hier habe ich eine sehr sehr gute Wwoofing Bewertung bekommen, wie sehr ich ihnen ans Herz gewachsen bin und was wir für tolle Konversationen hatten …*hatten wir die?!)

Ich hatte mir halt einfach ein bisschen etwas anderes darunter vorgestellt.

 

Fazit:

 

Ich habe 3 wichtige Dinge gelernt:

  1. Vertraue nie dem schönen Schein! Nichts ist so wie es auf den ersten Blick aussieht.
  2.  Mein Bauchgefühl liegt einfach immer genau richtig. Ich hatte noch bevor ich dort ankam, einer Freundin eine Nachricht geschrieben, dass die Bilder auf der wwoofing Website einfach zu schön aussehen und das irgendwas faul sein muss. An den Bildern war ja am Ende nichts faul aber das Preis-/leistungsverhältnis stimmte in keiner Hinsicht
  3.  Ich möchte schon jetzt behaupten, dass Akaroa der schönste Ort in ganz Neuseeland ist! (was ich dort so gemacht habe, könnt ihr ab hier nachlesen)

Ganz ehrlich, wenn der Ort nicht so zauberhaft gewesen und ich mich dort so verdammt wohl gefühlt hätte, dann wäre ich schon eher wieder von dort verschwunden.

 

 

 

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

 

Die beiden Familien hätten unterschiedlicher nicht sein können:

2 ältere kinderlose schwule Herren vs. eine Familie mit 6 Kindern und 4 Enkeln (leben alle in Christchurch).

Die einen im urbanen Christchurch – die anderen im touristisch beschaulichen Akaroa.

Kleines gemütliches altes Stadthaus gegen moderne riesen Villa mit mega Ausblick.

Schlechtes und sehr kaltes Christchurch Wetter gegen 27 Grad und jeden Tag Sonnenschein Badewetter in Akaroa.

Gemeinsames entspanntes arbeiten im Garten und im Haushalt gegen jeden Tag allein schwer arbeiten.

3 h Arbeit und einen Tag frei gegen 5 h arbeiten und nie frei.

Mega gesundes leckeres Essen aus dem eigenen Garten und das 3 mal am Tag gegen ich muss mir jede Mahlzeit selbst kochen (bester Fall), sie war mal nicht too busy und hat etwas geschmackloses, fettloses, ungewürztes gekocht (mittelschlechtester Fall) zu wir haben dir etwas runtergesetztes abgelaufenes aus dem Supermarkt mitgebracht was du essen kannst (schlechtester Fall – und Sidenote: Ich habe nichts davon gegessen! Die können ihren ollen 2 Tage überfälligen Majokartoffelsalat oder ihr abgelaufenes Hähnchensandwich (sie wussten eigentlich, dass ich Veggie bin) selbst essen – haben sie dann aber auch nicht und das Zeug lungert wahrscheinlich immer noch im viel zu großen vollgemüllten Kühlschrank herum)

Wir haben 3 bis 5 mal im Monat einen Wwoofer und gehen dementsprechend routiniert damit um und die Arbeit ist deshalb nicht ganz so viel und schwer gegen wir haben nur ein paar Mal im Jahr einen Wwoofer und der muss dann alle ungeliebten schweren Arbeiten machen, für die wir „too busy“ waren.

Gemeinsamkeit: Ich will mich ja nicht selbst loben aber ich möchte behaupten, dass ich eine sehr fleißige schnelle und gründliche Arbeitskraft war, denn zumindest haben mir das beide Familien am Ende gesagt. Ich könne jederzeit wieder kommen weil ich so gute Arbeit geleistet habe. Und ich habe von allen zum Schluss eine dicke Umarmung bekommen. Ein bisschen Lob tut am Ende ja auch der Seele gut.

 

Erstes Wwoofing Fazit

 

Ich habe mich an beiden Orten familiär nicht integriert gefühlt.

Aber ich habe enorm viel über mich selbst und fürs Leben gelernt. Ich habe mein Interesse für Gartenarbeit entdeckt. Wobei ich am liebsten ja die groben Arbeiten mache wie einfach nur alles Unkraut ohne Rücksicht auf Verluste aus der Erde zu ziehen oder kleine Pflanzen in den Boden stecken und sich jeden Tag darum kümmern und sie vor Salatknabbernden Hasen beschützen (ist passiert, dabei dachte ich, dass die hier gar keine Hasen hätten). Nicht so gern mochte ich so fragile arbeiten wie winzige Samen in ordentlichem Abstand sähen oder Rasenkanten mit der Hand verschneiden.

Ich bin also mehr so die Person fürs Grobe. ;-D

Und draußen sein, dass war auch voll mein Ding. Nach 12 Jahren sonnenlosem, trostlosem, geistlosem (Gruß an die ehemaligen Kollegen) Büroknast in dem ich nichts bedeutungsvolles für die Welt getan habe, tat es einfach nur gut in der Natur zu sein und ein paar kleinen Pflänzen beim Wachsen zuzusehen oder dann sogar deren Früchte zu essen, wie frischen grünen Spargel bei Familie 1.

Auch wenn nicht alle Erfahrungen rosa rot waren und ich einige Tiefpunkte hatte, halte ich wwoofing trotzdem noch für eine der besten Erfindungen seit dem Internet und werde versuchen den Großteil meiner Zeit mit wwoofing in NZ zu verleben.

Ich werde euch also wahrscheinlich weiterhin über meine Erlebnisse auf dem Laufenden halten. Als nächstes stehen 2 Wochen Helpx Arbeit an.

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere