Zürich – Must see oder nicht?!

Zürich – Must see oder nicht?!

 

 

Wien, München, Vancouver und Zürich. Diese Städte haben vieles gemeinsam – Wasser, Berge, astronomisch hohe Mietpreise und sie gehören in die Top 5 der lebenswertesten Städte der Welt. Seit 2009 landet Zürich „nur“ noch auf Platz 2 im Ranking hinter Wien, vorher war es jahrelang die Nummer 1.  Da frage ich mich doch: ist Zürich wirklich so lebenswert und habe die Stadt an der Limmat mal genauer unter die Lupe genommen.

 

 

 

 

Anreise

 

Wittenberg – Zürich und das in 7,5 h ICE Fahrt mit einem Umstieg in Frankfurt für grandiose 39 € Sparpreis Europa. Da kann man echt nicht meckern (außer vielleicht über die Klimaanlage im ersten ICE, die den Zug auf 15 Grad herunter gekühlt hat *bibber*)

 

 

 

 

Unterkunft

 

Der frühe Vogel… bekommt das preisgünstige zentrale Hotel in Zürich. Das Montana Hotel liegt in einer kleinen Seitenstraße neben dem Bahnhof. Sehr schöne Unterkunft mit Nespresso Maschine auf dem Zimmer und niedlicher Frühstücksbar. Man kann so ziemlich alles zu Fuß erlaufen und für den Rest liegt der Bahnhof ja gleich um die Ecke. 75€ im Doppelzimmer mit Frühstück – das findet man in solch Lage wohl sicher eher selten in Zürich, deshalb absolute Buchungsempfehlung meinerseits.

 

 

 

 

Innenstadt

 

Alles ist irgendwie so schrecklich niedlich. Ich kann das gar nicht beschreiben, denn Zürich gleicht keiner Stadt in der ich je war. Schon allein die beiden Flüsse die durch die Innenstadt fließen und die darauf schwimmenden Schwäne und die vielen Brücken machen es irgendwie schon zu etwas besonderem. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, dann hätte ich mich noch viel länger durch die vielen hübschen Gässchen treiben lassen.

 

 

 

 

 

 

 

Lindenhof

 

Der Lindenhof ist das erste Must See der Stadt. Auf einem kleinen Hügel lag mal ein Teil der Stadtbefestigung und ein Kastell. Heute ist dort ein schöner schattiger Platz von dem aus man über die Altstadt und die Limmat gucken kann.

 

 

 

 

 

 

Architektur

 

Die Züricher Architektur ist irgendwie ganz besonders. Ich habe sowas noch nie gesehen. Es gibt dort recht wenig altes. Das hat mich total verwirrt. Viele Häuser sehen aus wie aus den 50er Jahren. Alle mit Fensterläden aber ansonsten ohne große Schnörkel in einem cleanen Design. Ab und an hat man schon mal ein altes Gebäude aus dem Mittelalter oder der Gründerzeit aber das kann man einfach gar nicht mit Wien  vergleichen, wo einem an jeder Ecke Gothik oder Barock entgegenspringen.

 

 

 

 

Nach kurzer Recherche habe ich gelernt, dass Zürich bis Mitte des 20. Jh. eine Kleinstadt war und von 1950 bis 1970 der Bauboom hier ausbrach. Das erklärt dann natürlich alles.

 

 

 

 

Schifffahrt auf dem Zürichsee

 

 

 

 

Ein weiteres Must Do! Der Zürichsee ist riesig. Der kleinste Teil an dem See ist Zürich. Es liegen gefühlt 100 weitere Ortschaften um den See herum. Ich habe nur die kleine 1,5 h Rundfahrt ab dem Bürkliplatz gemacht. Die Schiffe sind alle keine richtigen Ausflugsschiffe, sondern öffentlicher Nahverkehr mit dem man von jedem kleinen Ort am See nach Zürich oder zu einem anderen kleinen Ort kommt. Dadurch sind die Tickets auch sehr günstig (genaueres dazu weiter unten im Low Budget Absatz).

 

 

 

 


 

 

Ich hatte einen netten jungen Mann als Fahrkartenkontrolleur und Schiffsanleger (keine Ahnung wie die Leute heißen, die das Schiff an den Anlegern fest machen). Jedesmal wenn er kurz Zeit hatte, zeigte er mir wer Berühmtes wo wohnt (Tina Turners Anwesen sieht aus wie ein englisches Schloss, leider konnte man es nicht gut fotografieren, sodass ich nur ihren Anlegesteg erwischt habe) und erzählte mir ein bisschen was.

 

 

 

 

Am schönsten ist das Licht wenn man die Fahrt am Abend macht.

 

 

 

 

 

 

Uetliberg und Aussichtsturm

 

Es war mal wieder so weit. Mir kamen vor Überwältigung die Tränen. Dieses Bergpanorama ist einfach nur zu schön um wahr zu sein und kann mit der Kamera nicht mal ansatzweise so schön eingefangen werden wie es wirklich ist.

 

 

 

 

Für alle die keine 2 h auf den Berg wandern wollen, nicht so gut zu Fuß sind oder wie ich einfach nicht viel Zeit haben, gibt es die Uetlibergbahn. Die fährt aller 20 Minuten ab Hauptbahnhof Gleis 22. (mehr zum Preis im Low Budget Absatz). Die Bahn ist wohl weltweit ziemlich einzigartig, da sie erst eine ganz normale S-Bahn ist, die sich dann aber später langsam den Berg lang hoch schraubt. Irgendeine spezielle Technik ist da am Werk, habe ich gelesen.

 

 

 

 

Von der Endhaltestelle Uetliberg sind es dann noch mal 10 Minuten bergauf durch den Wald wo sich nach ein paar Metern schon das erste Bergpanorama auftut, was mich einfach nur umgehauen und zu tränenden Augen gerührt hat. Diese schneebedeckten Bergkuppen mit den sanften grünen Hügeln davor. Dem Wald und den kleinen Ortschaften. Liebe!

 

 

 

 

Oben angekommen gibt es ein hübsches Wirtshaus, eine Aussichtsplattform und einen Aussichtsturm.

 

 

 

 

Und auf den Turm wollte ich natürlich und das mit Höhenangst. #größtepanikattakedesjahres!!! Auf einem eh schon hohen Punkt noch höher zu gehen fühlte sich komisch an. Dazu dann noch ein ganz schönes Stückchen Weg wo man ständig durch die Stufen nach unten gucken kann und ein durchsichtiges Geländer. Dazu wackelt das Ganze noch leicht. Alles Gründe um mir weiche Knie und feuchte Hände zu machen aber ganz oben habe ich dann gedacht, ich muss mich vor Panik übergeben. Die Aussichtsplattform ist aus Holz. Nicht mehr ganz so frischem Holz mit Sichtspalten und darunter gehts in die Tiefe. Und alles was ich denken konnte war, wenn jetzt so ein Holzbrett bricht. Meine Panik war so groß, dass ich mich nach einer halben Minute da oben schon wieder auf den Weg nach unten machen musste, da ich das Gefühl hatte, ich würde vor Angst ohnmächtig werden. Ich muss noch dazu sagen, es war halb 9 morgens und ich war allein auf dem Turm. Ich also wieder eine Etage nach unten und von dort Fotos gemacht. Aber irgendwie packte mich der Ehrgeiz und ich wollte es noch mal nach oben versuchen. Ich habs immerhin geschafft eine Runde oben zu laufen aber ans Gelände habe ich mich trotzdem nicht getraut aber für ein paar Fotos hat´s gereicht.

 

 

 

 

Moral von der Geschicht – „step out of your comfort zone“ und sei stolz was du alles schaffst, wenn du deine Angst überwindest.

Danach habe ich mir dann noch die Aussichtsplattform angesehen um festzustellen, dass man eigentlich gar nicht auf den Turm hoch muss, da der Ausblick von der Plattform aus genauso schön ist.

 

 

 

 

Nach 1,5 h ging es wieder zur S-Bahn Station und ich war froh, dass ich mal wieder ein early bird war, denn so langsam waren die Touristen erwacht und der Berg füllte sich enorm.

Egal ob ihr auf den Turm geht oder nicht aber auf den Berg MÜSST ihr, wenn ihr in der Stadt seid!

 

 

 

 

Zürichhorn und chinesischer Garten

 

Das Zürichhorn ist eine kleine Ausbuchtung in den See hinein. Der ganze Bereich ist eine Parkanlage. Es ist wunderschön dort. Die Leute gehen schwimmen im klarsten See den ich je gesehen habe. Die Wasserfarbe hat mich stellenweise an die Karibik erinnert. Unfassbar schön.

 

 

 

 

Man kann auf der Wiese picknicken oder am Wochenende im Freilichkino am See einen Film genießen. Man könnte den ganzen Tag nur dort verbringen.

 

 

 

 

 

Dort gibt es auch noch einen chinesischen Garten. Wäre ich normalerweise nicht rein gegangen, da wegen Bautätigkeit der Eintritt aber nur 1 CHF (sonst 4 CHF) gekostet hat, habe ich es mir doch angeguckt. Hübsch angelegter Garten den Zürich 1993 von ihrer chinesischen Partnerstadt geschenkt bekommen hat (was schenkt man auch einer Stadt die schon alles hat?! :-D) Am coolsten dort fand ich die Kois die alle ganz aufgeregt angeschwommen kommen (auch wenn man nichts zum füttern hat) und sich streicheln lassen.

 

 

 

 

 

Streetparade

 

Und ich dachte ich fahre ins beschauliche Zürich aber nein, ich hatte mir ausgerechnet das Wochenende ausgesucht an dem am Samstag die Streetparade stattfand. Die Schweizer Loveprade quasi. Inzwischen die größte Technoveranstaltung der Welt mit einer Million Besuchern aus aller Welt. Ich war ja erst mal bedient als ich schon im Zug mit Massen von schlecht gekleideten betrunkenen Partypeople konfrontiert wurde und auch mein erster Eindruck als ich am Bahnhof ankam, wo sich die Massen sammelten, war schockierend. Aber nachdem ich mich langsam an den Streetparade Umzug heran getastet hatte, stand ich auf einmal mitten drin und fand es großartig!

 

 

 

 

8 Bühnen hauptsächlich am See verteilt, ein Straßenumzug mit Wagen von denen die unterschiedlichsten Technotöne herunter schallen. Alle tanzen. Kleiden kann man sich wie man will oder halt auch gar nicht. Jeder macht das worauf er Lust hat.

 

 

 

 

Alles ist friedlich. Ein geiler Vibe. Selbst auf dem See ist die Musik zu hören und man muss automatisch mitwippen. Die Zürcher sind stolz auf ihre Party und jung und alt tanzen mit.

Erst abends wurde mir die Sache zu anstrengend. Zu viele Leute auf einem Fleck. Zu viele Betrunkene und mehr Erbrochenes als ich je in meinem Leben gesehen habe. Zeit ins Hotel zurück zu gehen…

Zurück bleibt ein Haufen Müll. Erstaunlicherweise ist davon selbst um 8 Uhr in der früh am nächsten Tag fast nichts mehr zu sehen. Die Stadtreinigung hatte wohl eine lange Nachtschicht.

 

 

 

 

Food & Stores

 

Es gibt super viele schicke Restaurants aber auch kleinere gesunde Snackbars und die Hiltl Restaurant (Kette), die bereits seit 1898 ein vegetarisches Restaurant betreibt.

Natürlich gibt es in einer Stadt wie Zürich die ganz großen Namen wie Gucci, Louis Vuitton, Rolex usw. Aber es gibt auch noch viele niedliche Inhabergeführte Läden. Außerdem gibt es die Globus Kaufhäuser. Das erscheint mit sowas wie Karstadt in Deutschland zu sein.

 

 

 

 

Die meisten Geschäfte integrieren sich auch schön in die Architektur der Innenstadt.

 

 

 

 

Über Preise müssen wir an der Stelle nicht reden, da ich keine Zeit hatte mich damit zu beschäftigen aber ich denke, dass diese nicht unbedingt für das Einkommen eines deutschen Durchschnittbürgers gedacht sind.

 

Low Budget Tipps

 

Ich befinde mich ja momentan auf einer Weltreise – heißt, die (wenigen) Kohlen können nicht mit vollen Händen ausgegeben werden. Deshalb hatte ich ein bisschen Angst vor Zürich #teuerstestadtderwelt

 

 

 

 

Man kann Zürich aber auch durchaus in einer Low Budget Variante erleben in der Spaß und Sightseeing nicht zu kurz kommen.

Die beste Variante ist dabei ein 24 h Pass der Züricher Verkehrsbetriebe für 17,50 CHF (ca. 15 €). Dieser Pass gilt nicht nur für das Stadtgebiet sondern auch noch für 2 weitere Zonen bis hinauf zum Uetliberg. (wenn man dort nicht hin will, wird es entsprechend günstiger).

Auch bei der kleinen Seerundfahrt profitiert man von der ZVV Tageskarte. Denn mit Karte muss man nur noch 5 CHF dazu zahlen. Ohne Tageskarte kostet die kleine Seerundfahrt 8,80€, was aber immer noch absolut im Low Budget Bereich liegt, wenn ich das so mit Schifffahrten vergleiche die ich in anderen Städten gemacht habe.

 

 

 

 

Das Essen ist teuer, selbst eine Bratwurst auf der Straße kostet 10 CHF. Allerdings gibt es vielerorts die Supermarktkette Coop, die ein großartiges Sortiment auch an Streetfood wie Gebäck, verpackte Salate, Smoothies, Pizzastücke usw. hat. Und dort ist das Meiste nicht teurer als in einem deutschen Supermarkt.

Außerdem gibt es teilweise kostenfreie sehr ordentliche öffentliche Toiletten und Trinkwasserbrunnen in der ganzen Stadt.

Ein paar der Sehenswürdigkeiten sind gar nicht teuer. Blick vom Kirchturm 4 CHF, chinesischer Garten (wenn ein Teil des Geländes wegen Bauarbeiten nicht so schön ist) 1 CHF. Aussichtsturm auf dem Uetliberg 2 CHF (wobei man dort gar nicht unbedingt hoch muss. Die Aussicht vom Berg ist schon atemberaubend genug.)

Und die schönsten Dinge sind sowieso ganz kostenlos wie z.B. der Blick auf See und Berge.

 

 

 

Pros

 

Eine Stadt mit Wasser UND Bergen hat sowieso schon gewonnen.

 

 

 

 

Dazu ist alles noch sehr sauber und ordentlich. Es gibt viele Bänke, Mülleimer, Trinkwasserbrunnen, kostenlose Toiletten. Man fühlt sich einfach sofort wohl.

Und was mich am meisten überrascht hat, waren die Menschen. Ich hätte gedacht, dass Menschen mit Rolex am Arm und eigenem Boot auf dem Zürich See automatisch unsympathische Schnösel sein müssen aber den Eindruck hatte ich im Großen und Ganzen nicht. Die Menschen sind super entspannt. Schick gekleidet aber nicht drüber. Immer für ein Schwätzchen zu haben oder posieren auch gerne einfach mal ungefragt für ein Foto wie dieser junge Mann hier an den kostenlosen Electrogrills im Park.

 

 

 

 

Außerdem ist Cannabis legal in der Schweiz. Und das macht für mich das Land schon automatisch unendlich sympathisch. Ich hatte mich schon bei meiner Ankunft gewundert, das neben meinem Hotel ein kleiner Coffee Shop ist. Eine kurze Internetrecherche ergab, dass es das Kraut hier sogar im normalen Tabakladen oder teilweise im Supermarkt zu kaufen gibt. Mich lässt sowas dann doch mal kurz mit offenem Mund da sitzen.

 

„Nett to know“ – in Zürich gibt es sogar eine gelbe Phase an der Fußgängerampel.

 

 

 

 

Viele Pros die die Stadt so lebenswert machen.

 

Cons

 

Eine Stadt mit Mietpreisen jenseits von Gut und Böse hinterlässt natürlich auch Verlierer. Ein paar Menschen wohnen einfach im Park. In kleinen Zelten mit ihrem Hab und Gut. Im Sommer mag das ja noch gehen aber was machen die im Winter?!

 

 

 

 

Und auch hier scheint es ein Problem mit härteren Drogen zu geben. Auf den öffentlichen Toiletten gibt es überall seperate Mülleimer für Spritzen. Nach kurzer Recherche war ich schlauer. In den 80ern war ein Park hier weltweit als „Needlepark“ bekannt. Das Gelände wurde in den 90ern geräumt aber das Drogenproblem scheint sich hartnäckig zu halten.

 

 

 

 

Außerdem haben mich die enorm vielen Baustellen gestört. Man konnte kein ordentliches Panoramafoto in der Stadt machen ohne das ein Kran drauf war.

Es kann halt auch hier nicht alles perfekt sein, wobei man sagen muss, dass Zürich schon nah dran ist an perfekt.

 

 

Fazit

 

Die Stadt hat definitiv einen Platz in der Top 5 der lebenswertesten Städte verdient. Ich habe inzwischen 4 der 5 weltweit lebenswertesten Städte besucht (Auckland fehlt noch in meiner Sammlung) und kann mit vollster Überzeugung sagen, dass diese Städte nicht umsonst im Ranking so hoch stehen. Alle sind wunderschön, absolute Must Sees und sollten bei jedem auf der Bucket List stehen. Nur schade, dass Ottonormalmensch in den lebenswertesten Städten aufgrund der Mietpreise nicht leben kann. Elitestädte könnte man also auch sagen.

 

Zürich macht traurig aber nur aus einem einzigen Grund – weil man weiß, dass man die Stadt irgendwann wieder verlassen muss.

 

 



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